Quelle: Pixabay
KERNKRAFT:
Vor 20 Jahren stieg RWE für Biblis in den Ring
RWE kämpfte im Jahr 2006, also vor 20 Jahren, für längere Kernkraftlaufzeiten und investierte zugleich Milliarden in Kohlekraftwerke und Netze. Einen Blick in das E&M-Archiv.
Vor 20 Jahren stritt die Energiewirtschaft über Laufzeiten von Kernkraftwerken, Netzentgelte und Milliardeninvestitionen in
neue Kohlekraftwerke. RWE wollte 2006 Biblis A länger am Netz halten und forderte damit Bundesumweltminister Sigmar Gabriel
heraus. Zugleich plante der Konzern neue Erzeugungskapazitäten und stellte Investitionen in die Netze unter den Vorbehalt
regulatorischer Entscheidungen. Der Beitrag aus dem E&M-Archiv zeigt, wie stark sich die energiepolitischen Koordinaten seitdem
verschoben haben. Heute richtet sich die Debatte über gesicherte Leistung vor allem auf neue Gaskraftwerke und deren Rolle
in einem Stromsystem mit wachsenden Anteilen erneuerbarer Energien.
10. August 2006: Der Essener Energiekonzern fordert Umweltminister Gabriel mit seinem Festhalten an dem Atomkraftwerk Biblis heraus. Die Strompreisgestaltung und seine weiteren Investitionen für den Netzausbau stellt das Unternehmen unter Vorbehalt der Genehmigungsbescheide der Bundesnetzagentur.
Der RWE-Konzern geht auf Konfrontationskurs mit dem Bundesumweltministerium. Bei Vorstellung der Halbjahresbilanz kündigte Vorstandschef Harry Roels an, noch „in diesem Sommer“ einen Antrag für die Laufzeitverlängerung des Atomkraftwerkes Biblis A zu stellen. Dafür will der Essener Energiekonzern die Strommengen von einem anderen, allerdings nicht genannten Nuklearmeiler übertragen. „Wir werden den Antrag stellen, weil wir für Biblis kämpfen möchten“, so Roels, der wortreich für die weitere Nutzung der Atomtechnik warb.
Gleichzeitig kündigte der Niederländer an, dass das RWE begonnen hat, Projekte für neue Atomkraftwerke im Ausland zu prüfen. „Das ist zwar Zukunftsmusik“, sagte Roels, „wir tun dies auch, um international nicht den Anschluss bei dieser Technologie zu verlieren.“ Das Vorgehen der RWE ist keine Überraschung. Einen Antrag für die Laufzeitverlängerung von Deutschlands ältestem Reaktor hatte das RWE-Management bereits auf der diesjährigen Bilanzpressekonferenz Ende Februar angekündigt.
Dass die Essener damit bei Bundesumweltminister Sigmar Gabriel auf Widerstand stoßen, ist absehbar. Anfang August hatte der SPD-Politiker nach einer Kabinettssitzung, auf der die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke nach dem jüngsten Störfall im schwedischen Meiler Forsmark auf der Tagesordnung stand, den heimischen Kraftwerksbetreibern eindringlich empfohlen, ältere Atomkraftwerke möglichst früh abzuschalten und stattdessen im Rahmen des Atomausstiegskompromisses eher die Laufzeiten neuerer Anlagen zu verlängern. „Das würde einen Beitrag zur Sicherheit von Atomkraftwerken leisten“, so der Umweltminister.
Allein schon um sein politisches Standing nicht zu gefährden, dürfte Gabriel auch künftig auf den unter Rot-Grün vereinbarten Atomausstieg beharren. Dass es in der Union, Partner der Sozialdemokraten in der großen Koalition, und vor allem bei Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) durchaus Sympathien für eine Laufzeitverlängerung gibt, ist bekannt. Beobachter sind deshalb auf die Reaktionen des Bundeskanzleramtes nach Eintreffen des RWE-Antrages gespannt.
„RWE ist der größte private Einzelinvestor“
Der Blick in die Bilanzzahlen zeigt, das der bundesweit größte deutsche Stromerzeuger vor allem dank guter Geschäfte im Energiebereich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gut verdient hat. So legte RWE beim betrieblichen Ergebnis kräftig um 19 Prozent auf 4,1 Mrd. Euro zu. Das Nettoergebnis erhöhte sich um 16 Prozent auf 1,7 Mrd Euro, während der Umsatz mit rund 24 Mrd. Euro um 17 Prozent über dem Vorjahreswert lag. Weiter abbauen konnte der RWE-Konzern seine Schulden, die nunmehr bei 9,5 Mrd. Euro liegen.
