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Enerige & Management > Stromnetz - Neues Reifegradverfahren steuert Netzanschlüsse
Quelle: ÜNB
STROMNETZ:
Neues Reifegradverfahren steuert Netzanschlüsse
Die vier Übertragungsnetzbetreiber führen ab April 2026 ein Reifegradverfahren ein, um Netzanschlussanträge für Speicher und Großverbraucher nach objektiven Kriterien zu priorisieren.
 
Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, Amprion, Tennet Germany und Transnet BW haben ein neues Verfahren für die Vergabe von Netzanschlüssen angekündigt. Künftig bewerten sie Anträge auf Anschluss an das Höchstspannungsnetz nicht mehr ausschließlich nach dem Zeitpunkt des Eingangs, sondern nach ihrem Entwicklungsstand und ihrer Realisierungswahrscheinlichkeit. Das sogenannte Reifegradverfahren soll ab dem 1. April 2026 in allen Regelzonen der Übertragungsnetzbetreiber starten.

Laut den Unternehmen betrifft das neue Verfahren Netzanschlussanträge unter anderem für Großbatteriespeicher, Rechenzentren, Elektrolyseure sowie andere große Stromverbraucher und Erzeuger. Es ersetzt das bisherige Windhundprinzip, bei dem Anträge nach dem Grundsatz „first come, first served“ bearbeitet wurden. Dieses Vorgehen habe in den vergangenen Jahren zu einer starken Überzeichnung der verfügbaren Netzanschlusskapazitäten geführt.

Anträge in Zeitfenstern einreichen

Nach Angaben der Übertragungsnetzbetreiber werden Anträge künftig in festen Zeitfenstern gesammelt und anschließend gemeinsam bewertet. Übersteigt die Zahl der eingereichten Projekte die verfügbaren Kapazitäten, sollen diejenigen Vorhaben priorisiert werden, die den höchsten Reifegrad aufweisen. Diese Projekte erhalten dann ein konkretes Angebot inklusive Zeitplan für den Netzanschluss.

Die Bewertung erfolgt auf Basis transparenter und nachprüfbarer Kriterien. Dazu zählen laut den Übertragungsnetzbetreibern unter anderem der Stand der Flächensicherung und der Genehmigungen, das technische Anlagen- und Anschlusskonzept, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Antragsteller sowie der Netz- und Systemnutzen des jeweiligen Projekts. Ziel sei es, bei knappen Kapazitäten Vorhaben mit hoher Umsetzungswahrscheinlichkeit bevorzugt zu berücksichtigen.

Beispiele anderer Länder genutzt

Das Reifegradverfahren soll aus Sicht der Unternehmen einen strukturierten, diskriminierungsfreien und besser planbaren Prozess schaffen. Vergleichbare Modelle seien bereits in anderen europäischen Ländern wie Großbritannien und Norwegen im Einsatz. Die Übertragungsnetzbetreiber halten es für sinnvoll, das Verfahren europarechtlich durch die Bundesnetzagentur bestätigen zu lassen. Zudem regen sie an, die gesetzlichen Grundlagen für Netzanschlussverfahren entsprechend zu konkretisieren.

Unabhängig vom neuen Verfahren werde die Nachfrage nach Netzanschlüssen das Angebot weiterhin übersteigen, insbesondere bei Schaltfeldern, betonen die Unternehmen. Um Netzanschlüsse volkswirtschaftlich effizient zu nutzen, empfehlen die Übertragungsnetzbetreiber daher gesetzlich festgelegte Kontingente für bestimmte Technologien. Diese sollten sich am Bedarf des Gesamtsystems orientieren, damit beispielsweise Batteriespeicher, Elektrolyseure, Industrieanlagen, Kraftwerke und Rechenzentren angemessen berücksichtigt werden.

Hintergrund des Verfahrens

Hintergrund des neuen Verfahrens ist ein starker Anstieg der Netzanschlussanfragen in den vergangenen zwei Jahren. Nach Angaben der Übertragungsnetzbetreiber lagen zum Ende des dritten Quartals 2025 insgesamt 717 Netzanschlussanträge mit einer kumulierten Leistung von rund 270.000 MW vor. Davon entfielen 545 Anträge mit zusammen 211.000 MW auf Großbatteriespeicher. Zusätzlich schätzt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dass auf Ebene der Verteilnetzbetreiber weitere Anträge für Großbatteriespeicher mit knapp 600.000 MW Leistung vorliegen.

Zum Vergleich: Im Szenariorahmen für den Netzentwicklungsplan 2037/2045 aus dem Jahr 2025 wird für das Jahr 2035 ein Bedarf an Großbatteriespeichern zwischen 41.000 MW und 94.000 MW erwartet, abhängig vom Ausbau der erneuerbaren Energien und der Entwicklung des Stromverbrauchs. Für rund 51.000 MW an Großbatteriespeichern haben die Übertragungsnetzbetreiber bereits Netzanschlusszusagen erteilt. Weitere Anträge sollen, sofern sie noch nicht abschließend bearbeitet wurden, in das neue Reifegradverfahren überführt werden.

Das Netzanschlusskonzept der ÜNB  steht als PDF zum Download bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 05.02.2026, 13:52 Uhr

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