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Enerige & Management > Gas - Europa importierte so viel russisches LNG wie noch nie
Quelle: Shutterstock / VladSV
GAS:
Europa importierte so viel russisches LNG wie noch nie
Im ersten Quartal 2026 gingen von 71 Lieferungen von der Yamal-Halbinsel 69 Lieferungen zu europäischen Häfen.
 
Im März waren es nach Daten des Schiffsverfolgungsdienstes Kpler, die die Umweltschutzorganisation Urgewald auswertete, allein 25 Schiffsfrachten mit einem Gesamtvolumen von 1,84 Millionen Tonnen. Insgesamt verschiffte der russische Produzent Novatek von seinem Werk Yamal LNG im ersten Quartal 5,07 Millionen Tonnen LNG, umgerechnet rund 6,9 Milliarden Kubikmeter Gas, in die EU. „Da der durchschnittliche TTF-Preis für den Frontmonat auf 52,87 Euro pro Megawattstunde stieg, ergaben die Lieferungen allein im März geschätzte Zahlungen in Höhe von 1,33 Milliarden Euro an Russland“, hieß es bei Urgewald am 10. April. Für das gesamte Quartal ergab sich eine Summe in Höhe von 2,88 Milliarden Euro.
 
EU als logistisches Rückgrat
 
Ebenso dokumentieren die Zahlen des Brüssler Think Tank Bruegel einen Anstieg der russischen LNG-Importe der EU im 1. Quartal gegenüber dem 1. Quartal des Vorjahres um 19 Prozent auf 6,54 Milliarden Kubikmeter Gas. Damit überschritt der Importumfang in einem Quartal erstmals die Schwelle von weit über 6 Milliarden Kubikmeter Gas. „Im fünften Jahr des Krieges gegen die Ukraine hält die EU Russlands arktischen LNG-Sektor weiter über Wasser. Yamal LNG ist auf eine kleine, spezialisierte Flotte und europäische Dienstleistungen angewiesen, um die Exporte am Laufen zu halten, und Europa stellt noch immer beides bereit“, erklärte der Leiter für Sanktionskampagnen Sebastian Rötters und mahnte, dass der Angriff auf den Iran nicht als Vorwand dienen dürfe und die EU ihre Abhängigkeit von Gas aufrechterhält.
 
Dass 97 Prozent der Exporte von Yamal LNG nach Europa gingen, ist laut Urgewald „strukturell bedingt und kein Zufall“, weil Europa „nicht nur ein Abnehmer, sondern das logistische Rückgrat des Projekts“ ist. Dezember bis Juni sei für die Schiffbarkeit der Arktisroute die schwierigste Zeit. Die vierzehn Tanker der Eisklasse Arc-7 müssten in europäischen Häfen zügig abgefertigt werden. Ohne den Zugang zu EU-Häfen würde die Produktion Yamals drastisch sinken.
 
Dokumente sollen Anschein erwecken
 
Ein schnelles Umleiten von Tankern nach Asien, wie es der russische Präsident Wladimir Putin im März ankündigte, ist unter dieser Maßgabe nicht zu bewerkstelligen. Ohne den Export in die EU würden die Einnahmen derart einbrechen, dass höhere LNG-Preismargen in Asien das nicht kompensieren könnten. Ebenso würden die längeren Transportwege und Logistikkosten negativ zu Buche schlagen. Das Festhalten am europäischen Markt ist folglich für Russland die beste Strategie, um aus der Blockade der Straße von Hormus und den ausgefallenen LNG-Lieferungen aus Nahost, vor allem aus Katar, Profit zu schlagen.
 
Um noch mehr LNG loszuschlagen, versucht Russland laut Bloomberg am 9. April, Engpässe auszunutzen, um das energiearme Südasien zum Kauf von Lieferungen aus seinen US-sanktionierten Anlagen zu bewegen. Letzte Woche seien über wenig bekannte Zwischenhändler in China und Russland derartige Lieferungen mit einem Rabatt von 40 Prozent auf den Spotpreis angeboten worden, ließen Informanten wissen, die anonym bleiben wollten. Verkäufer hätten erklärt, sie könnten Dokumente vorlegen, die den Anschein erwecken, die Lieferungen stammten aus nicht-russischen Ländern wie Oman oder Nigeria. Allerdings konnte Bloomberg nicht bestätigen, ob Lieferungen gekauft wurden.
 
Bislang ist China der einzige Abnehmer von russischem LNG, das US-Sanktionen unterliegt und mit Tankern der LNG-Schattenflotte verschifft wird. Der Transportweg hat sich nach einem mutmaßlichen Angriff auf die Arctic Metagaz im Mittelmeer Anfang März deutlich verlängert, da die Route über den Suez-Kanal als unsicher gilt. Dennoch dürfte Russland bestrebt sein, sein LNG in Asien selbst anzubieten, um nicht China das lukrative Asiengeschäft zu überlassen. Im ersten Quartal habe China die Rekordmenge von 1,31 Millionen Tonnen LNG umgeladen und weiter verschifft, berichtete Reuters Anfang April.
 
 

Josephine Bollinger-Kanne
© 2026 Energie & Management GmbH
Freitag, 10.04.2026, 18:28 Uhr

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