• Märkte bleiben richtungslos
  • Klimaneutrales Zementwerk entsteht in Schleswig-Holstein
  • „Auch Zuglinien mit grünem Wasserstoff versorgen“
  • Panasonic eröffnet neue Wärmepumpen-Fabrik in Tschechien
  • Deutschland und Frankreich legen Streit um Kernenergie bei
  • Osnabrücker Stadtwerke bieten PV und Speicher als Paket
  • Netzanschluss-Anfragen übersteigen 500.000 MW
  • Wechselservices für Strom und Gas ganz brauchbar
  • Bioenergieverbände fordern praxisnahe RED-III-Regeln
  • 240 Millionen Euro Kredit für Erneuerbaren-Projektierer
Enerige & Management > Aus Der Aktuellen Ausgabe - Nicht nur Parkhaus, Kaufhaus, Rathaus
Quelle: E&M
AUS DER AKTUELLEN AUSGABE:
Nicht nur Parkhaus, Kaufhaus, Rathaus
Die öffentliche Ladeinfrastruktur ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Verkehrswende. Die herkömmliche Ladesäule ist aber längst nicht mehr die einzige Form der Stromaufnahme.
 
Es ist wieder Ferienzeit. Man verlässt den gewohnten Umkreis der heimischen Wallbox. Die Ladepunkte an den Autobahnraststätten sind hoch frequentiert. Und auch in den Kommunen werden die öffentlichen Stromtankstellen stärker nachgefragt. Auch wenn zahlreiche Studien den Schluss nahelegen, dass heute und auch in Zukunft das Gros der Ladevorgänge an privaten Anlagen erfolgt, bleiben die öffentlichen Ladepunkte ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Verkehrswende.

In einer Studie im Auftrag der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur zum Bedarf nach 2025 und nach 2030, die Ende 2024 aktualisiert wurde, haben sich Wissenschaftler vom Reiner-Lemoine-Institut fünf Szenarien angeschaut und gehen nach ihrer Analyse davon aus, dass bis 2030 zwischen 380.000 und 680.000 öffentliche Ladepunkte notwendig sein werden. Ob das eine oder das andere Extrem oder ein Wert dazwischen die Realität widerspiegelt, hänge vor allem davon ab, wie der Ausbau der Ladeinfrastruktur im nicht öffentlichen Raum in den nächsten Jahren vorankommt, erklären die Autoren.

Dass der Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur ein entscheidender Parameter ist, legen zahlreiche Studien nahe, in denen die heimische Wallbox als eindeutig präferierte Ladelösung der E-Mobilisten hierzulande ausgemacht wurde.
 
Mehr als 6 Millionen kW Ladeleistung verfügbar
 
Für das Jahr 2035 − dann könnten hierzulande 28 Millionen Elektroautos zugelassen sein − weist die Untersuchung der Nationalen Leitstelle einen Bedarf zwischen 580.000 und 1,1 Millionen öffentlich zugänglichen Ladepunkten aus. Ein Abgleich mit der aktuellen Situation zeigt, wie weit der Weg bis zur Deckung des angenommenen Bedarfs noch ist, selbst wenn der Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur boomen sollte.

Die Bundesnetzagentur veröffentlicht turnusmäßig Zahlen zur öffentlichen Ladeinfrastruktur. Die Statistik ergibt sich aus der Meldepflicht öffentlich zugänglicher Normal- und Schnellladepunkte, die in der Ladesäulenverordnung verankert ist. Vor dem Hintergrund der Ermittlung der Treibhausgasquoten im Verkehrssektor hatten die Bundesnetzagentur und das Umweltbundesamt 2022 in einer „gemeinsamen Klarstellung“ und einem Leitfaden dargelegt, was als öffentlicher Ladepunkt zu betrachten ist. Demnach ist ein Ladepunkt dann öffentlich, wenn er sich an einem Ort befindet, der der Allgemeinheit zugänglich und auch als solcher gekennzeichnet ist.