Während Vorstandschefs Roels beim betrieblichen Ergebnis für das Gesamtjahr ein Plus in der Größenordnung von fünf bis zehn Prozent ankündigte, tat er sich schwer beim Nettoergebnis: „Diese Prognose steht unter dem Vorbehalt, wie sich die möglichen Kürzungen für die Netznützungsgebühren auswirken.“ Derzeit rechne der RWE-Vorstand mit einem Ergebnisanstieg „am unteren Rand des Korridors von zehn bis zwanzig Prozent“.
Noch schmallippiger zeigte sich die gesamte RWE-Führungscrew bei der Frage, wieweit der Versorger die Strompreise für das kommende Jahr erhöhen will. Um die gesetzlich vorgeschriebenen Frist für Tarifkunden zu wahren, wird das RWE einen entsprechenden Antrag kommende Woche bei der Preisaufsichtsbehörde im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium einreichen. Konzernvorstand Berthold Bonekamp: „Da wir noch nicht wissen, wie die weiteren Bescheide der Bundesnetznetzagentur ausfallen, können wir über die Höhe der Preissteigerung noch nichts sagen.“ Mit Verweis auf ausstehende Entscheidungen der Bonner Behörde machte der RWE-Vorstand auch keine Angaben zu Gaspreissteigerungen.
Unter dem Vorbehalt, welche Einschnitte bei den Netznutzungsgebühren Matthias Kurth und seine Mannen dem RWE abverlangen, stehen bei dem Essener Energiekonzern die künftigen Investitionen in die Netze. Vorerst sind bis zum Jahr 2012 rund 5,8 Mrd. Euro vorgesehen. Daneben sind im gleichen Zeitraum 4,2 Mrd. Euro Investitionen für konventionelle Kraftwerke sowie 1 Mrd. Euro für den Aufschluss neuer Braunkohletagebau einkalkuliert. „Mit der Gesamtsumme von elf Milliarden Euro sind wir bundesweit der größte private Einzelinvestor“, so Harry Roels.
Für die geplanten neuen Kraftwerke machte das zuständige Vorstandsmitglied Jan Zilius zwei Ankündigungen: Am 23. August wird Bundeskanzlerin Angela Merkel den Grundstein für das neue 2 100-MW-Braunkohlekraftwerk in Grevenbroich-Neurath legen. Im kommenden Jahr will RWE Power die Genehmigung für den 1 500-MW-Steinkohle-Doppelblock im westfälischen Hamm beantragen. Mit der Inbetriebnahme rechnet Zilius im Jahr 2011.
10. August 2006: Der Essener Energiekonzern fordert Umweltminister Gabriel mit seinem Festhalten an dem Atomkraftwerk Biblis heraus. Die Strompreisgestaltung und seine weiteren Investitionen für den Netzausbau stellt das Unternehmen unter Vorbehalt der Genehmigungsbescheide der Bundesnetzagentur.
Der RWE-Konzern geht auf Konfrontationskurs mit dem Bundesumweltministerium. Bei Vorstellung der Halbjahresbilanz kündigte Vorstandschef Harry Roels an, noch „in diesem Sommer“ einen Antrag für die Laufzeitverlängerung des Atomkraftwerkes Biblis A zu stellen. Dafür will der Essener Energiekonzern die Strommengen von einem anderen, allerdings nicht genannten Nuklearmeiler übertragen. „Wir werden den Antrag stellen, weil wir für Biblis kämpfen möchten“, so Roels, der wortreich für die weitere Nutzung der Atomtechnik warb.
Gleichzeitig kündigte der Niederländer an, dass das RWE begonnen hat, Projekte für neue Atomkraftwerke im Ausland zu prüfen. „Das ist zwar Zukunftsmusik“, sagte Roels, „wir tun dies auch, um international nicht den Anschluss bei dieser Technologie zu verlieren.“ Das Vorgehen der RWE ist keine Überraschung. Einen Antrag für die Laufzeitverlängerung von Deutschlands ältestem Reaktor hatte das RWE-Management bereits auf der diesjährigen Bilanzpressekonferenz Ende Februar angekündigt.
