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Enerige & Management > Stromnetz - Überbauung der Netzanschlusskapazität um 60 Prozent
Der neue Trafo bei der Anlieferung. Quelle: LEW
STROMNETZ:
Überbauung der Netzanschlusskapazität um 60 Prozent
Der bayerische Verteilnetzbetreiber LEW errichtet eine neue „Einspeisesteckdose“. Die Ausschreibung der Leistung traf auf großes Interesse.
 
Die Gesetzesänderung zeigt positive Wirkung. Das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) erlaubt nun flexible Netzanschlussvereinbarungen. Im Klartext heißt das, dass hinter einem Netzanschlusspunkt mehr Erzeugungsleistung stehen darf, als der Netzanschlusspunkt eigentlich abtransportieren kann. Überbauung wird das genannt.

Die LEW Verteilnetz GmbH mit Sitz in Augsburg hat das Verfahren nun mit Erfolg ausprobiert: Der Verteilnetzbetreiber errichtet eine neue „Einspeisesteckdose“ als Netzanschlusspunkt. Dabei handelt es sich um einen Transformator zwischen Mittel- und Hochspannung. Am Umspannwerk im bayerisch-schwäbischen Balzhausen stellt das Unternehmen auf dem Gelände einen zusätzlichen 80-MVA-Transformator zur Verfügung.

„Das Pilotprojekt von LEW Verteilnetz hat nun wichtige Meilensteine erreicht“, teilte die LEW mit. Zum einen sei der Transformator für die Einspeisesteckdose im Umspannwerk Balzhausen eingetroffen. Dieser ist rund 10 Meter lang, 3 Meter breit, 9 Meter hoch und wiegt 86 Tonnen.

LEW Verteilnetz schrieb Netzanschluss aus

Was aber fast genauso wichtig ist: Die Bewerbungsphase für die Einspeisesteckdose „ist erfolgreich abgeschlossen“, heißt es weiter. Die von LEW ausgeschriebene Leistung der „Einspeisesteckdose“ stieß auf enorme Resonanz: Seit Januar konnten sich Projektierer um die Kapazität an der Einspeisesteckdose bewerben. Innerhalb von nur vier Wochen gingen 20 Anfragen mit einer Leistung von 445 MW ein – ein Vielfaches der verfügbaren Leistung des Transformators mit 80 MW. 

Aufgrund der hohen Nachfrage wurden die verfügbaren Netzanschlusskapazitäten anhand zuvor festgelegter Kriterien vergeben. Nun hat LEW Verteilnetz sieben Projekten mit einer Gesamtleistung von 126 MW anhand vorab veröffentlichter Kriterien zugesagt.
  Dabei wurde eine Kombination aus verschiedenen Erzeugungsanlagen ausgewählt. Dabei handelt es sich um drei Batteriespeicher mit 61 MW Gesamtleistung, drei PV-Anlagen mit 44 MW Gesamtleistung und eine Windkraftanlage mit 22 MW. Die Gesamtleistung der angeschlossenen Anlagen liegt um fast 60 Prozent höher als die technische Leistung des Transformators.

Die Überbauung der Transformatorleistung funktioniert deswegen, „weil sich die Einspeiseprofile von PV- und Windenergieanlagen sehr gut ergänzen“, heißt es weiter. Die angeschlossenen Batteriespeicher verhalten sich zu besonders einspeiseintensiven Zeiten netzneutral, das heißt, sie beanspruchen zu Zeiten mit besonders viel Einspeisung keine zusätzliche Kapazität im Stromnetz.

„Effizienterer Prozess als im bisherigen gesetzlichen Rahmen“

Marco Wagler, Projektleiter LEW Verteilnetz: „Das Pilotprojekt Einspeisesteckdose bietet Lösungsansätze für einige der aktuell drängendsten Fragen beim Zubau der erneuerbaren Energien: die zeitliche und räumliche Koordination neuer Anlagen, die optimale Nutzung der Infrastruktur durch Überbauung sowie insgesamt ein schnellerer und effizienterer Prozess für den Netzanschluss als im bisherigen gesetzlichen Rahmen. Für eine flächendeckende Umsetzung müssen allerdings noch die regulatorischen Rahmenbedingungen angepasst werden, bisher ist die Einspeisesteckdose ein Pilotprojekt.“

Die „Einspeisesteckdose“ ist ein gemeinsames Projekt von LEW Verteilnetz und Bayernwerk, die beide zum Eon-Konzern gehören. Die Inbetriebnahme des neuen Trafos ist für Herbst 2025 geplant.
 

Stefan Sagmeister
Chefredakteur
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Dienstag, 11.03.2025, 17:07 Uhr

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