Dabei spielt es keine Rolle, ob er sich auf einem öffentlichen oder privaten Grundstück befindet. Somit werden beispielsweise Ladepunkte auf Supermarktparkplätzen oder in Parkhäusern erfasst. Ladepunkte beispielsweise für Firmenmitarbeiter oder Hotelgäste zählen nicht dazu. Neben der öffentlichen Zugänglichkeit gibt es auch eine Reihe von technischen Mindestanforderungen, die erfüllt sein müssen.

Zum Stichtag 1. Juni 2025 − bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe war es noch das aktuelle Bezugsdatum − waren bundesweit 129.450 Normalladepunkte und 39.632 Schnellladepunkte in Betrieb. Insgesamt stand eine Ladeleistung von 6,63 Millionen kW zur Verfügung. Gegenüber dem gleichen Zeitpunkt des Vorjahres bedeutet dies ein Anstieg von 12 Prozent bei den Normalladepunkten und ein Plus von 33 Prozent bei den Schnellladepunkten.

Bei Betrachtung der Bundesländer hat Bayern bei der Gesamtzahl der Ladepunkte leicht die Nase vorn. Dort waren Anfang Juni 33.066 Stromtankplätze registriert. An zweiter Stelle folgt Nordrhein-Westfalen mit 32.622.

Bis auf die Landkreise und die kreisfreien Städte bricht die Behörde ihre Statistik herunter. Zwar liegen Hamburg, Stuttgart und München mit jeweils über 3.000 Ladepunkten − die Angaben gelten zum Stichtag 1. April 2025 − noch deutlich vor Düsseldorf (2019) und Köln (2213). Allerdings sind die beiden Metropolen am Rhein Beispiele dafür, dass öffentliches Laden nicht nur Kaufhaus, Parkhaus, Rathaus bedeutet. Denn sie können mit einer Technologie aufwarten, die gerade ihre Deutschlandpremiere gefeiert hat.

Ladebordsteine mittlerweile serienreif

So haben die Stadtwerke Düsseldorf im Juni die ersten seriell gefertigten Ladebordsteine in Betrieb genommen. Erste Prototypen waren seit Mitte des vergangenen Jahres auf einem Gelände der Stadtwerk getestet worden. Inzwischen hätten die Ladebordsteine aber nicht nur die Serienreife erlangt und umfassende Tests bestanden, sondern die Ladevorgänge könnten nun auch eichrechtskonform abgerechnet werden, hieß es in einer Mitteilung des Versorgers. Damit seien für die Stadtwerke alle Voraussetzungen erfüllt, um die in der Derendorfer Allee installierten Ladebordsteine der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Insgesamt betreiben die Stadtwerke Düsseldorf nach eigenen Angaben rund 4.000 Ladepunkte. Etwa ein Drittel davon sei öffentlich zugänglich. „Mit den neuen Ladebordsteinen lässt sich eines der größten Probleme im urbanen Raum lösen: der oft fehlende Platz“, sagte Charlotte Beissel. Der Stadtwerkevorständin zufolge sind die neuen Ladepunkte daher ein perfektes Mittel zur Nachverdichtung der vorhandenen Infrastruktur.

Stephan Keller, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, sprach dem ortsansässigen Rheinmetall-Konzern seinen Dank aus. Das Unternehmen habe mit den Ladebordsteinen ein innovatives Produkt in den Markt gebracht, das Potenzial habe, die Akzeptanz der E-Mobilität zu erhöhen. Bis Ende 2025 sollen in der Metrostraße zwei weitere Standorte mit Ladebordsteinen verfügbar sein.
Vonseiten der Stadtwerke Düsseldorf hieß es, die Nutzung der ersten seriell gefertigten Ladebordsteine sei eine Premiere in Düsseldorf „und in dieser Form bislang auch erstmals in Deutschland“. Doch auch in Köln sind die kaum auffallenden Vorrichtungen am Straßenrand seit geraumer Zeit ein Thema.