Dass die Essener damit bei Bundesumweltminister Sigmar Gabriel auf Widerstand stoßen, ist absehbar. Anfang August hatte der SPD-Politiker nach einer Kabinettssitzung, auf der die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke nach dem jüngsten Störfall im schwedischen Meiler Forsmark auf der Tagesordnung stand, den heimischen Kraftwerksbetreibern eindringlich empfohlen, ältere Atomkraftwerke möglichst früh abzuschalten und stattdessen im Rahmen des Atomausstiegskompromisses eher die Laufzeiten neuerer Anlagen zu verlängern. „Das würde einen Beitrag zur Sicherheit von Atomkraftwerken leisten“, so der Umweltminister.
Allein schon um sein politisches Standing nicht zu gefährden, dürfte Gabriel auch künftig auf den unter Rot-Grün vereinbarten Atomausstieg beharren. Dass es in der Union, Partner der Sozialdemokraten in der großen Koalition, und vor allem bei Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) durchaus Sympathien für eine Laufzeitverlängerung gibt, ist bekannt. Beobachter sind deshalb auf die Reaktionen des Bundeskanzleramtes nach Eintreffen des RWE-Antrages gespannt.
„RWE ist der größte private Einzelinvestor“
Der Blick in die Bilanzzahlen zeigt, das der bundesweit größte deutsche Stromerzeuger vor allem dank guter Geschäfte im Energiebereich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gut verdient hat. So legte RWE beim betrieblichen Ergebnis kräftig um 19 Prozent auf 4,1 Mrd. Euro zu. Das Nettoergebnis erhöhte sich um 16 Prozent auf 1,7 Mrd Euro, während der Umsatz mit rund 24 Mrd. Euro um 17 Prozent über dem Vorjahreswert lag. Weiter abbauen konnte der RWE-Konzern seine Schulden, die nunmehr bei 9,5 Mrd. Euro liegen.
Während Vorstandschefs Roels beim betrieblichen Ergebnis für das Gesamtjahr ein Plus in der Größenordnung von fünf bis zehn Prozent ankündigte, tat er sich schwer beim Nettoergebnis: „Diese Prognose steht unter dem Vorbehalt, wie sich die möglichen Kürzungen für die Netznützungsgebühren auswirken.“ Derzeit rechne der RWE-Vorstand mit einem Ergebnisanstieg „am unteren Rand des Korridors von zehn bis zwanzig Prozent“.
Noch schmallippiger zeigte sich die gesamte RWE-Führungscrew bei der Frage, wieweit der Versorger die Strompreise für das kommende Jahr erhöhen will. Um die gesetzlich vorgeschriebenen Frist für Tarifkunden zu wahren, wird das RWE einen entsprechenden Antrag kommende Woche bei der Preisaufsichtsbehörde im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium einreichen. Konzernvorstand Berthold Bonekamp: „Da wir noch nicht wissen, wie die weiteren Bescheide der Bundesnetznetzagentur ausfallen, können wir über die Höhe der Preissteigerung noch nichts sagen.“ Mit Verweis auf ausstehende Entscheidungen der Bonner Behörde machte der RWE-Vorstand auch keine Angaben zu Gaspreissteigerungen.
Unter dem Vorbehalt, welche Einschnitte bei den Netznutzungsgebühren Matthias Kurth und seine Mannen dem RWE abverlangen, stehen bei dem Essener Energiekonzern die künftigen Investitionen in die Netze. Vorerst sind bis zum Jahr 2012 rund 5,8 Mrd. Euro vorgesehen. Daneben sind im gleichen Zeitraum 4,2 Mrd. Euro Investitionen für konventionelle Kraftwerke sowie 1 Mrd. Euro für den Aufschluss neuer Braunkohletagebau einkalkuliert. „Mit der Gesamtsumme von elf Milliarden Euro sind wir bundesweit der größte private Einzelinvestor“, so Harry Roels.
Für die geplanten neuen Kraftwerke machte das zuständige Vorstandsmitglied Jan Zilius zwei Ankündigungen: Am 23. August wird Bundeskanzlerin Angela Merkel den Grundstein für das neue 2 100-MW-Braunkohlekraftwerk in Grevenbroich-Neurath legen. Im kommenden Jahr will RWE Power die Genehmigung für den 1 500-MW-Steinkohle-Doppelblock im westfälischen Hamm beantragen. Mit der Inbetriebnahme rechnet Zilius im Jahr 2011.
Ralf Köpke
© 2026 Energie & Management GmbH
Samstag, 15.08.2026, 04:53 Uhr
Samstag, 15.08.2026, 04:53 Uhr
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