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Enerige & Management > Wasserstoff - Grüner Wasserstoff für die Uckermark
Die Industriehalle in Prenzlau. Quelle: Tom Schweers
WASSERSTOFF:
Grüner Wasserstoff für die Uckermark
Enertrag hat sich ein Industrieareal in Prenzlau gesichert. Dort soll ein 130-MW-Elektrolyseur entstehen – samt Trailerstationen, Fernwärmeoption und Anbindung ans H2-Kernnetz.
 
Der Projektentwickler Enertrag mit Sitz in Dauerthal (Brandenburg) hat mit der Unterzeichnung eines Kaufvertrags in Prenzlau (Brandenburg) die Voraussetzungen für den Bau einer industriellen Wasserstoffproduktion geschaffen. Dort plant Enertrag eine Anlage mit 130 MW Anschlussleistung, die künftig grünen Wasserstoff aus grünen Strom erzeugen soll. Die Umsetzung ist Teil des europäischen Förderprogramms „Hy2Infra“. 

Zum Hintergrund: „Hy2Infra“ hat zum Ziel, grenzüberschreitende Produktions-, Speicher- und Transportkapazitäten für grünen Wasserstoff in mehreren EU-Staaten aufzubauen. In Deutschland koordiniert das Bundeswirtschaftsministerium die Umsetzung gemeinsam mit der europäischen IPCEI-Plattform und fördert ausgewählte Projekte mit staatlichen Mitteln. IPCEI steht für „Important Projects of Common European Interest“. Laut Enertrag gehört „Hy2Infra“ zu den größten IPCEI-geförderten Wasserstoffprojekten in Deutschland.

Das Areal in Prenzlau befindet sich im Industriegebiet Prenzlau Nord: Die Produktion wird in eine vorhandene Industriehalle integriert. Laut Unternehmen ist auch die Anbindung an das entstehende deutsche Wasserstoff-Kernnetz vorgesehen. Der erzeugte Wasserstoff soll über die sogenannte „FLOW“-Pipeline, ein zentraler Leitungsabschnitt des künftigen Kernnetzes in Ostdeutschland, eingespeist werden. Darüber hinaus plant Enertrag mehrere Trailer-Abfüllstationen zur flexiblen Belieferung, etwa für Mobilitätsanwendungen oder dezentrale Industriebedarfe.

Das Produktionsziel der Anlage beziffert Enertrag mit bis zu 12.500 Tonnen grünen Wasserstoffs pro Jahr. Als Abnehmer sieht das Unternehmen energieintensive Branchen wie Stahl-, Zement-, Glas- und Düngemittelindustrie. Die Investitionssumme für das Projekt liegt eigenen Angaben nach bei rund 300 Millionen Euro. 

Gewerbesteuereinnahmen im Millionenbereich erwartet

Prenzlaus Bürgermeister Hendrik Sommer (parteilos) sieht in dem 130-MW-Elektrolyseur eine Chance für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Das Projekt werde Aufmerksamkeit für die Stadt erzeugen und neue Perspektiven schaffen. Enertrag kündigt bis zu 25 neue Arbeitsplätze an. Zusätzlich rechnet die Kommune mit Gewerbesteuereinnahmen im Millionenbereich.

Gemeinsam mit den Stadtwerken Prenzlau prüft Enertrag, ob die Abwärme aus der Elektrolyse künftig in das bestehende Fernwärmenetz eingespeist werden kann. Sollte dies technisch und wirtschaftlich umsetzbar sein, könnte die Abwärme einen Beitrag zu einer klimaneutralen und kostengünstigen Wärmeversorgung vor Ort leisten. Enertrag spricht in diesem Zusammenhang von einem „attraktiven Standort für neue wie bestehende Unternehmen im Industriegebiet“ – mit Zugang zu grünem Wasserstoff, Wärme und moderner Energieinfrastruktur.

Auch beim Thema Wasserversorgung gibt es laut Unternehmen eine lokal abgestimmte Lösung: Der für die Elektrolyse benötigte Wasserbedarf wird vollständig aus bestehenden Kontingenten gedeckt. Auswirkungen auf die allgemeine Trinkwasserversorgung seien nicht zu erwarten.

Enertrag produziert bereits seit 2011 grünen Wasserstoff und betreibt europaweit integrierte Energieinfrastrukturen aus Wind-, Solar-, Batterie- und Elektrolyseanlagen. Nach eigenen Angaben erzeugt das Unternehmen mit seinen Wind- und Solaranlagen jährlich rund zwei Milliarden kWh Strom. Ergänzt wird dieses Erzeugungsportfolio durch Speichertechnologien und Elektrolyseure, die grünen Wasserstoff bereitstellen. Insgesamt entwickelt Enertrag Energieprojekte mit über 30.000 MW Leistung – in neun Ländern auf vier Kontinenten.
 

Davina Spohn
Redakteurin
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