Unternehmen beurteilen die Infrastruktur insgesamt positiv. Sie zeigen sich mit Straßen, öffentlichem Nahverkehr und Schienenfernverkehr überwiegend zufrieden. Bürgerinnen und Bürger dagegen bewerten ihre Alltagserfahrungen kritischer. Nur rund ein Drittel äußert Zufriedenheit mit Straßen und Nahverkehr, beim Schienenfernverkehr sinkt der Wert auf 29 Prozent. Viele Bürger nennen Pünktlichkeit als wichtigste Schwachstelle. Unternehmen setzen eher auf funktionale Verbesserungen wie Verkehrsfluss oder Parkmöglichkeiten.
Sorgenkind Energie
Eine ähnliche Lücke zeigt sich im Bereich Energie. Laut KPMG bewerten 86 Prozent der Unternehmen die Stromversorgung positiv, bei den Bürgern sind es 55 Prozent. Unternehmen sehen Speichertechnologien und eine höhere Versorgungsdichte als vorrangige Aufgaben. Bürgerinnen und Bürger stellen dagegen die Bezahlbarkeit in den Mittelpunkt. In ihrem Alltag zeige sich laut der KPMG-Vorständin Ladislava Klein, wie groß der Handlungsbedarf sei.
Die KPMG-Analyse zeige zudem die besondere Rolle der Energieinfrastruktur. Sie wirkt direkt auf Investitionen, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Strom-, Gas- und Wärmenetze sowie Ladeinfrastruktur müssen nach Einschätzung der Studienautoren zuverlässig, bezahlbar und nachhaltig bleiben. Unternehmen sehen Strom als wichtigste Energieinfrastruktur, Bürgerinnen und Bürger nennen alle drei Bereiche als zentral.

Für Vollansicht auf die Grafik klicken
Quelle: KPMG
Auch bei der digitalen Infrastruktur gehen die Bewertungen auseinander. Unternehmen vergeben mit 93 Prozent beim Mobilfunk
und 86 Prozent beim Internet deutlich positive Noten. Bürger äußern dagegen Unzufriedenheit mit der Abdeckung. Sie stellen
ebenfalls die Kosten in den Vordergrund, während Unternehmen vor allem auf Netzsicherheit und Anbieterdiversität verweisen.
Steffen Wagner, Partner bei KPMG und verantwortlich für Transport und Infrastruktur, fordert gezielte Investitionen in Instandhaltung
und Modernisierung. Prozesse müssten einfacher werden, damit Ergebnisse im Alltag sichtbarer seien.
Politische Unzufriedenheit
Die unterschiedlichen Wahrnehmungen spiegeln sich in der Zahlungsbereitschaft wider. KPMG berichtet, dass Bürger eher bereit
sind, höhere Kosten zu tragen. Rund ein Viertel der grundsätzlich Zahlungsbereiten würde je nach Bereich mehr als zehn Prozent
zusätzlich zahlen. Unternehmen dagegen wollen kaum mehr investieren. 80 bis 92 Prozent der zahlungsbereiten Unternehmen würden
maximal fünf Prozent zusätzlich aufbringen.
Die Studie beleuchtet auch die gesamtwirtschaftliche Bedeutung funktionierender Netze. 72 Prozent der Unternehmen erwarten
bei einer dauerhaft schlechten Infrastruktur steigende Kosten und langsamere Abläufe. Eine Abwanderung planen sie laut KPMG
jedoch nicht. Bürgerinnen und Bürger befürchten dagegen politische und gesellschaftliche Folgen. 78 Prozent rechnen mit wachsender
politischer Unzufriedenheit.
Hoher Investitionsbedarf
KPMG ergänzt die Umfrageergebnisse um Einschätzungen zum Investitionsbedarf. Das Deutsche Institut für Urbanistik veranschlagt
bis 2030 allein im Verkehrsbereich 372 Milliarden Euro. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung erwartet für
die Stromnetze bis 2045 Investitionen von 651 Milliarden Euro. Der Großteil entfällt auf Übertragungsnetzbetreiber. Laut KfW
müsste Deutschland im Bereich Digitalisierung jährlich 140 bis 180 Milliarden Euro investieren, um international mitzuhalten.
Die KPMG-Studie zur Infrastruktur 2025 steht als PDF zum Download bereit.
Mittwoch, 10.12.2025, 14:39 Uhr
teilen
teilen
teilen
teilen
Achterbahn Wärmepumpenmarkt