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Enerige & Management > Bilanz - Verbund: Gewinn sinkt um 17 Prozent
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BILANZ:
Verbund: Gewinn sinkt um 17 Prozent
Als Grund nennt das Management die gefallenen Großhandelspreise für Strom. Dennoch sei das Ergebnis gut. Der Verbund werde massiv investieren und damit die Volkswirtschaft stützen.
 
 
Österreichs größter Stromkonzern Verbund erwirtschaftete 2024 einen Umsatz von 8,24 Milliarden Euro, um rund 21 Prozent weniger als 2023. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) sank um 22,5 Prozent auf 3,48 Milliarden Euro, der Gewinn um 17,2 Prozent auf 1,87 Milliarden Euro. Ausschlaggebend dafür waren die gefallenen Preise für elektrische Energie, erläuterte Generaldirektor Michael Strugl bei der Bilanzpressekonferenz am 20. März in Wien.

Hatte der Verbund 2023 einen Absatzpreis für den Strom aus seinen Wasserkraftwerken von 167,10 Euro/MWh erzielt, waren es 2024 nur mehr 118 Euro/MWh, was einem Rückgang um gut 29 Prozent entspricht. Eine Verminderung des Absatzpreises um 1 Euro/MWh verringert das Ebitda des Unternehmens um rund 25 Millionen Euro.

Positiv auf das Jahresergebnis wirkte sich die nicht zuletzt wetterbedingt gestiegene Strom-Erzeugungsmenge der Wasserkraftwerke aus, die seinen Kraftwerkspark dominieren: Sie erhöhte sich um knapp 10 Prozent auf 33,4 Milliarden kWh.

Strugl konstatierte, der Verbund habe 2024 „ein gutes Ergebnis“ erzielt. Dies komme nicht zuletzt dem österreichischen Staatshaushalt zugute. Geplant sei die Ausschüttung einer Dividende von 2,80 Euro je Aktie oder insgesamt 973 Millionen Euro. Davon erhalte der Bund, dem 51 Prozent des Verbunds gehören, etwa 496 Millionen Euro. Hinzu kämen Steuern von 700 Millionen Euro und die sogenannte „Übergewinnsteuer“ für Stromerzeuger von 50 bis 100 Millionen Euro.

Versicherung des Ministers

Zu begrüßen ist laut Strugl der Plan der neuen Koalition aus den Konservativen (Österreichische Volkspartei, ÖVP), den Sozialdemokraten (SPÖ) und den Liberalen (Neos), wesentliche Gesetze im Energiebereich möglichst noch vor dem Sommer im Bundesparlament zu beschließen. Vor allem betrifft dies das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) und das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG). Strugl gab sich zuversichtlich, „dass die Regierung diese Gesetze zügig auf den Weg bringt. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hat mir erst gestern versichert, sie haben Priorität“. An beiden Gesetzen seien die Vorarbeiten ja weit fortgeschritten, ergänzte Strugl.

Der ÖVP-Politiker Hattmannsdorfer hatte bei der Zerschlagung des bis 2. März von der Grünen Leonore Gewessler geführten Superministeriums für Klima, Energie und Verkehr die Energiesektion bekommen.

Grundsätzlich ist es Strugl zufolge notwendig, bei der Energiewende einen „integrierten Planungsansatz“ bezüglich der Erzeugung und der Netze zu verfolgen. Laut Studien, wie sie unter anderem der E-Wirtschafts-Verband Oesterreichs Energie durchführen ließ, kommt eine „schlecht gemanagte Transformation“ um etwa 30 bis 40 Prozent teurer als eine gut gemanagte, warnte Strugl.

Übergewinnsteuer versus Herausnahme von Gaskraftwerken

Zum Vorhaben der Regierung, die Energiepreise für die Endkunden rasch und dauerhaft zu senken, erläuterte Strugl, dies lasse sich vor allem durch den konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien erreichen. Eingriffe in das Marktdesign auf österreichischer Ebene alleine hätten dagegen wenig Sinn: „Wir haben nun einmal einen europäischen Binnenmarkt.“

Von der Redaktion auf die Forderung der Wiener Ökonomin Monika Köppl-Turyna angesprochen, Gaskraftwerke auf EU-Ebene aus der Merit Order zu nehmen, konstatierte Strugl, dies sei im Zusammenhang mit den massiven Preisanstiegen in den vergangenen Jahren bereits intensiv diskutiert worden. Die E-Wirtschaft selbst habe der EU-Kommission eine zeitweilige Entkopplung des Strompreises vom Gaspreis vorgeschlagen.

Statt dessen sei bekanntlich die Besteuerung sogenannte „Übergewinne“ der Energieunternehmen samt komplexer Umverteilung eingeführt worden: „Leider war das offensichtlich nur die zweitbeste Lösung.“ Im Zuge des „Action Plan for Affordable Energy“ der Kommission werde das Thema nun neuerlich diskutiert: „Wir haben aber keine konkreten Hinweise, wie das ausgestaltet werden soll.“

2025 weiter sinkendes Ergebnis

Was das heurige Jahr betrifft, rechnet Verbund-Finanzvorstand Peter Kollmann mit einem Ebitda von 2,7 bis 3,3 Milliarden Euro, was einem Rückgang um gut 5 bis 22 Prozent entspräche. Das Konzernergebnis soll um knapp 7 bis 28 Prozent auf 1,35 bis 1,75 Milliarden Euro sinken.

Zugrunde liegt diesen Kalkulationen ein erzielbarer Preis für Strom aus Wasserkraftwerken von 108,90 Euro/MWh, berichtete Kollmann. Bereits verkauft sind rund 66 Prozent der voraussichtlichen heurigen Stromproduktion. Der erzielte Preis lag bei 117,50 Euro/MWh.
 

Klaus Fischer
© 2025 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 20.03.2025, 13:40 Uhr

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