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Enerige & Management > Windkraft - Studie warnt vor massiven Jobverlusten bei Offshore
Quelle: Fotolia / ptoscano
WINDKRAFT:
Studie warnt vor massiven Jobverlusten bei Offshore
Eine Studie beziffert die Folgen einer Projektlücke beim Windkraftausbau. Forderungen nach Gesetzesänderungen werden laut.
 
Fällt der Offshore-Ausbau dauerhaft schwach aus, drohen Deutschland bis 2045 erhebliche wirtschaftliche Einbußen. Das zeigt die Ergänzung der Studie „Wertschöpfung der Offshore-Windenergie in Deutschland“ von „wind:research“. Sie vergleicht das gesetzliche Ziel von 70.000 MW mit dem Szenario „Wertschöpfungskrise“. Dieses unterstellt geringe Projektmengen, begrenzte Netzanschlüsse, wirtschaftlichen sowie wachsenden Importdruck, die zusammen die Projektpipeline schwächen. 

Heute sichert die Branche laut der Studie rund 31.530 Vollzeitäquivalente, das entspricht etwa 49.000 Arbeitsverhältnissen. Im Krisenfall sinkt die Zahl danach bis 2045 auf 9.000, die Branche verlöre also rund zwei Drittel ihrer Beschäftigten.

Bei verlässlichem Ausbau wären dagegen rund 90.000 zusätzliche Vollzeitstellen möglich. Betroffen wären Zulieferer, Produktionsstandorte und Mittelständler weit über die Küstenregionen hinaus. Verlorene Kapazitäten und Fachkräfte, so heißt es, stünden für einen späteren Ausbau nicht ohne Weiteres wieder zur Verfügung. 

Auch beim Umsatz sieht die Untersuchung eine gravierende Lücke. 2025 erzielte die Branche einschließlich Exporten rund 14,6 Milliarden Euro. Im Referenzszenario steigt der Jahresumsatz auf 20 Milliarden Euro im Jahr 2030 und auf 57 Milliarden Euro im Jahr 2045.

Im Krisenszenario fällt er auf rund acht Milliarden. Euro und später auf etwa vier Milliarden Euro. Kumuliert ergibt sich ein Ausfall von knapp 35 Milliarden Euro bis 2030 und von mehr als 550 Milliarden Euro bis 2045. Zudem würden 2045 nur 34.000 statt 70.000 MW erreicht. Die fehlenden 36.000 MW wären im System nicht verfügbar, um Verkehr, Wärme und Industrie zu elektrifizieren. 

BWO fordert Nachbesserungen

Der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) sieht im parlamentarischen Verfahren zur Wind-auf-See-Gesetz-Novelle konkreten Änderungsbedarf. „Die ausgebliebenen Gebote bei den Ausschreibungen 2025 waren ein deutliches Warnsignal“, sagt BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm. Ein Zuschlag allein schaffe noch keinen Auftrag. Entscheidend sei, dass Projekte tatsächlich realisiert werden und die Industrie verlässlich planen kann. 

Der Verband nennt drei Punkte. Erstens sollen Projekte von Beginn an über zweiseitige Contracts for Difference abgesichert werden, um Strompreis- und Vermarktungsrisiken zu senken.

Zweitens fordert der BWO eine wirksame Indexierung, die Kostenveränderungen zwischen Zuschlag und Investitionsentscheidung berücksichtigt. Laut einer BWO-Studie liegt das Kostensenkungspotenzial bei rund 440 Millionen Euro pro Gigawatt.

Drittens soll es für Zuschläge aus den Jahren 2023 bis 2025 eine einmalige, geordnete Rückgabeoption geben, damit wirtschaftlich gefährdete Flächen unter tragfähigeren Bedingungen schnell neu ausgeschrieben werden können.

Pro fehlendem Gigawatt stünden rund 3,5 Milliarden Euro Auftragsvolumen auf dem Spiel. So ließen sich Aufträge entlang der Lieferkette sichern und die Abhängigkeit von Importen begrenzen, so der Verband. (gd)
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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