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Enerige & Management > Stromnetz - Wirtschaft drängt auf schnelleren Netzausbau
Netz-Gipfel (v.li.): Birgit Potrafki (CFO Salzgitter AG), Christian Sewing (CEO Deutsche Bank), Tim Meyerjürgens (CEO Tennet Germany), Aurelie Alemany (CEO Enercity), Markus Krebber (CEO RWE) und Tim Holt (Vorstandsmitglied Siemens Energy) Quelle: Tennet
STROMNETZ:
Wirtschaft drängt auf schnelleren Netzausbau
Beim Netz-Gipfel von Tennet haben Vertreter aus Energiebranche, Industrie und Finanzwirtschaft schnellere Genehmigungen und verlässliche Investitionsbedingungen gefordert.
 
Vertreter aus Energiebranche, Industrie und Finanzwirtschaft haben beim dritten Netz-Gipfel des Übertragungsnetzbetreibers Tennet Deutschland mehr Tempo bei der Transformation des Energiesystems angemahnt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung am 6. und 7. Mai in Brunsbüttel standen laut Tennet die Energiesouveränität Europas, die Finanzierung der Energiewende und der Ausbau zentraler Infrastrukturen.

An der Veranstaltung nahmen Spitzenvertreter aus Energiewirtschaft, Industrie und Finanzsektor teil. Diskutiert wurde unter anderem, wie Deutschland und Europa ihre Energieversorgung unabhängiger, resilienter und wettbewerbsfähiger gestalten können.

Zum Auftakt des Gipfels zeigte Tennet Fortschritte bei Infrastrukturprojekten. Dazu gehörten Führungen an der Elbe-Tunnelbaustelle des Gleichstromprojekts Südlink sowie durch einen Offshore-Konverter. Am zweiten Veranstaltungstag diskutierten Tim Meyerjürgens, Vorsitzender der Geschäftsführung von Tennet Deutschland, Markus Krebber, Vorstandsvorsitzender von RWE, Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, Birgit Potrafki, Finanzvorständin der Salzgitter AG, Tim Holt aus dem Vorstand von Siemens Energy sowie Aurelie Alemany, Vorstandsvorsitzende von Enercity.

Europäische Energiesouveränität im Fokus

Im Zentrum der Gespräche stand laut Tennet die Frage, wie Energiesouveränität in Europa erreicht werden kann. Die Teilnehmer betonten, dass dies nur durch den Ausbau erneuerbarer Energien, leistungsfähige Stromnetze, Speicher, flexible Kraftwerkskapazitäten und eine stärkere europäische Vernetzung möglich sei. Nationale Alleingänge seien dafür nicht ausreichend.

Tennet-Geschäftsführer Meyerjürgens erklärte, Energiesouveränität entscheide über Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand. Dafür brauche es „sofort verlässliche, international wettbewerbsfähige Investitionsbedingungen“, damit Kapital ohne Verzögerung in den Netzausbau fließen könne. Zudem müsse das Energiesystem stärker als Gesamtsystem gedacht werden, bei dem Erzeugung, Netze und Flexibilität ineinandergreifen.

Auch Markus Krebber verwies auf die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen. Infrastrukturinvestitionen hätten lange Laufzeiten. Deshalb brauche es neben attraktiven Bedingungen vor allem Planungssicherheit und schnellere Genehmigungen. Daran entscheide sich die Attraktivität eines Wirtschaftsstandorts.

Finanzierung des Netzausbaus unterstützen

Christian Sewing sprach von einem „Finanzierungsmarathon“ für Netze, Energieversorgung und industrielle Transformation. Nach Angaben des Deutsche-Bank-Chefs sei ausreichend Kapital vorhanden. Voraussetzung sei jedoch, Prozesse zu vereinfachen und die Umsetzung deutlich zu beschleunigen.

Birgit Potrafki verwies auf geopolitische Risiken und Störungen internationaler Lieferketten. Diese zeigten die Bedeutung einer unabhängigen Stahlproduktion in Europa. Die Finanzvorständin der Salzgitter AG forderte deshalb stabile regulatorische und finanzielle Rahmenbedingungen für Unternehmen, die frühzeitig in die Transformation investierten.

Siemens-Energy-Vorstand Tim Holt erklärte, Lieferketten könnten nur dann im erforderlichen Tempo ausgebaut werden, wenn Unternehmen langfristige Planungssicherheit erhielten. Der Austausch zwischen Netzbetreibern, Industrie, Politik und Gesellschaft sei dafür entscheidend.

Aurelie Alemany betonte die Rolle der Elektrifizierung und Digitalisierung. Die Vorstandsvorsitzende von Enercity erklärte, Speicher, intelligente Netze und die Wärmewende seien zentrale Voraussetzungen für ein resilientes und bezahlbares Energiesystem in Europa.

Nach Angaben von Tennet herrschte unter den Teilnehmern Einigkeit darüber, dass die Energiewende eines der größten Investitionsprojekte der kommenden Jahrzehnte sei. Sie könne langfristig die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten reduzieren und industrielle Wertschöpfung in Europa stärken. Voraussetzung seien jedoch klare politische Prioritäten, verlässliche Rahmenbedingungen und eine kontinuierliche Unterstützung über Legislaturperioden hinweg.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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