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Enerige & Management > Regenerative - Polen erzeugt mehr Strom aus Erneuerbaren als aus Kohle
Quelle: Shutterstock / PopTika
REGENERATIVE:
Polen erzeugt mehr Strom aus Erneuerbaren als aus Kohle
Die Regierungsumbildung in Polen mündet in ein Energie-Superministerium. Ein Umschwung zeichnet sich auch in der Stromerzeugung ab: Erneuerbare rangieren erstmals vor Kohle.
 
Im Zuge einer umfassenden Regierungsumbildung hat der polnische wirtschaftsliberale Ministerpräsident Donald Tusk ein Superministerium für Energie geschaffen. Darin wurden die nunmehr aufgelösten Ressorts für Klima und Umwelt sowie Industrie zusammengeführt. Zum Minister wurde Milosz Motyka ernannt, der zuvor im Klima- und Umweltministerium Energie und Elektroenergetik verantwortete.

Vordergründig will Tusk seine Regierung gegen den designierten rechtskonservativen Präsidenten Karol Nawrocki stabilisieren. Die Umbildung geschieht aber auch zu einer Zeit, wo die Bemühungen um eine Dekarbonisierung der Wirtschaft sichtbare Früchte tragen.

Denn Polen hat im Juni erstmals mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen als aus Kohle gewonnen. Im vergangenen Monat machten erneuerbare Energiequellen 44,1 Prozent am polnischen Strommix aus und übertrafen knapp Kohle, die auf 43,7 Prozent kam. Der Rest stammte aus Erdgas.

Starker Ausbau der Photovoltaik

Das geht aus einer Studie des Forum Energii hervor, einem in Warschau ansässigen Energieforschungsinstitut. Die Entwicklungen seien auf den deutlichen Kapazitätsausbau von Photovoltaikanlagen in den vergangenen Jahren und die außergewöhnlich hohen Windgeschwindigkeiten im Juni zurückzuführen, heißt es darin. Im Winter werde es jedoch schwierig, diese Rekorde zu wiederholen, was sich auch in höheren Spotpreisen für Strom niederschlagen werde. Dies habe auch mit dem zuletzt schwachen Ausbau von Onshore-Windenergie zu tun. Seit Jahresbeginn sei sechsmal mehr installierte Leistung durch neue Photovoltaikanlagen als durch Windparks entstanden.

2024 stammte noch rund 57 Prozent des erzeugten polnischen Nettostroms aus dem Verbrennen von Stein- und Braunkohle. Der Anteil der erneuerbaren Energien in Form von Biomasse, Solar- und Onshore-Windenergie lag damals erst bei rund 29 Prozent. Insgesamt wurden 157,1 Milliarden kWh in das öffentliche Netz Polens eingespeist.

Ziel: 2040 mindestens 50 Prozent EE-Anteil

Nach den Planungen der Tusk-Regierung sollen die erneuerbaren Energien im Jahr 2040 einen Anteil von mindestens 50 Prozent am polnischen Energiemix haben. Der Großteil dürfte auch dann noch aus Wind- und Solarenergie stammen. Der frisch ernannte Energieminister Motyka sieht sich seitens des Verbandes für erneuerbare Energien hohen Erwartungen ausgesetzt. Die jüngsten Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz sowie die Novelle des Windparkgesetzes seien ein guter Anfang für einen moderneren und demokratischeren Ansatz, wodurch auch die Sicherheit der Energieversorgung gewährleistet sei. Es müssten jedoch auch verstärkt Unternehmen gefördert werden, die in Biomethan und Energiespeicher investieren, fordern die Branchenvertreter.

Im polnischen Parlament wird derzeit über eine Novelle des Windkraftanlagengesetzes beraten, wodurch die Vorgaben für den Bau von Windparks unter anderem durch die Einführung eines Beteiligungsfonds für Anrainer gelockert werden sollen.

Förderung für Windenergie soll sinken

Zum Wochenende kündigte Motyka allerdings an, die Förderung der Windenergie bleibe bis Ende 2025 gleich, werde aber 2026 voraussichtlich deutlich gesenkt. Ihm liege eine Neukalkulation der Preise vor, wonach sich die hohen Tarife, die aus Fehlern der Vorgängerregierung resultierten, nicht halten ließen.

Ungeachtet dessen zieht Polen auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien zahlreiche Investoren an. Vor kurzem erhielt etwa die VSB Gruppe aus Dresden den Zuschlag für einen Solarpark mit einer installierten Leistung von 303 MW in der Woiwodschaft Niederschlesien auf einer Fläche von rund 260 Hektar nordöstlich von Breslau. Der Baustart ist für Oktober 2025 geplant, die Inbetriebnahme wird für das zweite Quartal 2027 erwartet. Die geplante Anlage soll jährlich Strom für rund 117.000 Haushalte erzeugen. Die Vergütung erfolgt über einen Contract for Difference-Vertrag, der eine langfristige Preisabsicherung bietet.
 

Karin Rogalska
© 2025 Energie & Management GmbH
Freitag, 25.07.2025, 14:34 Uhr

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