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Enerige & Management > Klimaschutz - Kabinettsbericht akzeptiert Zielverfehlung
Quelle: Shutterstock / 24Novembers
KLIMASCHUTZ:
Kabinettsbericht akzeptiert Zielverfehlung
Die Bundesregierung hat den Klimaschutzbericht 2025 beschlossen. Er zeigt sinkende Emissionen, aber Defizite bei Verkehr und Gebäuden. Wirksame Maßnahmen bis 2045 fehlen, so Kritiker.
 
Das Bundeskabinett hat am 6. August den Klimaschutzbericht 2025 beschlossen und dem Deutschen Bundestag vorgelegt. Der jährliche Bericht nach Paragraf  10 Bundes-Klimaschutzgesetz dokumentiert die Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Deutschland, laufende Klimaschutzmaßnahmen und den Stand bisheriger Programme. Laut Bericht sind die Emissionen 2024 erneut gesunken. Mit den bestehenden Maßnahmen könnte Deutschland sein Klimaziel für 2030 ganz knapp erreichen, für die folgenden Jahre nicht mehr.

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) betonte, dass Deutschland im Klimaschutz auf dem richtigen Weg sei, mahnte jedoch zu entschlossenerem Handeln insbesondere in den Sektoren Verkehr und Gebäude. Klimaschutz sei nicht nur eine Verpflichtung, sondern auch ein Treiber für Innovation und wirtschaftliche Erneuerung. Noch in diesem Jahr will die Bundesregierung ein umfassendes Klimaschutzprogramm vorlegen.

Gebäude- und Verkehrssektor weiter über dem Limit

2024 gingen die gesamten Treibhausgasemissionen um 3,4 Prozent auf 649 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zurück. Der Energiesektor verzeichnete den stärksten Rückgang und blieb deutlich unter seinen Zielwerten. Dagegen verfehlten die Sektoren Verkehr und Gebäude erneut ihre Jahresemissionsmengen, was Konsequenzen für die Einhaltung der EU-Verpflichtungen im Rahmen der sogenannten Lastenteilung (Effort Sharing Regulation, ESR) hat. Deutschland könnte gezwungen sein, Emissionszuweisungen von anderen Staaten zu kaufen, deren Preis und Verfügbarkeit ungewiss sind.

Laut Projektionsdaten 2025 ist das Ziel, die Emissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent gegenüber 1990 zu senken, erreichbar. Das Langfristziel der Treibhausgasneutralität 2045 würde jedoch ohne zusätzliche Maßnahmen verfehlt. Der Expertenrat für Klimafragen forderte deshalb in seinem Bericht vom Mai weitere Schritte, vor allem in den Sektoren Verkehr und Gebäude.
  Innovation durch Klimaschutz

Klimaschutzmaßnahmen bringen laut Bericht wirtschaftliche Impulse in allen Sektoren: Der Energiesektor profitiert vom Ausbau der erneuerbaren Energien, neuen Speichertechnologien und der Digitalisierung der Netze. Im Gebäudebereich entstehen Märkte für klimafreundliche Heizsysteme wie Wärmepumpen oder Geothermie. In der Industrie treiben Wasserstofftechnologien und Elektrifizierung nachhaltige Produktionsprozesse voran. Im Verkehr führt der Ausbau der Elektromobilität zu Veränderungen in Infrastruktur, Technik und Logistik.

Kontroverse um 65-Prozent-Regel für neue Heizungen

In der Endfassung des Berichts fehlen Formulierungen, die das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und seine 65-Prozent-Vorgabe für erneuerbare Energien im Heizen als „zentrales Instrument“ für die Wärmewende bezeichnen. Der Vizechef von Thermondo, Richard Lucht, wertet dies auf Linked in als Hinweis, dass die Regel abgeschafft werden könnte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lehnte die Vorgabe im Wahlkampf ab und plädiert für eine reine CO2-Bepreisung. Kritiker aus Politik und Umweltverbänden warnen, dies könne den Gasheizungsanteil erhöhen und Klimaschutzziele gefährden.

Bleibt es bei den Zielverfehlungen, müsste Deutschland laut Bericht Zertifikate im Umfang von 224 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent erwerben. Bei einem derzeitigen Preis von rund 70 Euro pro Tonne entspräche das etwa 12,3 Milliarden Euro. Ein solcher Zukauf könnte europaweit die Preise für Emissionszertifikate erhöhen und einkommensschwache Haushalte belasten.

Kritik an der Klimaschutzpolitik

Der Vorsitzende des Expertenrats für Klimafragen, Hans-Martin Henning, führt die Einhaltung der Jahresemissionsmengen bis 2030 auf einen Puffer aus den Krisenjahren 2021 bis 2024 zurück. Ohne diesen Puffer wären Überschreitungen wahrscheinlich. Vizechefin Brigitte Knopf kritisiert zudem, dass der aktuelle Koalitionsvertrag keinen zusätzlichen Beitrag zur Zielerreichung leiste.

Die Deutsche Umwelthilfe wirft der Bundesregierung vor, notwendige Sofortmaßnahmen zu unterlassen. Geschäftsführer Jürgen Resch kritisiert besonders die hohen Überschreitungen im Verkehrs- und Gebäudesektor sowie die Entwicklung im Land- und Forstbereich, der statt CO2 zu binden, erhebliche Mengen freisetze. Er fordert stattdessen unter anderem ein Tempolimit, den Abbau klimaschädlicher Subventionen und Investitionen in Moor- und Waldschutz.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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