
Quelle: Fotolia / Jürgen Fälchle
REGENERATIVE:
Wenige örtliche Energieversorger im PPA-Geschäft
Power Purchase Agreements sind in aller Munde. Doch womöglich sind Stadtwerke in dem Wachstumsmarkt PPA unterrepräsentiert. Die Stadtwerke Soest ändern das.
Der bundesweit agierende private Energielieferant Montana aus Grünwald bei München hat bereits ein PPA-Nischenprodukt am Markt,
das auf die Wohnungswirtschaft zugeschnitten ist, und die Stadtwerke Soest (NRW) stehen kurz vor dem Einstieg ins regionale
Power-Purchase-Agreement-Geschäft. Das und mehr berichtete Andreas Holzer, Senior Manager bei der Strategieberatung M3 Management
Consulting, kürzlich in einem Webinar der E-World-Community über Power Purchase Agreements (PPA).
Holzer zufolge schließen die Stadtwerke Soest demnächst anlagenbezogene Direktlieferverträge mit vor allem landwirtschaftlichen Betreibern von Wind- und Solaranlagen aus der westfälischen Region, welche aus der EEG-Förderung gefallen sind. Der nur regional tätige Kommunalversorger kauft ihnen im Rahmen von ein- bis mehrjährigen PPA den Ökostrom zum Fixpreis oder mit einer Indexformel ab. Bezahlt wird nur der tatsächlich eingespeiste und übergebene Strom (pay-as-produced) - eine übliche PPA-Formel.
Die Bezugsmengen kommen zunächst in das eigene Vertriebsportfolio für Haushaltskunden (B2C), „perspektivisch“, so Holzer, soll daraus aber auch an Unternehmenskunden (B2B) Grünstrom mit Herkunftsnachweisen vertrieben werden.
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Für das Stadtwerk entsteht durch das neue Produkt ein zusätzlicher Aufwand, weil die spontane Einspeisung von Wind- und PV-Strom zusätzliche Prognose- und Strukturierungsrisiken mit sich bringen, die gemanagt und prozessual abgewickelt werden müssen. Da ist zum Beispiel die energiewirtschaftliche Marktkommunikation (MaBis) oder die Bilanzierung von Herkunftsnachweisen. Die Soester bedienen sich dabei teilweise einiger Dienstleister, ihre Wertschöpfungstiefe ist also „mittel“, wie es in einer Präsentation heißt.
Auf der Habenseite erhoffen sich die Soester planungssichere Lieferbeziehungen mit greifbaren Ansprechpartnern aus der Gegend und die Positionierung mit einer breiten Angebotspalette aus einer Hand.
Ungleich mehr Corporate PPA als Utility PPA
Geht es nach den Zahlen des PPA-Datendienstleisters Pexapark und der Deutschen Energieagentur (Dena), sind solche Utility PPA, in denen örtliche Versorger Anlagenbetreibern oder Direktvermarktern Grünstrom abkaufen, hierzulande noch eine Nische: 2023 entfiel nur grob jeder fünfte der 42 bekannt gewordenen deutschen PPA auf Utility PPA – auch wenn sich die Zahl der Deals beiderseits gegenüber 2022 verdoppelt hat.
Die überwältigende Mehrheit waren Corporate PPA, in denen große Unternehmen den Grünstrom direkt für ihren Eigenverbrauch abnehmen. Sogenannte Public PPA mit der öffentlichen Hand als Endabnehmer sind erst recht eine Nische.
Die Zahl der deutschen Utility PPA dürfte tatsächlich höher liegen, da gerade lokale PPA auch den Analysten von Pexapark oder Enervis mangels offizieller Mitteilung oder Beratungsmandat gar nicht bekannt werden. Dennoch dürften viele Stadtwerke trotz eigener Beschaffungsabteilung die oben beschriebenen Risiken und Aufwände von PPA scheuen.
Auch Veit Schumacher, Manager bei M3 Management Consulting, will Stadtwerke nicht auf Gedeih und Verderb ins PPA-Geschäft drängen. Er riet ihnen stattdessen vorsichtig: „Stadtwerke sollten analysieren, inwiefern sie das Thema besetzen, um Erfahrungen zu sammeln und nicht Wettbewerbern das Feld unüberlegt zu überlassen.“
Was fürs Stadtwerk rausspringt
Ihre PPA-Vorteile sieht Andreas Holzer aber darin, dass sie daraus sowohl B2C als auch B2B den Grünstrom-Bedarf ihrer Kernkunden mit stabilen Preisen und Stromkennzeichnungs-Möglichkeiten bedienen und an der Reststrom-Lieferung verdienen können. Auch die Anlagenbetreiber als Lieferanten seien in einem lokalen Rahmen oft schon Kunden und würden ans Stadtwerk gebunden, indem sie Planungssicherheit bekommen. Dies erschließe auch über den Residualstrom hinaus Upselling-Potenziale etwa in der Anlagenprojektierung oder im Wärmegeschäft.
