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Enerige & Management > Gas - Schwimmendes LNG-Terminal in Stade vor dem Aus?
Quelle: Shutterstock / VladSV
GAS:
Schwimmendes LNG-Terminal in Stade vor dem Aus?
Eigentlich sollte im niedersächsischen Stade längst LNG für das deutsche Gasnetz anlanden. Doch nun könnte ein Vertragsstreit das Projekt scheitern lassen.
 
Auf der Internetseite des LNG-Terminals Stade ist die Welt noch in Ordnung. „Die DET betreibt das LNG-Terminal ,Energos Force‘“, heißt es dort. Und weiter: „Ein Dienstleister, der den technischen Betriebsablauf und die Instandhaltung der Anlagen betreut, ist in der Hanseatic Energy HUB GmbH (HEH) gefunden worden.“

Die Realität allerdings sieht anders aus: Aktuell wird die „Energos Force“, eine schwimmende Speicher- und Regasifizierungsanlage für verflüssigtes Erdgas (FSRU), überhaupt nicht betrieben. Bislang ist über sie kein einziger Kubikmeter LNG nach Deutschland gekommen. Sie liegt derzeit auch gar mehr in Stade, sondern in Dänemark. Und die Verträge zwischen der Deutschen Energy Terminal GmbH (DET) und HEH sind gekündigt. Beidseitig.

Eigentlich hätte das Terminal im niedersächsischen Stade im März 2024 in den Probebetrieb gehen sollen. Tatsächlich lief die Energos Force auch am 15. März 2024 im eigens dafür angelegten Hafenbecken ein. Das Becken war in Rekordgeschwindigkeit aka Deutschlandtempo innerhalb nur eines Jahres durch die landeseigene Hafengesellschaft Niedersachsen Ports errichtet worden. Kosten: rund 300 Millionen Euro. Doch dann passierte: nichts.

Die geplante Inbetriebnahme wurde erst auf Ende 2024, dann auf das erste Quartal 2025 verschoben. Nun bescheinigt die bundeseigene DET dem Projekt in einer offiziellen Mitteilung „auf diese Weise keine Aussicht auf eine erfolgreiche Fertigstellung“. Die mit der HEH geschlossenen Verträge habe man im Januar 2025 beendet, was erforderlich gewesen sei, „um einen unabsehbar anwachsenden finanziellen Schaden von DET sowie ihrer Gesellschafterin, der Bundesrepublik Deutschland, abzuwenden.“

Auf Kündigung folgt Kündigung

Die Gründe für die Kündigung bleiben auch auf Nachfrage eher vage. Von einer „fortlaufenden Nichterfüllung der vertraglichen Pflichten seitens Hanseatic Energy Hub“ ist die Rede. Es fehle der Nachweis der technischen Fertigstellung und Betriebsbereitschaft der Suprastruktur, sodass man diese bislang nicht habe abnehmen können, heißt es wortgleich von DET und aus dem Wirtschaftsministerium (BMWK).

Die „Suprastruktur“ verbindet die FSRU mit dem Gasnetz. Und die sei durchaus fertiggestellt, heißt es von Seiten der HEH. Und von den Genehmigungsbehörden abgenommen. HEH habe ihre Vertragspflichten zum Bau damit erfüllt, dafür aber bis heute keinerlei Zahlungen erhalten. „Wir haben deshalb eine völlig unbegründete Kündigung der DET zu Beginn des Jahres umgehend zurückgewiesen und aufgrund eines massiven Vertrauensverlustes unsererseits eine Kündigung ausgesprochen“, sagt eine Sprecherin der HEH.

Tatsächlich bestätigt die Leiterin des zuständigen Cuxhavener Gewerbeaufsichtsamts, Evelin Wadephul, auf Anfrage der Redaktion, die immissionsschutzrechtliche Genehmigung sei am 22. Dezember 2023 durch die Lüneburger Kollegen erteilt worden. Allerdings habe sie im März 2024 eine erstmalige Anlagenrevision durchgeführt und dabei dokumentiert, dass noch eine sicherheitstechnische Prüfung aussteht. Der Betreiber – die DET – habe diese auch auf Nachfrage bislang nicht vorgelegt.

Ein DET-Sprecher erwidert auf Anfrage dazu, dass mit dem Gewerbeaufsichtsamt abgestimmt gewesen sei, die Unterlagen einen Monat vor Inbetriebnahme der Anlage vorzulegen. „Mangels Fertigstellung der Suprastruktur-Anlagen durch HEH konnte ein Inbetriebnahmetermin jedoch nie bestimmt werden“. Auch seien noch andere Behörden am Genehmigungsprozess beteiligt. „Unverändert liegen nicht alle notwendigen behördlichen Genehmigungen sowie abschließende behördliche Abnahmen vor Inbetriebnahme vor. Ursächlich hierfür sind durch HEH nicht abgeschlossene Arbeiten an den Suprastruktur-Anlagen sowie unvollständige beziehungsweise fehlerhafte Dokumentationen.“

Schaffung von teuren Überkapazitäten?

Wann und ob überhaupt die FSRU Stade in Betrieb gehen kann, steht damit in den Sternen. Vor Ort zeigte man sich enttäuscht: Der Stader Landrat Kai Seefried (CDU) sagte dem NDR, Anwohner würden sich die Frage stellen, ob die DET − und damit der Bund − es überhaupt jemals ernsthaft betreiben wollte.

Die Deutsche Umwelthilfe – dem Projekt gegenüber von Anfang an kritisch eingestellt – spricht bereits von einem Scheitern und fordert einen Abbau der „Überkapazitäten“ zum LNG-Import und einen Stopp weiterer Bauprojekte.

Mögliche Überkapazitäten werden auch angesichts der teilweise geringen Auslastung der drei bereits bestehenden LNG-Terminals immer wieder thematisiert. Mittelfristig sollten in Deutschland sechs FSRU den LNG-Import ermöglichen und langfristig durch stationäre Terminals ergänzt beziehungsweise ersetzt werden.

Dafür hatte Deutschland im Jahr 2022 fünf FSRU gemietet, um einen Teil der abgedrehten Gaslieferungen aus Russland zu kompensieren. Für den Betrieb der Terminals wurde die staatseigene DET GmbH gegründet. Eines der Schiffe, die „Energos Power“, wurde an die Deutsche Regas unterverchartert, die einzige private LNG-Terminalbetreiberin in Deutschland. Diese hatte allerdings im Februar 2025 den Chartervertrag gekündigt, weil sie sich im Wettbewerb mit der DET benachteiligt sah (wir berichteten). Die „Energos Power“ liegt derzeit ebenso wie die „Energos Force“ in Dänemark auf Reede.

BMWK verweist auf Gespräche der Beteiligten

Das BMWK verweist auf Nachfrage auf seinen Versorgungsauftrag: Von der Bundesregierung angestoßene zusätzliche LNG-Terminals seien kurz- und mittelfristig für die Resilienz der Gasversorgung essenziell, „da sie Versorgungsengpässe bei Nachfrageerhöhung vermeiden und eine Diversifikation der Energielieferungen ermöglichen“.

Zur Zukunft des FSRU-Projektes in Stade verweist die Sprecherin des BMWK auf Gespräche, die derzeit allen Unstimmigkeiten zum Trotz noch zwischen den Beteiligten laufen. Die laufenden Kosten für das gecharterte, aber ungenutzte Terminalschiff ermittle man derzeit.
 

Katia Meyer-Tien
Redakteurin
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Donnerstag, 20.03.2025, 17:09 Uhr

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