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Enerige & Management > Tschechien - Bleiben Dukovany und Temelin 80 Jahre am Netz?
Quelle: Shutterstock / Olga Khalizeva
TSCHECHIEN:
Bleiben Dukovany und Temelin 80 Jahre am Netz?
Der tschechische Energiekonzern CEZ will die Laufzeit der von ihm betriebenen Kernkraftwerke Dukovany und Temelin deutlich verlängern.
 
In Dukovany sind 80 Jahre angepeilt, wie aus einer Studie hervorgeht, die Unternehmenschef Daniel Benes gemeinsam mit Industrie- und Handelsminister Karel Havlicek vorstellte. Die Analysen zu einer Laufzeitverlängerung in Temelin sind derzeit noch im Gange. 

Gesetzliche Vorgaben oder fixe Vereinbarung über die Laufzeit von Kernreaktoren gibt es in Tschechien nicht. Die vier in Dukovany vorhandenen Reaktoren vom sowjetischen Typ WWER-440/213 gingen zwischen 1985 und 1987 ans Netz. Sie wurden ursprünglich für eine Laufzeit von 30 Jahren konzipiert, die später auf 60 Jahre verlängert wurde. Nunmehr sollen sie sogar bis in den Zeitraum 2065 bis 2067 betrieben werden. 

Industrie- und Handelsminister Karel Havlicek zufolge kann man die Verlängerung der Laufzeit auf 80 Jahre schon „als feststehende Tatsache“ betrachten. Dies sei eine bedeutende Nachricht für die tschechische Industrie, denn natürlich müsse in den Erhalt der Reaktorblöcke investiert werden. Ab dem Jahr 2034 oder 2035 veranschlagt er dafür jährlich umgerechnet 205 bis 246 Millionen Euro. Der weitere Betrieb der bestehenden Blöcke sei aufgrund des erwarteten Anstiegs von Stromverbrauch und -produktion notwendig. 

CEZ-Chef Daniel Benes verweist darauf, dass es sich weltweit zum Trend entwickle, Kernkraftwerke über einen Zeitraum von 80 Jahren zu betreiben. Einige Anlagen seien auch schon entsprechend lizenziert. Man halte dies auch in Tschechien für realistisch, insofern der Zustand der Anlagen und die Betriebssicherheit regelmäßig überprüft würden. Dukovany solle im Jahre 2035 einer erneuten Sicherheitsüberprüfung durch das Staatliche Amt für nukleare Sicherheit unterzogen werden. Bei der Behörde wird aber schon jetzt davon ausgegangen, dass der Energiekonzern noch einige Voraussetzungen für den geplanten Weiterbetrieb erfüllen muss. Dabei geht es vor allem um regelmäßige Materialkontrollen und eine Modernisierung aller Teile, bei denen dies möglich sei. Genau hier liegt der Haken: Bei den Reaktoren in Dukovany können nach Angaben des Amtes bestimmte Teile nicht ausgetauscht werden, und genau das monieren auch Kernkraftgegner. Sie fordern die Regierung auf, die Voraussetzungen für einen starken Ausbau der erneuerbaren Energien zu schaffen, statt weiter massiv in Kernkraft zu investieren. 

CEZ-Chef Benes ist davon überzeugt, dass sich infolge einer längeren Laufzeit der bestehenden Reaktoren in Dukovany weder die derzeitigen Planungen für eine Erweiterung des Standorts Dukovany um zwei weitere Reaktoren noch die aktuellen Pläne zum Bau modularer Reaktoren ändern werden. Vielmehr vermindere sich der Bedarf an weiteren Großblöcken in Temelin und an modularen Reaktoren. 

Im Übrigen werde man bei der Entwicklung von Brennelementen einer neuen Generation für Reaktoren des Typs WWER-440 mit dem französischen Unternehmen Framatome und anderen europäischen Betreibern aus Finnland, der Slowakei und Ungarn zusammenarbeiten, so der Konzerndirektor. Der neue Brennstofftyp werde mit Fokus auf Betriebssicherheit, Optimierung der Leistungsparameter und Verbesserung der mechanischen Festigkeit der Brennelemente entwickelt. Dies umfasse auch ein moderneres Transportverpackungskonzept und ein mehrstufiges Testprogramm, das den Brennstoff im realen Betrieb erprobt. 

Schon 2024 hatten sich CEZ und Framatome auf eine Absichtserklärung zur Entwicklung von neuem Brennstoff für Reaktoren des Typs WWER-1000 verständigt, wie sie in Temelin in Betrieb sind.
 

Karin Rogalska
© 2026 Energie & Management GmbH
Dienstag, 14.04.2026, 11:29 Uhr

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