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Enerige & Management > F&E - Wärmewende in der Warteschleife
Quelle: Fotolia / alphaspirit
F&E:
Wärmewende in der Warteschleife
Hohe Kosten, fehlende Fachkräfte, viel Bürokratie: Das Wärmeplanungsgesetz entfaltet in der Praxis laut einer Fraunhofer-Umfrage noch wenig Wirkung.
 
Wie herausfordernd ist die Wärmeplanung für Stadtwerke und Kommunen? Forschende der Fraunhofer-Einrichtung für „Integrierte Energiesysteme“ (Cines) haben ein „Stimmungsbild aus der Praxis“ vorgelegt. Insgesamt 267 kommunale Akteure haben sie nach der Wärmeplanung befragt. 44 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass bisher keine Maßnahmen umgesetzt werden. Hautgrund dafür: „Es gibt noch keinen kommunalen Wärmeplan“.

35 Prozent sagten, dass mit der Umsetzung begonnen worden sei. Die übrigen Teilnehmenden wusste es nicht oder machten keine Angaben. Am häufigsten realisiert wurden „Machbarkeitsstudien für Wärmenetze“, 20 Prozent kreuzten diesen Punkt im Fragenkatalog an. 16 Prozent verwiesen auf „Ausbau und Verdichtung von Wärmenetzen“, 14 Prozent auf „erneuerbaren Wärmeerzeugung in Wärmenetzen“. 11 Prozent hoben den „Neubau von Wärmenetzen“ als Maßnahme hervor.

Gasnetze – für viele Stadtwerke ein wichtiges Asset – spielten in der Umsetzung bis dato kaum eine Rolle. Rund 4 Prozent der Befragten gaben an, sich „Machbarkeitsstudien für die Umstellung von Gasnetzen“ oder der „Umstellung von Gasnetzen auf Wasserstoff“ zu befassen.

10 Prozent zweifeln an der Wirksamkeit

Als größten Knackpunkt für die Wärmewende ergab die Umfrage den hohen Investitionsbedarf. In einer Skala von 1 („gar nicht herausfordernd“) bis 5 („sehr herausfordernd“) kam dieser Punkt auf 4,5. Dahinter landete die „Verfügbarkeit von Arbeitskräften“ (4,3) und die als nicht ausreichend angesehene finanzielle Förderung (4,2). Die Bürokratie im Zusammenhang mit Förderanträgen sowie auch Genehmigungen erhielt von kommunalen Akteuren jeweils eine glatte 4.

Positiv äußerten sie sich zur Frage der Eignung der kommunalen Wärmeplanung, die Klima- und Energieziele zu erreichen. Mehr 75 Prozent, so die Fraunhofer-Forschenden, bewerteten sie als „sehr oder eher wirksam und geeignet“. Lediglich 10 Prozent schätzten Wirksamkeit und Eignung als „sehr oder eher niedrig ein“.

Gefragt wurde nicht nur nach den Herausforderungen, sondern auch den „Erfolgsfaktoren“. Das Ergebnis veranschaulichten die Experten in einer zweidimensionalen Matrix (s. Abbildung). Als den wichtigsten Erfolgsfaktor bewerteten Stadtwerke und Kommunen die „Kommunikation“. Danach kam die „Datenverfügbarkeit“.
 
Herausforderungen und Erfolgsfaktoren bei der Wärmeplanung aus Sicht von Stadtwerken und Kommunen.
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Quelle: Fraunhofer Cines

Als besonders kritisch im Bereich der prozessbezogenen Herausforderungen habe sich die Kommunikation zwischen den beteiligten Akteuren sowie die Erarbeitung eines gemeinsamen Zielbildes durch selbige herausgestellt, so die Forschenden. „Die lokalen Stakeholder für die Wärmeplanung zu aktivieren und ihre bisweilen widersprüchlichen Interessen zu moderieren, erweist sich als nach wie vor anspruchsvolle Aufgabe in der kommunalen Wärmeplanung“, erklärte die Studienleiterin Anna Billerbeck. 
Spannungsfeld zwischen Kommunen und Stadtwerken

Beim Vergleich der Antworten von Beschäftigten der kommunalen Verwaltung mit jenen von Mitarbeitenden von Stadtwerken und Netzbetreibern beobachteten sie und ihre Kollegen: Stadtwerke heben die Herausforderungen hervor, Kommune hingegen „die Wichtigkeit der abgefragten Aspekte“. Hier zeige sich, dass die Verantwortlichen für die Planung einen anderen Blick haben als diejenigen, die den Plan umsetzen müssen, so Billerbeck. „Ein Spannungsfeld, welches in Hinblick auf die Umsetzung der Planung moderiert werden sollte.“ Billerbecks Fazit: „Seit die Wärmeplanung zum 1. Januar 2024 zur kommunalen Pflichtaufgabe wurde, stehen viele Kommunen vor einer großen Herausforderung.“

Die bundesweite Umfrage fand nach Angaben der Fraunhofer-Einrichtung von Juli bis September 2024 statt. 35 Prozent der Antworten kamen aus Baden-Württemberg, 15 Prozent aus Nordrhein-Westfalen, 11 Prozent aus Bayern. Die Ergebnisse wurden im November 2024 auf einem Workshop vorgestellt. 

Der Bericht zur „Umfrage zur Kommunalen Wärmeplanung – Einschätzungen zu
Erfolgsfaktoren und Hemmnissen 
“ steht als kostenfreier Download bereit
 

Manfred Fischer
© 2025 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 12.03.2025, 14:31 Uhr

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