Und wie groß muss ein PPA sein, damit es sich fürs Stadtwerk rentiert? „Die Wirtschaftlichkeit sollte beiderseits ab circa 1 bis 5 MW gegeben sein“, meinte Berater Holzer. Sein Kollege Schumacher sekundierte, „üblicherweise“ fingen PPA bei Liefermengen von 1 Million kWh pro Jahr an.
Holzer zufolge schließen die Stadtwerke Soest demnächst anlagenbezogene Direktlieferverträge mit vor allem landwirtschaftlichen Betreibern von Wind- und Solaranlagen aus der westfälischen Region, welche aus der EEG-Förderung gefallen sind. Der nur regional tätige Kommunalversorger kauft ihnen im Rahmen von ein- bis mehrjährigen PPA den Ökostrom zum Fixpreis oder mit einer Indexformel ab. Bezahlt wird nur der tatsächlich eingespeiste und übergebene Strom (pay-as-produced) - eine übliche PPA-Formel.
Die Bezugsmengen kommen zunächst in das eigene Vertriebsportfolio für Haushaltskunden (B2C), „perspektivisch“, so Holzer, soll daraus aber auch an Unternehmenskunden (B2B) Grünstrom mit Herkunftsnachweisen vertrieben werden.
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Andreas Holzer von M3 Management Consulting
Quelle: E&M / Georg Eble
Quelle: E&M / Georg Eble
Für das Stadtwerk entsteht durch das neue Produkt ein zusätzlicher Aufwand, weil die spontane Einspeisung von Wind- und PV-Strom zusätzliche Prognose- und Strukturierungsrisiken mit sich bringen, die gemanagt und prozessual abgewickelt werden müssen. Da ist zum Beispiel die energiewirtschaftliche Marktkommunikation (MaBis) oder die Bilanzierung von Herkunftsnachweisen. Die Soester bedienen sich dabei teilweise einiger Dienstleister, ihre Wertschöpfungstiefe ist also „mittel“, wie es in einer Präsentation heißt.
Auf der Habenseite erhoffen sich die Soester planungssichere Lieferbeziehungen mit greifbaren Ansprechpartnern aus der Gegend und die Positionierung mit einer breiten Angebotspalette aus einer Hand.
Ungleich mehr Corporate PPA als Utility PPA
Geht es nach den Zahlen des PPA-Datendienstleisters Pexapark und der Deutschen Energieagentur (Dena), sind solche Utility PPA, in denen örtliche Versorger Anlagenbetreibern oder Direktvermarktern Grünstrom abkaufen, hierzulande noch eine Nische: 2023 entfiel nur grob jeder fünfte der 42 bekannt gewordenen deutschen PPA auf Utility PPA – auch wenn sich die Zahl der Deals beiderseits gegenüber 2022 verdoppelt hat.
Die überwältigende Mehrheit waren Corporate PPA, in denen große Unternehmen den Grünstrom direkt für ihren Eigenverbrauch abnehmen. Sogenannte Public PPA mit der öffentlichen Hand als Endabnehmer sind erst recht eine Nische.
Die Zahl der deutschen Utility PPA dürfte tatsächlich höher liegen, da gerade lokale PPA auch den Analysten von Pexapark oder Enervis mangels offizieller Mitteilung oder Beratungsmandat gar nicht bekannt werden. Dennoch dürften viele Stadtwerke trotz eigener Beschaffungsabteilung die oben beschriebenen Risiken und Aufwände von PPA scheuen.
Auch Veit Schumacher, Manager bei M3 Management Consulting, will Stadtwerke nicht auf Gedeih und Verderb ins PPA-Geschäft drängen. Er riet ihnen stattdessen vorsichtig: „Stadtwerke sollten analysieren, inwiefern sie das Thema besetzen, um Erfahrungen zu sammeln und nicht Wettbewerbern das Feld unüberlegt zu überlassen.“
Was fürs Stadtwerk rausspringt
Ihre PPA-Vorteile sieht Andreas Holzer aber darin, dass sie daraus sowohl B2C als auch B2B den Grünstrom-Bedarf ihrer Kernkunden mit stabilen Preisen und Stromkennzeichnungs-Möglichkeiten bedienen und an der Reststrom-Lieferung verdienen können. Auch die Anlagenbetreiber als Lieferanten seien in einem lokalen Rahmen oft schon Kunden und würden ans Stadtwerk gebunden, indem sie Planungssicherheit bekommen. Dies erschließe auch über den Residualstrom hinaus Upselling-Potenziale etwa in der Anlagenprojektierung oder im Wärmegeschäft.
Und wie groß muss ein PPA sein, damit es sich fürs Stadtwerk rentiert? „Die Wirtschaftlichkeit sollte beiderseits ab circa 1 bis 5 MW gegeben sein“, meinte Berater Holzer. Sein Kollege Schumacher sekundierte, „üblicherweise“ fingen PPA bei Liefermengen von 1 Million kWh pro Jahr an.
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Dienstag, 12.11.2024, 16:54 Uhr
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