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Enerige & Management > Gas - Fernleitungsnetzbetreiber sehen für Winter schwarz
Quelle: Shutterstock / Mike Mareen
GAS:
Fernleitungsnetzbetreiber sehen für Winter schwarz
Der zum November vorgeschriebene Erdgasspeicher-Füllstand ist nach Einschätzung der FNB „kaum noch erreichbar“. Das Bundeswirtschaftsministerium appelliert an die Händler.
 
Der Markt soll es richten, doch dem muss nach Worten von Matthias Jenn auf die Sprünge geholfen werden. Der Gesetzgeber sollte Händler „verpflichten, ausreichende Mengen über Speicher bis zum Winterende abzusichern“, wird der Vorstandsvorsitzende der Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber Gas (FNB) in einer Mitteilung zitiert. Der Verband sieht angesichts der Absatzentwicklung am Gasmarkt dringenden Handlungsbedarf.

„Die FNB weisen vorsorglich darauf hin, dass die gesetzliche Vorgabe von 71 Prozent zum 1. November 2026 kaum noch erreichbar ist, selbst bei einer Einspeicherung von bis zu 1,2 TWh pro Tag – dem höchsten Wert, der im Markt je beobachtet wurde“, heißt es in der Mitteilung. Der Verband kritisiert den aktuell historisch niedrigen Speicherstand von rund 50 Prozent. Niedrige LNG-Importe, späte oder lange Kälteperioden sowie Infrastrukturausfälle könnten die Gasversorgung im kommenden Winter gefährden. Liefermengen der Händler könnten nur durch eine Kombination aus LNG- und Speichermengen abgesichert werden, betonen die FNB. 

Die Organisation fordert eine Lieferantenverpflichtung als Teil eines Kombinationsmodells. Neben der Vorgabe, dass Händler einen bestimmten Anteil des Gasverbrauchs der von ihnen versorgten Kunden im Speicher vorhalten müssen, hält sie etwa ein „strategisches Befüllungsinstrument“ – eine Art Contract for Difference – für ein probates Mittel. Oder eine von der Marktgebietsverantwortlichen verwaltete Gasmenge als „strategische Reserve“. 

Ein solches Modell würde eine gesetzliche Anpassung erfordern. „Die bestehenden Instrumente sind aus Sicht der Netzbetreiber noch nicht ausgeschöpft, würden allerdings auch keine Anreize setzen, damit die Händler ihrer Verantwortung für die Vorsorge Rechnung tragen“, betont ein Sprecher der FNB gegenüber E&M.

Die staatliche Gasreserve, über die im Bundeswirtschaftsministerium nachgedacht wird, kommt für diesen Winter zu spät. Grundsätzlich stehen der Bundesregierung zwei Instrumente zur Verfügung: Ministerin Katherina Reiche (CDU) Sie könnte Einspeicherungen per Verordnung kurzfristig vorschreiben. Oder sie könnte auf EU-Ebene auf eine weitere Ausnahmeregelung bei den Füllständen hinwirken.

BMWE: „Wir beobachten die Lage sehr genau“

Auf diese beiden Optionen geht das Ministerium in einer Stellungnahme nicht ein. „Wir beobachten die Lage sehr genau, vor allem auch die geopolitischen Entwicklungen und stehen in Kontakt mit allen Beteiligten“, so eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage von E&M. „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil und die Versorgungssicherheit ist gewährleistet.“

Reiche sieht den Markt in der Verantwortung. „Die Wintervorsorge ist Aufgabe der Unternehmen und Händler“, so ihre Sprecherin. Die Unternehmen sorgten aus eigenem Anreiz vor und kauften die notwendigen Gasmengen ein. „Sie müssen die Speicher für den Winter füllen. Speicher sind neben Pipeline- und LNG-Importen ein zentraler Bestandteil der Wintervorsorge, also der Absicherung der vertraglichen Lieferverpflichtung von Händlern und Versorgern.“

Offen ist damit, wie lange die Bundesregierung eine nach der Analyse der FNB unzureichende Speicherbefüllung hinnehmen will. „Die Bundesregierung ist jederzeit in der Lage zu reagieren – oberste Priorität hat für das BMWE die Versorgungssicherheit“, heißt es aus Berlin. 

SEFE widerspricht der Einschätzung der FNB

Das bundeseigene Gasunternehmen Securing Energy for Europe (Sefe) bewertet die Versorgungslage für den kommenden Winter grundsätzlich als stabil. „Trotz höherer Preise reicht das LNG-Angebot aus, um die Füllstandsvorgaben bis November zu erreichen“, teilt Sefe mit. Solange Europa als attraktiver Käufermarkt wahrgenommen werde, „werden ausreichend Mengen nach Europa geliefert werden“.

Die hohen Gaspreise im Day-Ahead-Handel – am 18. Juni stellte sich ein Dreijahreshoch ein (s. Marktkommentar) – haben aus Sicht von Experten zwei gegenläufige Effekte. Zum einen machen sie Händler bei der Beschaffung zurückhaltender, weil diese auf eine Entspannung des Konflikts im Iran hoffen. Zum anderen erhöhen die Preise die Attraktivität des europäischen Marktes für LNG-Exporteure.

Nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens ICIS sind durchschnittliche TTF-Preise von rund 60 Euro je MWh zwischen August und Oktober erforderlich, um genügend verflüssigtes Erdgas (LNG) nach Europa zu lenken. Würde das Speicherziel aufgegeben, würde der LNG-Bedarf im Herbst 2026 um rund 28 TWh sinken, modellierte ICIS. Entsprechend könnten die TTF-Preise im August und September etwa 12 Prozent niedriger ausfallen als in einem Basisszenario. (mf)
 
 

Manfred Fischer
© 2026 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 19.08.2026, 18:22 Uhr

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