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STUDIE:
Hohes Potenzial von E-Fuels
Trotz Elektromobilität bleibt der Verkehr auf flüssige Kraftstoffe angewiesen. Eine neue Studie zeigt, warum E-Fuels dabei an Bedeutung gewinnen könnten.
 
Auch langfristig bleibt ein großer Teil des Verkehrs auf Verbrennungsmotoren angewiesen, wie Prognosen der EU-Kommission zeigen. Diese geht davon aus, dass 2040 rund 37 Prozent der Pkw, 62 Prozent der Lkw, über 80 Prozent aller Schiffe und 99 Prozent der Flugzeuge weiterhin auf flüssige Kraftstoffe angewiesen sein werden. Für 2050 rechnet sie damit, dass gut die Hälfte des Energiebedarfs darauf basiert. Diese Nachfrage muss mit erneuerbaren Kraftstoffen gedeckt werden, um die Klimaziele zu erreichen. Ohne alternative Lösungen droht eine wachsende Lücke zwischen politischem Anspruch und tatsächlicher Entwicklung im Verkehrssektor, die sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen könnte.

Die „eFuel-Alliance“, ein Branchenverband mit Sitz in Berlin, und die Managementberatung Porsche Consulting aus Bietigheim-Bissingen untersuchten das Marktpotenzial von E-Fuels in der EU und skizzierten Maßnahmen für Finanzierung und Skalierung.

EU-Szenarien für Hochlauf der Elektromobilität unrealistisch

Dabei rückt die Studie insbesondere strukturelle Herausforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette in den Fokus. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die EU-Szenarien für den Hochlauf der Elektromobilität nicht realistisch seien. Gründe seien unter anderem die begrenzte Verfügbarkeit von Rohstoffen wie Nickel und Lithium sowie ein unzureichender Ausbau der Stromnetze.

Für den Zeitraum 2035 bis 2040 müssten bis zu 75 Millionen Fahrzeuge europaweit vorzeitig stillgelegt werden, um die prognostizierten Verkaufszahlen zu erreichen. Das entspreche einem Abwrackwert von etwa 200 Milliarden Euro und gilt als kaum umsetzbar. Entsprechend sehen die Autoren der Studie hier ein zentrales Risiko für die aktuelle Transformationsstrategie im Verkehrssektor.

Der Bedarf an flüssigen Kraftstoffen im Verkehrssektor könnte damit ab 2040 höher ausfallen als von der EU-Kommission angenommen. Dies gefährde die Klimaziele, sagte die Vorstandsvorsitzende der E-Fuel-Alliance, Monika Griefahn. „Bei einem ambitionierten E-Fuel-Hochlauf übererfüllt das industrielle Produktionspotenzial die Nachfrage im europäischen Verkehrssektor“, erklärte sie mit Verweis auf die Studie. Unter optimalen Bedingungen könne die globale Produktion bis 2045 rund 200 Milliarden Liter Benzinäquivalent erreichen und damit die Nachfrage aus Luft- und Schifffahrt sowie dem verbleibenden Straßenverkehr decken.

„Die Sorge um Verteilkämpfe zwischen den einzelnen Sektoren ist damit unbegründet“, so Griefahn. Die Klimaziele könnten auch bei einem langsameren Hochlauf der Elektromobilität erreicht werden, wenn Batterien und nachhaltige Kraftstoffe kombiniert würden.

Projekte zumeist noch ohne Investitionsentscheidung

Weltweit befinden sich laut Studie rund 500 E-Fuel-Projekte mit geplantem Produktionsstart bis 2030 in der Entwicklung. Etwa 300 davon zielen auf den Verkehrssektor, die übrigen auf industrielle Anwendungen. Viele Projekte verfügen jedoch noch nicht über eine gesicherte Finanzierung und befinden sich noch in frühen Entwicklungsphasen. „Nur sechs Prozent der 300 Projekte haben eine finale Investitionsentscheidung getroffen“, sagte Ralf Diemer, Hauptgeschäftsführer der E-Fuel-Alliance. 

China nehme eine führende Rolle ein. „Chinesische Akteure stehen bereits für 80 Prozent der weltweit angekündigten E-Methanolproduktion bis 2030. Über 60 Prozent der Elektrolyseurproduktion entfallen auf China“, sagte Griefahn. Das Land zeige, dass ein klarer politischer Rahmen den Markthochlauf beschleunigen könne und Europa Gefahr laufe, zurückzufallen.

Die Studie erwartet in den kommenden Jahren ein stark wachsendes Angebot und eine zunehmende Dynamik im internationalen Wettbewerb. Bis 2030 seien weltweit Projekte mit einer Gesamtmenge von 76 Milliarden Litern Benzinäquivalent angekündigt. Die jährliche Produktionskapazität könnte rund 20 Milliarden Liter erreichen, vor allem in China und Europa. Während europäische Projekte häufig kleinere Volumina planen, setzen China und Südamerika stärker auf großskalige Anlagen.

Hochlauf kein Selbstläufer

Für den Hochlauf seien klare politische Vorgaben notwendig, um Investitionssicherheit zu schaffen und Projekte in die Umsetzung zu bringen. „Das industrielle Potenzial ist vorhanden, die Technologie steht bereit“, sagte Griefahn. Notwendig seien unter anderem ambitionierte Quoten in der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED), eine technologieneutrale CO2-Flottenregulierung sowie verlässliche Abnahmebedingungen.

Zudem müsse die Branche stärker kooperieren, um Kosten zu senken und Risiken zu verteilen. Laut Studie sind solche Maßnahmen entscheidend, damit E-Fuels in Europa zur Erreichung der Klimaziele beitragen können und Investitionen beschleunigen. Gleichzeitig betonen die Autoren, dass ohne politische Leitplanken ein Markthochlauf ausbleiben dürfte.
 

Klaus Lockschen
© 2026 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 18.03.2026, 13:53 Uhr

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