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STROM:
Studie sieht Reformbedarf bei Strom-Grundversorgung
Eine Studie der Forschungsstelle für Energiewirtschaft sieht strukturelle Defizite in der Strom-Grundversorgung und macht Lösungsvorschläge.
Die Strom-Grundversorgung in Deutschland weist nach Einschätzung der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) strukturelle
Schwächen auf. Eine im Auftrag von Octopus Energy erstellte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das bestehende System ineffizient,
wenig transparent und für viele Haushalte vergleichsweise teuer ist.
Die Grundversorgung ist gesetzlich als Auffanglösung für Haushalte vorgesehen, die keinen eigenen Stromliefervertrag abgeschlossen haben oder beispielsweise nach einem Umzug automatisch Strom beziehen. Laut der Studie findet echter Wettbewerb um die Grundversorgung faktisch nicht statt. Der größte Anbieter übernehme automatisch die Rolle des Grundversorgers, ohne sich einem Preis- oder Leistungswettbewerb stellen zu müssen. Dadurch entstünden geringere Anreize, Tarife effizient zu gestalten oder Innovationen im Vertrieb umzusetzen.
Preisunterschiede von bis zu 12,9 Cent pro Kilowattstunde
Die Analyse der FfE zeigt deutliche Preisunterschiede zwischen Grundversorgung und regulären Stromtarifen. In der Untersuchung lagen Grundversorgungstarife je nach Stadt bis zu 12,99 Cent pro Kilowattstunde über vergleichbaren Normaltarifen desselben Versorgers. Grundlage der Berechnung war ein jährlicher Stromverbrauch von 2.500 Kilowattstunden.
Im Vergleich zu günstigen Angeboten anderer Anbieter kann die Differenz der Studie zufolge noch größer ausfallen. Gleichzeitig sei vielen Haushalten der Preisunterschied nicht bewusst. Eine Befragung von Verbraucherorganisationen habe ergeben, dass rund 49 Prozent der Haushalte nicht wissen, was Grundversorgung bedeutet oder dass diese häufig teurer ist als alternative Tarife.
Besonders betroffen seien Haushalte mit geringem Einkommen. Sie verbleiben überdurchschnittlich häufig in der Grundversorgung und tragen damit überproportional hohe Stromkosten. Die Autoren sehen darin ein strukturelles Problem, da steigende Strompreise und geringe Wechselbereitschaft die Gefahr von Energiearmut erhöhen können.
Neben dem Preis nennt die Studie weitere Defizite des Systems. So sei die Zusammensetzung der Tarife für Verbraucher häufig schwer nachvollziehbar. Zudem sei oft unklar, welcher Anteil der Kunden freiwillig in der Grundversorgung bleibe und welcher Teil aus sozialen oder finanziellen Gründen keinen Anbieterwechsel vornehme.
Vor diesem Hintergrund zeigt die Studie mehrere Reformoptionen auf. Besonders großes Potenzial sehen die Autoren in einem wettbewerblichen Ausschreibungsmodell. Dabei würde die Verantwortung für die Grundversorgung nicht mehr automatisch an den größten Anbieter im Netzgebiet fallen, sondern regelmäßig neu vergeben.
In einem solchen Verfahren könnten Energieversorger Angebote für Preis, Versorgungssicherheit und Servicequalität abgeben. Den Zuschlag erhielte das wirtschaftlich günstigste und technisch geeignete Angebot für das jeweilige Netzgebiet. Laut Studie könnte ein solcher Wettbewerb den Kostendruck erhöhen und Monopolstrukturen aufbrechen.
Stärkere Preisregulierung als Option
Eine alternative Reformoption wäre eine stärkere Preisregulierung. Dabei würde der Grundversorgungstarif einer Obergrenze unterliegen, die sich aus Beschaffungskosten, standardisierten Vertriebskosten und einer regulierten Marge zusammensetzt. Ziel wäre es, extreme Preisaufschläge zu verhindern und mehr Transparenz in der Kalkulation zu schaffen.
Darüber hinaus diskutiert die Studie Modelle, bei denen die Grund- und Ersatzversorgung zu einer einheitlichen Auffangversorgung zusammengeführt oder soziale Risiken stärker von der Strompreisbildung getrennt werden. Letzteres würde bedeuten, dass Unterstützung für einkommensschwache Haushalte stärker über sozialpolitische Instrumente organisiert wird, statt indirekt über Stromtarife.
Die Bewertung der verschiedenen Reformoptionen zeigt nach Angaben der Autoren, dass keine einzelne Maßnahme alle Ziele gleichermaßen erfüllt. Während Ausschreibungen vor allem Wettbewerb und Effizienz stärken könnten, verbesserten regulierte Preise vor allem Stabilität und Verbraucherschutz.
Die Studie kommt daher zu dem Schluss, dass eine Kombination mehrerer Reformbausteine sinnvoll sein könnte. Besonders wichtig seien mehr Transparenz in der Preisbildung, stärkerer Wettbewerbsdruck sowie eine gezieltere soziale Absicherung für Haushalte mit geringem Einkommen.
Als möglichen ersten Schritt schlagen die Autoren vor, wettbewerbliche Ausschreibungen zunächst in einer Pilotregion zu testen. Dadurch ließen sich praktische Erfahrungen sammeln und mögliche Auswirkungen auf Preise, Wettbewerb und Versorgungssicherheit genauer untersuchen.
