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Enerige & Management > Gaskraftwerke - Studie sieht Fehlanreize bei Gaskraftwerksstandorten
Quelle: Fraunhofer IEG
GASKRAFTWERKE:
Studie sieht Fehlanreize bei Gaskraftwerksstandorten
Das Fraunhofer IEG analysierte im Auftrag der Leag Clean Power den geplanten Südbonus für Gaskraftwerke und sieht Risiken für Fehlsteuerungen.
 
Die Bundesregierung plant, bis 2030 den Bau von bis zu 20.000 MW neuer Gaskraftwerkskapazitäten anzureizen. Ein zentrales Instrument ist der sogenannte Südbonus, der Investitionen gezielt in den netztechnischen Süden lenken soll. Dort sollen künftig zwei Drittel der ausgeschriebenen Kapazitäten entstehen, um Netzengpässe zu reduzieren und die Versorgungssicherheit zu stabilisieren.

Eine aktuelle Analyse des Fraunhofer IEG (Energieinfrastrukturen und Geotechnologien) kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass dieser Bonus seinen Zweck möglicherweise übererfüllt. Laut der Studie verfügen süddeutsche Standorte bereits heute über wirtschaftliche Vorteile durch bestehende Fördermechanismen. Dazu zählt insbesondere die anteilige Werteverbrauchsvergütung, die Kraftwerksbetreiber erhalten, wenn sie im Rahmen von Redispatch-Maßnahmen ungeplant zusätzliche Leistung bereitstellen.

Wie die Forschenden darlegen, können diese Vergütungen über die Lebensdauer einer Anlage erhebliche Summen erreichen. In einzelnen Regionen im Süden liegen die ermittelten Werte laut Analyse in einer Größenordnung, die dem geplanten Südbonus entspricht oder diesen sogar übertrifft. Steigende Preise für Kraftwerkskomponenten könnten diesen Effekt zusätzlich verstärken.

Kraftwerksstrategie überarbeiten

„Die Studie liefert eine wichtige Grundlage, um die Kraftwerksstrategie volkswirtschaftlich optimal auszurichten“, sagt Mario Ragwitz, Leiter des Fraunhofer IEG. Ziel sei es, neue Kapazitäten dort zu errichten, wo sie das Energiesystem tatsächlich stärken. Bei der Ausgestaltung der Ausschreibungen müsse darauf geachtet werden, Fehlanreize zu vermeiden.

Auch Thorsten Spillmann, Projektleiter am Institut, weist auf Abstimmungsbedarf hin. Bestehende und geplante Förderinstrumente müssten besser verzahnt werden, da sonst Investitionen im Norden behindert werden könnten. Dieser bleibe für die Versorgungssicherheit ebenfalls relevant.

Die Studie hebt hervor, dass die Kombination aus Südbonus und bestehenden Vergütungsmechanismen zusätzliche Risiken birgt. Berücksichtigen Betreiber mögliche Erlöse aus Redispatch bereits bei ihren Geboten, können Unsicherheiten entstehen, die die Kapitalkosten erhöhen. Bleiben diese Erlöse unberücksichtigt, drohen im Nachhinein höhere Zahlungen und damit Mehrkosten für die Allgemeinheit. In beiden Fällen könnten Investitionen stärker in den Süden fließen als politisch vorgesehen.
 
Vergleich regionaler Zubau und Stromerzeugung aus Gaskraftwerken -
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Quelle: Fraunhofer IEG

Gegenvorschläge aus der Studie

Zur Begrenzung solcher Effekte schlagen die Autoren mehrere Maßnahmen vor. So könnten neu ausgeschriebene Anlagen von der anteiligen Werteverbrauchsvergütung ausgenommen werden. Alternativ wäre eine verpflichtende Rückzahlung entsprechender Erlöse denkbar. Beide Ansätze würden laut Analyse die Investitionssicherheit erhöhen und die Steuerungswirkung des Südbonus präzisieren. Eine pauschale Einpreisung erwarteter Vergütungen bewerten die Forschenden hingegen kritisch, da sie zusätzliche Risiken für Betreiber mit sich bringe.

Die Untersuchung entstand in Zusammenarbeit mit der Consentec GmbH. Auftraggeber war die Lausitzer Energie AG Clean Power mit Sitz in Cottbus (Brandenburg), ein Energieunternehmen mit Fokus auf erneuerbare Energien und flexible Kraftwerkskapazitäten. Laut den Studienautoren zeigt die Analyse, dass ein abgestimmtes Zusammenspiel von Förderinstrumenten, Netzbetrieb und Standortpolitik entscheidend ist, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten und Kosten für Verbraucher zu begrenzen.

Die IEG-Studie zum Südbonus für Kraftwerke  steht als PDF zum Download bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 19.03.2026, 12:22 Uhr

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