Anfang Mai hatten nach gut einem Jahr die Stadt Köln, der Ladeinfrastrukturbetreiber Tank E und Rheinmetall eine gemeinsame Felderprobung von insgesamt vier Ladebordsteinen im öffentlichen Straßenraum abgeschlossen. Eine begleitende Fallstudie hatte mehr als 2.800 Ladevorgänge registriert − durchschnittlich mehr als zwei pro Tag und Ladepunkt. Bei einer technischen Verfügbarkeit von über 99 Prozent habe sich der Ladebordstein bei jeder Witterung nicht nur als zuverlässig erwiesen, sondern sei auch regelmäßig nachgefragt worden, teilte Rheinmetall damals mit. Geladen wurden insgesamt mehr als 50 MWh Strom − durchschnittlich rund 19 kWh pro Vorgang, was einer Reichweite von etwa 120 Kilometern entspreche. 

Ziel der Studie sei gewesen, die Markt- und Serienreife des Ladebordsteins nachzuweisen. Auch die Partner in Köln hatten erklärt, nach dem Abschluss des Pilotprojekts die vier Ladepunkte in den Regelbetrieb zu überführen.

Induktives Laden im Test

Noch ein gutes Stück weit vom Regelbetrieb entfernt, aber sicherlich eine zukunftsträchtige Form des öffentlichen Ladens ist die Induktion. Gemeinsam mit drei Partnern aus der Industrie erprobt die Bergische Universität Wuppertal das kabellose Laden während der Fahrt und will die Technologie auch nachrüstbar machen.
Zuverlässig, einfach in Infrastrukturen integrierbar und ein echter Beitrag zur Verkehrswende − dies sind die Anforderungen, die Professor Benedikt Schmülling, Leiter des Projekts „ERS.T-NRW“ an der Bergischen Universität, an das induktive Laden während der Fahrt stellt.

Entsprechend will die Hochschule nun mit Partnern aus der Industrie eine Lösung erarbeiten. Vor allem den öffentlichen Nahverkehr und Elektrobusse sowie den Taxiverkehr hält Schmülling für attraktive Anwendungsbereiche der Technologie. Ebenso sieht er sie als wichtigen Faktor, um die Elektromobilität in der Logistikbranche weiter voranzubringen.

Ziel des Projekts sei es, die Technologie nicht nur für Neuwagen nutzbar zu machen, sondern auch für den E-Auto-Bestand, etwa über eine Nachrüstung der Fahrzeuge. Dafür werde eine Kommunikationsplattform entwickelt, die mit vielen Fahrzeugtypen kompatibel sei und auf internationalen Standards basiere, heißt es in einer Mitteilung der Hochschule.

Wesentliches Element der Forschungsarbeit ist der Bau einer 400 Meter langen Teststrecke in Aldenhoven bei Düren in Nordrhein-Westfalen. Dort sollen entsprechend ausgerüstete Fahrzeuge das kabellose Laden „unter realen Bedingungen“ testen, wie es weiter heißt. Im Fokus stehen dabei die Komponenten der Leistungsübertragung, wie die Spulen und die Leistungselektronik, sowie das Kommunikationssystem für den Datenaustausch zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur.

„Die Integration moderner Kommunikationstechnologie ermöglicht eine intelligente Steuerung des Ladevorgangs, schont die Fahrzeugbatterie und unterstützt durch den Austausch von Energiedaten eine flexible und effiziente Nutzung der Stromnetze“, so Schmülling.

Als Partner aus der Industrie sind am Projekt, das drei Jahre Laufzeit hat und im Rahmen des Innovationswettbewerbs „NeueWege.IN.NRW“ mit 786.000 Euro gefördert wird, beteiligt: Electreon Germany GmbH (Anbieter von kabellosen Ladelösungen), Denso Automotive Deutschland GmbH (Anbieter von Automobiltechnologie) und der Baukonzern Strabag.

Nach dem Abschluss der Tests sollen die Ergebnisse in Normierungsgremien eingebracht werden, um einen Beitrag zu weltweit einheitlichen Standards für das kabellose Laden zu leisten. 
 
Ladebordstein in Düsseldorf
Quelle: SW Düsseldorf / Melanie Zanin

 
 

Fritz Wilhelm
Stellvertretender Chefredakteur
+49 (0) 6007 9396075
eMail
facebook
© 2025 Energie & Management GmbH
Montag, 04.08.2025, 08:47 Uhr

Mehr zum Thema