Quelle: Stefan Sagmeister
MÄRKTE:
Realtime-Pricing in der Realität
Wie kann man Großhandelsmärkte und Endkundenmärkte stärker zusammenführen? Das Realtime Pricing könnte eine Möglichkeit sein.
„Bridging Wholesale and Retail“ lautet der Titel eines Panels auf der E-world. Es zeigte sich unter den Diskutanten, dass
es prinzipiell schon möglich sei, die beiden Märkte besser zu verzahnen. Vor allem die Technik müsste weiterentwickelt werden.
Im Mittelpunkt standen Echtzeitpreise, lokale Preissignale, die Rolle von Day-Ahead- und Terminmärkten sowie die Frage, welche digitale Infrastruktur nötig ist, um neue flexible Verbraucher und dezentrale Akteure in Märkte zu integrieren.
Karsten Neuhoff von der TU Berlin sieht mit Blick auf den Endkunden durchaus Chancen bei der Vermarktung von Kapazitäten in Echtzeit. So seien beispielsweise dynamische Tarife ein geeignetes Instrument, um kurzfristige Flexibilität zu aktivieren und zugleich Redispatch zu reduzieren. Engpässe und Systemzustände würden schneller in Preissignalen abgebildet.
Allerdings: Mit wachsender Flexibilität auf der Nachfrageseite – etwa durch steuerbare Lasten – entstehe der Anspruch beim Kunden, dafür eine Vergütung zu erhalten. Zugleich gehe es darum, so Neuhoff, Preisunterschiede zwischen Regionen oder Netzzonen zu managen, ohne Endkunden mit sprunghaften Differenzen zu belasten.
Gleichwohl bleibe der Day-Ahead-Markt wichtig, weil er die gebündelte Nachfrage und das Angebot koordiniert und so Planungssicherheit für den Folgetag liefert. Auch die langfristigen Handelsprodukte seien weiterhin wichtig für die Absicherung von Preisrisiken.
Jens Strüker von der Universität Bayreuth betonte, dass nicht nur das Marktdesign entscheide, sondern beim Realtime Pricing vor allem die digitale Infrastruktur. Für dezentrale Marktplätze brauche es handelbare Produkte, verlässliche Daten und eindeutige Identifikationen neuer Teilnehmer wie Elektrofahrzeuge oder Wärmepumpen.
In der aktuellen Systemlandschaft gebe es zwar viele Beteiligte – Erzeuger, Messstellenbetreiber, Netzbetreiber und weitere –, doch Daten- und Prozessketten seien nicht durchgängig verbunden. Hohe Kosten für Datentransfer, Abrechnung und Zahlungsvorgänge erschwerten kleinteilige Transaktionen. Strüker verwies darauf, dass die Konzepte für Realtime Pricing und automatisierte Reaktionen grundsätzlich vorhanden seien, es aber an skalierbaren Standards, Schnittstellen und effizienten Abwicklungssystemen fehle.
Saber Talari von der Universität Köln ergänzte die Perspektive aus Sicht dynamischer Endkundenpreise. Er verwies auf Erfahrungen aus anderen Ländern und auf die Notwendigkeit, Kunden nicht zu überfordern. Voraussetzung seien transparente, faire Abrechnung, Verständlichkeit und Schutzmechanismen, damit Kunden angemessen reagieren können.
Talari nannte in dem Zusammenhang Energiegemeinschaften, in denen lokal gehandelt wird. In Energiegemeinschaften, wie sie in Schweden ausprobiert werden, würden Haushalte und kleinere Akteure ihre Kapazitäten vor Ort bündeln und so Beiträge zu Systemdienstleistungen leisten, etwa im Regelenergiemarkt. Allerdings müssten Aggregation und Marktzugang in der Energiegemeinschaft sauber organisiert sein.
Jochen Kreusel von Hitachi stellte den Bezug zur technischen Realität her. Er beschrieb eine Lücke zwischen dem, was technisch möglich ist, und dem, worüber im Marktdesign häufig diskutiert wird. Früher sei das System nach dem Handel über Regelenergie „geradegezogen“ worden.
Heute gebe es deutlich mehr Akteure und Anforderungen mit eigenen Interessen, während Teile der Infrastruktur und Prozesse weiterhin auf ältere Marktlogiken ausgerichtet seien. Daraus leitete er den Bedarf ab, Kapazitäten und Netzrestriktionen stärker vorausschauend zu steuern und Preissignale so zu gestalten, dass sie physikalische Grenzen berücksichtigen.