Die Studie ist zum Download verfügbar.
Die Grundversorgung ist gesetzlich als Auffanglösung für Haushalte vorgesehen, die keinen eigenen Stromliefervertrag abgeschlossen haben oder beispielsweise nach einem Umzug automatisch Strom beziehen. Laut der Studie findet echter Wettbewerb um die Grundversorgung faktisch nicht statt. Der größte Anbieter übernehme automatisch die Rolle des Grundversorgers, ohne sich einem Preis- oder Leistungswettbewerb stellen zu müssen. Dadurch entstünden geringere Anreize, Tarife effizient zu gestalten oder Innovationen im Vertrieb umzusetzen.
Preisunterschiede von bis zu 12,9 Cent pro Kilowattstunde
Die Analyse der FfE zeigt deutliche Preisunterschiede zwischen Grundversorgung und regulären Stromtarifen. In der Untersuchung lagen Grundversorgungstarife je nach Stadt bis zu 12,99 Cent pro Kilowattstunde über vergleichbaren Normaltarifen desselben Versorgers. Grundlage der Berechnung war ein jährlicher Stromverbrauch von 2.500 Kilowattstunden.
Im Vergleich zu günstigen Angeboten anderer Anbieter kann die Differenz der Studie zufolge noch größer ausfallen. Gleichzeitig sei vielen Haushalten der Preisunterschied nicht bewusst. Eine Befragung von Verbraucherorganisationen habe ergeben, dass rund 49 Prozent der Haushalte nicht wissen, was Grundversorgung bedeutet oder dass diese häufig teurer ist als alternative Tarife.
Besonders betroffen seien Haushalte mit geringem Einkommen. Sie verbleiben überdurchschnittlich häufig in der Grundversorgung und tragen damit überproportional hohe Stromkosten. Die Autoren sehen darin ein strukturelles Problem, da steigende Strompreise und geringe Wechselbereitschaft die Gefahr von Energiearmut erhöhen können.
Neben dem Preis nennt die Studie weitere Defizite des Systems. So sei die Zusammensetzung der Tarife für Verbraucher häufig schwer nachvollziehbar. Zudem sei oft unklar, welcher Anteil der Kunden freiwillig in der Grundversorgung bleibe und welcher Teil aus sozialen oder finanziellen Gründen keinen Anbieterwechsel vornehme.
Vor diesem Hintergrund zeigt die Studie mehrere Reformoptionen auf. Besonders großes Potenzial sehen die Autoren in einem wettbewerblichen Ausschreibungsmodell. Dabei würde die Verantwortung für die Grundversorgung nicht mehr automatisch an den größten Anbieter im Netzgebiet fallen, sondern regelmäßig neu vergeben.
In einem solchen Verfahren könnten Energieversorger Angebote für Preis, Versorgungssicherheit und Servicequalität abgeben. Den Zuschlag erhielte das wirtschaftlich günstigste und technisch geeignete Angebot für das jeweilige Netzgebiet. Laut Studie könnte ein solcher Wettbewerb den Kostendruck erhöhen und Monopolstrukturen aufbrechen.
Stärkere Preisregulierung als Option
Eine alternative Reformoption wäre eine stärkere Preisregulierung. Dabei würde der Grundversorgungstarif einer Obergrenze unterliegen, die sich aus Beschaffungskosten, standardisierten Vertriebskosten und einer regulierten Marge zusammensetzt. Ziel wäre es, extreme Preisaufschläge zu verhindern und mehr Transparenz in der Kalkulation zu schaffen.
Darüber hinaus diskutiert die Studie Modelle, bei denen die Grund- und Ersatzversorgung zu einer einheitlichen Auffangversorgung zusammengeführt oder soziale Risiken stärker von der Strompreisbildung getrennt werden. Letzteres würde bedeuten, dass Unterstützung für einkommensschwache Haushalte stärker über sozialpolitische Instrumente organisiert wird, statt indirekt über Stromtarife.
Die Bewertung der verschiedenen Reformoptionen zeigt nach Angaben der Autoren, dass keine einzelne Maßnahme alle Ziele gleichermaßen erfüllt. Während Ausschreibungen vor allem Wettbewerb und Effizienz stärken könnten, verbesserten regulierte Preise vor allem Stabilität und Verbraucherschutz.
Die Studie kommt daher zu dem Schluss, dass eine Kombination mehrerer Reformbausteine sinnvoll sein könnte. Besonders wichtig seien mehr Transparenz in der Preisbildung, stärkerer Wettbewerbsdruck sowie eine gezieltere soziale Absicherung für Haushalte mit geringem Einkommen.
Als möglichen ersten Schritt schlagen die Autoren vor, wettbewerbliche Ausschreibungen zunächst in einer Pilotregion zu testen. Dadurch ließen sich praktische Erfahrungen sammeln und mögliche Auswirkungen auf Preise, Wettbewerb und Versorgungssicherheit genauer untersuchen.
Die Studie ist zum Download verfügbar.
© 2026 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 05.03.2026, 09:31 Uhr
Donnerstag, 05.03.2026, 09:31 Uhr
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