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Enerige & Management > Klimaschutz - Bund will CO2-Entnahme technologisch fördern
Quelle: Pixabay / Gerd Altmann
KLIMASCHUTZ:
Bund will CO2-Entnahme technologisch fördern
Das Bundesumweltministerium hat einen Dialog über technische CO2-Entnahme gestartet und kündigt Förderprogramme für den Markthochlauf entsprechender Technologien an.
 
Die Bundesregierung will den Aufbau von Technologien zur Entnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre vorantreiben. Auf der Fachkonferenz „CO2-Entnahme aus der Atmosphäre: Neue Chancen für Klimaschutz und Innovation“ diskutierten am 8. Juni rund 180 Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Umweltverbänden. Thema war der Beitrag technischer CO2-Entnahmeverfahren zu den langfristigen Klimazielen Deutschlands.

Veranstalter war das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN). Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) kündigte an, die Bundesregierung wolle die Voraussetzungen für einen Markthochlauf entsprechender Technologien schaffen. Die technische CO2-Entnahme werde benötigt, um unvermeidbare Restemissionen auszugleichen, etwa aus der Landwirtschaft oder bestimmten Industrieprozessen.

Zudem böten die Verfahren wirtschaftliche Chancen für deutsche Unternehmen. Schneider sagte: „Das Ministerium plant in den kommenden Jahren Fördermittel für die Entwicklung und den Einsatz entsprechender Technologien bereitzustellen.“

Teil des Klimaschutzprogramms

Nach den Vorgaben des Bundes-Klimaschutzgesetzes soll Deutschland ab 2045 treibhausgasneutral sein. Nach 2050 sollen dem Gesetz zufolge sogar mehr Treibhausgase aus der Atmosphäre entnommen als ausgestoßen werden. Dafür reichen Emissionsminderungen allein nicht aus. Zusätzlich müssen sogenannte Negativemissionen aufgebaut werden.

Neben natürlichen Kohlenstoffsenken wie Wäldern und Böden setzt die Bundesregierung dabei auf technische und andere neuartige Verfahren. Dazu gehört etwa die direkte Abscheidung von Kohlendioxid aus der Umgebungsluft mit anschließender geologischer Speicherung. Dieses Verfahren wird als Direct Air Carbon Capture and Storage (DACCS) bezeichnet. Weitere Ansätze sind die Herstellung von Biokohle, die Mineralisierung von CO2 oder die beschleunigte Verwitterung von Gestein.

Langfriststrategie kommt

Das BMUKN arbeitet derzeit an einer Langfriststrategie für die CO2-Entnahme aus der Atmosphäre. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf technischen und neuartigen Kohlenstoffsenken. Ergänzend plant das Ministerium ein Investitionsförderprogramm sowie ein Marktanreizprogramm. Zudem soll ein Bürgerdialog die gesellschaftliche Debatte begleiten.

Nach Angaben des Ministeriums zählt Deutschland bei mehreren Entnahmetechnologien bereits zu den Vorreitern in Europa. Das gelte insbesondere für die Erforschung und Entwicklung von DACCS-Verfahren, Biokohle und Mineralisierungstechnologien. Die Bundesregierung verbindet mit dem Ausbau dieser Technologien Chancen für Innovation, Beschäftigung und Export.
 
CO2-Entnahmemöglichkeiten
(Für Vollbild auf die Grafik klicken)
Quelle: BMUKN

Wirtschaftlichen Rahmen schaffen

Ein zentrales Thema der Konferenz waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Aufbau eines Marktes für CO2-Entnahmen. Nach Darstellung des BMUKN sind dafür verlässliche Regeln zur Zertifizierung und Handelbarkeit von CO2-Entnahmen erforderlich.

Die Bundesregierung beteiligt sich auf europäischer Ebene an der Entwicklung entsprechender Standards für freiwillige Kohlenstoffmärkte. Zudem unterstützt sie die Diskussion über eine mögliche Einbindung dauerhafter CO2-Entnahmen in den europäischen Emissionshandel.

In Fachkreisen gilt die Finanzierung neuer Entnahmetechnologien als eine der größten Herausforderungen. Die Verfahren befinden sich überwiegend noch in frühen Entwicklungsstadien und erfordern hohe Investitionen. Entsprechend wurde auf der Konferenz auch über die Rolle staatlicher Förderung und langfristiger Marktanreize diskutiert.

Hintergrund der Konferenz

Zu den Teilnehmern der Veranstaltung gehörten unter anderem Vertreter der Deutschen Energie-Agentur (Dena), der Berliner Beratungseinrichtung Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) sowie Unternehmen und Verbände aus den Bereichen Energie, Zementindustrie und CO2-Entnahmetechnologien.

Mit der Konferenz hat das BMUKN nach eigenen Angaben den öffentlichen Dialog über die zukünftige Rolle technischer CO2-Entnahmeverfahren in der deutschen Klimapolitik eröffnet. Dabei soll auch diskutiert werden, wie industriepolitische Chancen genutzt und zugleich Anforderungen des Umwelt- und Naturschutzes berücksichtigt werden können.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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