Im Mittelpunkt standen Echtzeitpreise, lokale Preissignale, die Rolle von Day-Ahead- und Terminmärkten sowie die Frage, welche digitale Infrastruktur nötig ist, um neue flexible Verbraucher und dezentrale Akteure in Märkte zu integrieren.
Karsten Neuhoff von der TU Berlin sieht mit Blick auf den Endkunden durchaus Chancen bei der Vermarktung von Kapazitäten in Echtzeit. So seien beispielsweise dynamische Tarife ein geeignetes Instrument, um kurzfristige Flexibilität zu aktivieren und zugleich Redispatch zu reduzieren. Engpässe und Systemzustände würden schneller in Preissignalen abgebildet.
Allerdings: Mit wachsender Flexibilität auf der Nachfrageseite – etwa durch steuerbare Lasten – entstehe der Anspruch beim Kunden, dafür eine Vergütung zu erhalten. Zugleich gehe es darum, so Neuhoff, Preisunterschiede zwischen Regionen oder Netzzonen zu managen, ohne Endkunden mit sprunghaften Differenzen zu belasten.
Gleichwohl bleibe der Day-Ahead-Markt wichtig, weil er die gebündelte Nachfrage und das Angebot koordiniert und so Planungssicherheit für den Folgetag liefert. Auch die langfristigen Handelsprodukte seien weiterhin wichtig für die Absicherung von Preisrisiken.
Jens Strüker von der Universität Bayreuth betonte, dass nicht nur das Marktdesign entscheide, sondern beim Realtime Pricing vor allem die digitale Infrastruktur. Für dezentrale Marktplätze brauche es handelbare Produkte, verlässliche Daten und eindeutige Identifikationen neuer Teilnehmer wie Elektrofahrzeuge oder Wärmepumpen.
In der aktuellen Systemlandschaft gebe es zwar viele Beteiligte – Erzeuger, Messstellenbetreiber, Netzbetreiber und weitere –, doch Daten- und Prozessketten seien nicht durchgängig verbunden. Hohe Kosten für Datentransfer, Abrechnung und Zahlungsvorgänge erschwerten kleinteilige Transaktionen. Strüker verwies darauf, dass die Konzepte für Realtime Pricing und automatisierte Reaktionen grundsätzlich vorhanden seien, es aber an skalierbaren Standards, Schnittstellen und effizienten Abwicklungssystemen fehle.
Saber Talari von der Universität Köln ergänzte die Perspektive aus Sicht dynamischer Endkundenpreise. Er verwies auf Erfahrungen aus anderen Ländern und auf die Notwendigkeit, Kunden nicht zu überfordern. Voraussetzung seien transparente, faire Abrechnung, Verständlichkeit und Schutzmechanismen, damit Kunden angemessen reagieren können.
Talari nannte in dem Zusammenhang Energiegemeinschaften, in denen lokal gehandelt wird. In Energiegemeinschaften, wie sie in Schweden ausprobiert werden, würden Haushalte und kleinere Akteure ihre Kapazitäten vor Ort bündeln und so Beiträge zu Systemdienstleistungen leisten, etwa im Regelenergiemarkt. Allerdings müssten Aggregation und Marktzugang in der Energiegemeinschaft sauber organisiert sein.
Jochen Kreusel von Hitachi stellte den Bezug zur technischen Realität her. Er beschrieb eine Lücke zwischen dem, was technisch möglich ist, und dem, worüber im Marktdesign häufig diskutiert wird. Früher sei das System nach dem Handel über Regelenergie „geradegezogen“ worden.
Heute gebe es deutlich mehr Akteure und Anforderungen mit eigenen Interessen, während Teile der Infrastruktur und Prozesse weiterhin auf ältere Marktlogiken ausgerichtet seien. Daraus leitete er den Bedarf ab, Kapazitäten und Netzrestriktionen stärker vorausschauend zu steuern und Preissignale so zu gestalten, dass sie physikalische Grenzen berücksichtigen.
© 2026 Energie & Management GmbH
Dienstag, 10.02.2026, 16:47 Uhr
Dienstag, 10.02.2026, 16:47 Uhr
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