Die Initiative Energien Speichern (Ines), ein Zusammenschluss von Betreibern deutscher Gas- und Wasserstoffspeicher, spricht
sich für den Aufbau einer strategischen Resilienzreserve im Umfang von 78 TWh aus. Nach Angaben des Verbands würde eine Reserve
dieser Größenordnung die Versorgungssicherheit erhöhen, ohne die Marktmechanismen im Gasmarkt außer Kraft zu setzen.
Aus Sicht von INES haben die vergangenen Monate gezeigt, dass das deutsche Gassystem weiterhin anfällig für externe Schocks
ist. Die Speicherfüllstände zu Beginn des Winters 2025/26 seien für sehr kalte Temperaturen unzureichend gewesen. Dass es
bislang nicht zu einer größeren Belastungsprobe gekommen ist, habe vor allem an insgesamt normalen Wintertemperaturen gelegen,
erklärte der Verband.
Gleichzeitig verweist Ines auf geopolitische Risiken für die Energieversorgung. Entwicklungen rund um die Straße von Hormus
hätten verdeutlicht, wie sensibel das europäische Gassystem auf externe Ereignisse reagiere, wenn die Speicherstände niedrig
sind. Höhere Füllstände könnten laut Verband dazu beitragen, Preisspitzen zu dämpfen, Zeit für Gegenmaßnahmen zu gewinnen
und die Versorgungssicherheit im Krisenfall zu stabilisieren.
Politische Diskussion läuft
Die Diskussion über neue Instrumente zur Gasbevorratung wird derzeit auch auf politischer Ebene geführt. Die Bundesregierung
aus SPD und Union hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, die bisherigen gesetzlichen Speicherfüllstandsvorgaben zu überprüfen.
Ziel ist laut Koalitionsvertrag ein Instrument, das eine sichere und zugleich kostengünstigere Befüllung der Gasspeicher ermöglicht.
Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) hat dazu eine Studie des Beratungsunternehmens Frontier Economics beauftragt. Das
Gutachten lenkt die Debatte laut Ines auf die Möglichkeit, eine strategische Gasreserve in Deutschland einzurichten. Nach
Szenarioanalysen des Verbands könnte eine Reserve von 78 TWh beispielsweise einen vollständigen Ausfall norwegischer Gaslieferungen
über Pipelines nach Deutschland für einen Zeitraum von 90 Tagen überbrücken. Norwegen zählt zu den wichtigsten Gaslieferanten
Deutschlands.
Kosten von zwei bis vier Milliarden Euro
Die theoretischen Kosten für eine solche Reserve veranschlagt Ines – abhängig vom Gaspreisniveau – im ersten Jahr auf etwa
zwei bis vier Milliarden Euro. Der größte Teil dieser Summe entfalle auf die einmalige Befüllung der Speicher und den damit
verbundenen Gaseinkauf. In den Folgejahren entstünden vor allem Haltekosten, die laut Verband deutlich unter den anfänglichen
Einrichtungskosten liegen.
Mit dem Aufbau einer strategischen Reserve würde ein Teil der deutschen Speicherkapazitäten dem Markt nicht mehr zur Verfügung
stehen. Nach Angaben von Ines beträgt die gesamte Gasspeicherkapazität in Deutschland rund 251 TWh. Eine Reserve von 78 TWh
würde rechnerisch etwa 31 Prozent dieser Kapazität binden. Rund 69 Prozent der Speicherkapazität blieben weiterhin für den
Markt verfügbar.
Schrittweiser Aufbau möglich
Der Verband schlägt deshalb vor, die Reserve schrittweise aufzubauen. Ein gestufter Aufbau könne Marktteilnehmern Zeit geben,
sich auf die veränderte Kapazitätssituation einzustellen. Gleichzeitig ließen sich dadurch günstige Einkaufszeitpunkte für
Gas nutzen, um die Kosten der Erstbefüllung zu begrenzen.
Nach Vorstellung von INES sollte die strategische Reserve für mindestens fünf Jahre eingerichtet werden, idealerweise für
einen Zeitraum von zehn Jahren. Eine längere Laufzeit erhöhe die Planungssicherheit und könne Transaktionskosten verringern,
etwa für Ausschreibungen oder Umlagerungen von Gas in den Speichern. Die Nutzung der Reserve solle ausschließlich in klar
definierten Krisensituationen erfolgen, betont der Verband.
Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der INES, erklärte: „Die normalen Wintertemperaturen haben uns in diesem Jahr vor einer
ernsthaften Belastungsprobe bewahrt. Doch die niedrigen Speicherfüllstände in Kombination mit der aktuellen geopolitischen
Situation haben gezeigt, wie verwundbar unser Gassystem ist.“ Versorgungssicherheit sei das Ergebnis vorausschauender Vorsorge,
mahnte er.
Donnerstag, 05.03.2026, 15:42 Uhr
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