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Enerige & Management > Regenerative - Der private Run auf Ökoenergien im Zeichen der Kriege
Quelle: Shutterstock / Jevanto Productions
REGENERATIVE:
Der private Run auf Ökoenergien im Zeichen der Kriege
Die Attacken der USA und Israels auf Iran und dessen Gegenschläge halten die Welt in Atem. Der Schockstarre setzen viele Privatleute etwas entgegen: Sie planen mehr Ökoenergie-Projekte.
 
Den Kriegen der Welt im Privaten etwas entgegenzusetzen, das ist eine kaum leistbare Aufgabe. Es gibt allerdings Ansätze, sich der allgemeinen Lähmung und den Sorgen zu widersetzen. Versorgungsunternehmen und Branchenverbände berichten von gestiegenem Interesse bei der privaten Kundschaft, in Energiefragen unabhängiger von risikobehafteten und teuren Energieträgern zu werden.

So erkennen die Stadtwerke Münster eine hohe Nachfrage nach Solaranlagen und Wärmelösungen als Alternative zum Erdgas, so eine Sprecherin des westfälischen Versorgers auf Anfrage dieser Redaktion. Das Unternehmen führe dies auf eine „gewisse Nervosität“ gegenüber den steigenden Gaspreisen zurück. Münster ist Gaslieferant und kommt auch in den Fernwärmelieferungen nach wie vor nicht ohne den fossilen Energieträger aus.

Der Energiekonzern Eon hat derweil die Anfragen der interessierten Bevölkerung beziffert. Solarberatungen hätten sich im Vergleich zu der Zeit vor dem Kriegsbeginn in Iran in etwa verdoppelt, sagt Filip Thon, CEO von Eon Energie Deutschland. In einer Mitteilung lässt er sich so zitieren: „Wir werden regelrecht überrannt.“

Solarhandwerk-Verband staunt und wendet sich mahnend an Berlin

Das deckt sich mit Auswertungen des Bundesverbands des Solarhandwerks (BDSH). Die Nachfrage nach Solaranlagen liege im Laufe des März bislang doppelt so hoch wie vor der Entwicklung im Nahen Osten, heißt es in einer Mitteilung. 

Wer nun im Privaten auf Sonnenkraftwerke oder Wärmepumpen setzt, wolle sich „preislich und physisch“ stärker gegen die Entwicklungen auf den Energiemärkten absichern, so Filip Thon. Der Eon-Vertriebschef beruhigt zwar, dass sein Unternehmen die Preise für Bestandskunden „aktuell stabil“ halte. Die Ausschläge an den globalen Märkten seien allerdings bereits „spürbar“.

Wie bei den Essenern landen auch in Münster immer mehr Beratungsanfragen zum Thema Wärmepumpe als Ersatz für Gas- und Ölheizungen. Auf einer gerade zu Ende gegangenen Messe mit dem Schwerpunktthema „Bauen & Wohnen“ seien alle Beratungstermine lange im Vorfeld ausgebucht gewesen.

Dieser Trend, so die Sprecherin der Stadtwerke Münster, halte auch in diesen Tagen an. Reguläre Beratungstermine seien stärker nachgefragt, das Interesse der Menschen gelte einer größeren Unabhängigkeit vom Gasmarkt durch eigene Strom- und Wärmeerzeugung mit Solaranlagen und Wärmepumpen. Filip Thon unterstreicht für Eon, dass Elektrifizierung der Schlüssel für eine sinkende Importabhängigkeit sei.

Die Versorger haben also alle Hände voll zu tun, für das wachsende Interesse entsprechende Angebote vorzuhalten. Münster etwa bietet Wärmepumpen in einem Mietkauf-Modell mit Komplett-Service, einen Wärmepumpen-Stromtarif oder auch Solaranlagen zum Kauf oder Mietkauf an. Für Geschäftskunden existiert ein Solar-Pachtmodell mit umfangreichem Serviceangebot.

Der Ausweg aus dem fossilen Risiko dürfe aber nicht zu einer Sackgasse werden, mahnt der Verband des Solarhandwerks. Er fürchtet einen politischen Rückschritt bei der deutschen Energiewende und hat daher ein Schreiben an Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) gerichtet.

Die Eingriffe in die Erneuerbaren-Regulatorik – mit geplanten Änderungen bei Einspeisevergütung, Gebäudeenergiegesetz, Netzintegration und Direktvermarktung (wir berichteten mehrfach) – sorgten für Unsicherheit in der Branche. Die Folgen: aufgeschobene Investitionen, stornierte Projekte, Entlassungen und zunehmend auch Insolvenzen. Daher hofft der Verband, noch Einfluss auf die Entscheidungsträger in Berlin nehmen zu können.
 

Volker Stephan
© 2026 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 19.03.2026, 17:47 Uhr

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