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Enerige & Management > Erdgas - Speicherfüllstände: Nicht gut, aber auch nicht kritisch
Erdgasspeicher Etzel. Quelle: Uniper
ERDGAS:
Speicherfüllstände: Nicht gut, aber auch nicht kritisch
Trotz niedriger Gasspeicherstände ist Deutschland bisher gut durch den Winter gekommen. Das ist vor allem der relativ milden Witterung zu verdanken, so der Branchenverband „INES“.
 
Die „Initiative Energien speichern“ („INES“) fordert in ihrem neuesten Lagebericht, gesetzliche und regulatorische Maßnahmen, um die Versorgungssicherheit mit Erdgas weiterhin zu gewährleisten. Die Wintervorsorge in der jetzigen Form sei unzureichend. Vor allem die moderaten Monatsmitteltemperaturen im Dezember von 3,1 Grad Celcius hätten dafür gesorgt, dass es nicht zu einer Gasmangellage kam. Der Januar sei bisher zwar kälter als ein Normaljahr, es habe aber keine Extremwerte gegeben. 

Bei sehr niedrigen Temperaturen wie beispielsweise im Winter 2010 mit minus 4,6 Grad Celcius könnte es bei den derzeitigen Speicherfüllständen auf „historisch niedrigem Niveau“ durchaus zu Unterdeckungen kommen, warnt Ines. Was aber, so schränkt man ein, keine physische-Nicht-Versorgung bedeute, sondern starke Preissteigerungen, die Verbrauchsreduktionen erzwingen. Erste Preissteigerungen an den Großhandelsmärkten seien bereits zu beobachten. 

Die aktuellen Speicherstände, so heißt es seitens des Branchenverbandes, erinnerten an das Krisenjahr 2021/2022, als man beim russischen Angriff auf die Ukraine nicht nur mit leeren Speichern, sondern auch mit ausbleibenden Gaslieferungen über die Nordstream-Pipeline dastand. Nach Ines-Angaben ging es 2025 mit einem Speicherfüllstand von lediglich 75 Prozent in die Heizperiode. Zum Jahresbeginn 2026 lag der Wert bei 57 – und damit 23 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. 
 
Die Entwicklung der Speicherstände im Jahr 2025
(zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: Ines

Ursächlich für die unzureichende Befüllung sind, so die Einschätzung von Ines, unter anderem die bestehenden Füllstandsvorgaben und die damit verbundenen Marktverzerrungen. Diese beeinflussten die Preisbildung, dämpften den saisonalen Sommer-/Winter-Spread und schwächten damit die marktwirtschaftlichen Anreize zur Einspeicherung. Über das Gasspeichergesetz bestand für die Bundesregierung die Möglichkeit, staatliche Instrumente einzusetzen und höhere Füllstände sicherzustellen. Davon wurde kein Gebrauch gemacht, da hohe Kosten befürchtet wurden.

Zeit der Hamsterkäufe ist vorbei

Wir erinnern uns: Trading Hub Europe (THE) hat als Marktgebietsverantwortlicher auf Weisung der Bundesregierung im Sommer und Herbst 2022 große Mengen Gas zu horrenden Preisen am Spotmarkt eingekauft, um die Gasspeicher vor dem Winter auf durch die Politik vorgegebene Füllstände zu bringen. Diese Monate waren geprägt von extrem hohen Gaspreisen nach dem russischen Lieferstopp über Nord Stream – und es wurde Gas „egal zu welchem Preis“ eingekauft, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. 

Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann: „Der milde Winterverlauf hat die Lage kurzfristig entschärft, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Speicherbefüllung vor dem Winter 2025/26 unzureichend war. Die aktuellen Mechanismen sichern die Versorgungssicherheit nicht ausreichend ab. Der gesetzliche und regulatorische Rahmen muss deshalb weiterentwickelt werden. Gleichzeitig braucht es auf europäischer Ebene harmonisierte Rahmenbedingungen, damit deutsche Speicher an einem fairen Wettbewerb teilnehmen können.“ 

LNG als Alternative

Stefan Dohler, EWE-Vorstandsvorsitzender, hat sich kürzlich ebenfalls zum Thema geäußert. Er wies in einem Presseinterview warnend darauf hin, dass die aktuelle Füllstandsituation so schlecht sei wie Anfang 2022. Grund sei, so der Chef des Oldenburger Energieversorgers, dass im vergangenen Sommer keine ausreichenden Preissignale für eine stärkere Einspeicherung von Gas aus dem Markt kamen. Staatliche Vorgaben wie in der Krise von 2022 bis 2024 seien dagegen weggefallen. Dohler regte an, neben der strategischen Erdölreserve eine strategische Gasreserve anzustreben. In Österreich zum Beispiel werde über ein solches Modell Gas als Puffer eingespeichert, das nur für Notfälle vorgesehen sei. Eine staatliche Stelle regle die Befüllung über Ausschreibungen. 
 
Der Tanker „Ish“ erreicht das schwimmende LNG-Terminal
„Höegh Gannet“ in Brunsbüttel.
Quelle: RWE

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums verwies im Kontext der Kritik an den niedrigen Speicherfüllständen auf die inzwischen gut ausgebaute LNG-Infrastruktur in Deutschland und Europa, die zusätzlich zur Hauptversorgung durch Pipelineimporte aus Norwegen zur Verfügung steht. Nach den Zahlen von Ines wurde von Januar bis Dezember 2025 über europäische Terminals LNG im Umfang von 4,4 Milliarden kWh pro Tag importiert. Besonders hohe Mengen kamen über Frankreich, die Niederlande sowie über Italien, Spanien, das Vereinigte Königreich und Belgien. Dabei blieben große Importkapazitäten ungenutzt: Diese entsprechen zusammen 9,7 Milliarden kWh pro Tag. 
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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Dienstag, 20.01.2026, 15:18 Uhr

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