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Enerige & Management > Stromnetz - Bündnis fordert klaren Freileitungsvorrang
Quelle: Katia Meyer-Tien
STROMNETZ:
Bündnis fordert klaren Freileitungsvorrang
Mehrere Verbände und Unternehmen fordern in einem Offenen Brief an die Bundestagsfraktionen einen konsequenten Freileitungsvorrang für neue Gleichstromleitungen.
 
Mehrere Akteure aus der Energiewirtschaft haben die Bundesregierung und die Bundestagsfraktionen aufgefordert, den im Entwurf zur Novelle des Bundesbedarfsplangesetzes vorgesehenen Freileitungsvorrang für neue Gleichstromverbindungen ohne Ausnahmen umzusetzen.

In einem Offenen Brief an die Vorsitzenden der Fraktionen von CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke warnen die Unterzeichner davor, den vorgesehenen Vorrang durch Ausnahmeregelungen zu verwässern. Das Bundesbedarfsplangesetz regelt, welche Stromnetzprojekte in Deutschland energiewirtschaftlich erforderlich sind. Zudem legt es fest, ob die Vorhaben als Freileitung oder Erdkabel umgesetzt werden sollen. Der aktuelle Gesetzentwurf der Bundesregierung wird in dieser Woche im Bundestag beraten.

Zu den Unterzeichnern des Briefs gehören laut dem baden-württembergischen Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW mit Sitz in Stuttgart unter anderem der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE), der Verband „Die Familienunternehmer“, der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), die Wirtschaftsvereinigung Stahl sowie die Wirtschaftsvereinigung der Grünen. 
Die Forderungen beziehen sich nach Angaben der Beteiligten insbesondere auf die geplanten Gleichstromvorhaben „DC42“ und „DC42plus“, die unter dem Namen SuedWestLink bekannt sind. Bereits planfestgestellte oder im Bau befindliche Projekte seien davon nicht betroffen.

Kritik an Ausnahmen

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht vor, neue Gleichstromtrassen künftig grundsätzlich als Freileitungen zu errichten. Ziel ist es, den Netzausbau kostengünstiger und schneller umzusetzen. Die Unterzeichner begrüßen diese Grundentscheidung, kritisieren jedoch die vorgesehenen Ausnahmen.

Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung von Transnet BW, erklärte die Einschränkungen des Freileitungsvorrangs würden Unsicherheiten schaffen und die Umsetzung der Projekte erschweren. „Eine Kombination aus Freileitung und Erdverkabelung innerhalb eines Vorhabens ist weder für Planung und Genehmigung noch für Bau und Betrieb sinnvoll“, sagte Götz.

Nach Einschätzung der Unterzeichner würden hybride Lösungen zusätzliche Planungsaufwände verursachen und Genehmigungsverfahren verlängern. Der Wechsel zwischen Freileitungs- und Erdkabelabschnitten innerhalb eines Projekts könne zu weiteren Diskussionen mit betroffenen Regionen führen und damit den Netzausbau verzögern. Aus Sicht des Bündnisses sei deshalb eine einheitliche Technologiefestlegung Voraussetzung für einen beschleunigten Ausbau der Stromnetze.

Freileitungen schneller und preiswerter

Zur Begründung verweisen die Organisationen auf wirtschaftliche und technische Vorteile von Freileitungen. Diese seien seit Jahrzehnten im deutschen Höchstspannungsnetz im Einsatz und technisch bewährt. Nach Angaben der Unterzeichner liegen die Investitionskosten von Freileitungen mindestens 50 Prozent unter denen von Erdkabeln. Zudem könnten Freileitungen schneller errichtet werden. Eine frühere Inbetriebnahme der Leitungen könne dazu beitragen, die Kosten für das Netzengpassmanagement zu senken.

Auch bei Betrieb und Lebensdauer sehen die Verbände Vorteile. Während Erdkabel weniger äußeren Einwirkungen ausgesetzt seien, könnten Störungen an Freileitungen in der Regel schneller lokalisiert und behoben werden. Zudem seien Freileitungen üblicherweise auf eine Nutzungsdauer von rund 80 Jahren ausgelegt. Erdkabel müssten dagegen nach etwa 40 Jahren erneuert werden.

BNE-Geschäftsführer Robert Busch bezeichnete den Freileitungsvorrang als effizienteste und kostengünstigste Lösung für eine langfristige Energieinfrastruktur. Robin Morgenstern, Landesvorsitzender von Die Familienunternehmer in Baden-Württemberg, verwies auf die Bedeutung niedriger Netzentgelte für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Martin Kaul, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung der Grünen, erklärte, niedrige Strompreise und ein schneller Netzausbau seien zentrale Voraussetzungen für das Gelingen der Energiewende. Christian Seyfert, Hauptgeschäftsführer des VIK, betonte, steigende Netzentgelte belasteten zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland. Deshalb müsse bei der Energiewende konsequent auf kosteneffiziente Lösungen gesetzt werden.

Der Offene Brief von Akteuren der Energiewirtschaft  steht im Internet bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Dienstag, 09.06.2026, 13:05 Uhr

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