• Kevin Bär neu im Führungsteam von Paul Tech
  • So sollen Solaranlagen wildtierfreundlicher werden
  • Tion übernimmt Betrieb und Team von Clearvise
  • Die EU-Kommission bleibt bei der Klimapolitik weiter ambitioniert
  • Branche kritisiert Entwurf zum Netzentwicklungsplan
  • Pflanzenöl zunächst die Basis für die Busflotte in Hof
  • Österreichs Gasnetzbetreiber fordern Ende der Versorgungspflicht
  • Talente für die Energiewende dringend gesucht
  • Windenergie an Land legt 2025 deutlich zu
  • Wechseln statt Laden
Enerige & Management > Stromnetz - Stromautobahn nach Südamerika
Quelle: Katia Meyer-Tien
STROMNETZ:
Stromautobahn nach Südamerika
8.000 Kilometer Kabellänge, Stromhandel mit einer Zeitdifferenz von drei bis vier Stunden: Der Stiftung Klimaneutralität schwebt eine HGÜ-Verbindung nach Südamerika vor.
 
Zweimal im Jahr Sommer im PV-Stromhandel: Die Stiftung Klimaneutralität schlägt vor, die nördliche und südliche Hemisphäre über eine transatlantische Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ) zu verbinden. Die Idee zielt auf ein Kabel, das Deutschland, Belgien und Portugal mit Brasilien, Uruguay und Argentinien zusammenschaltet. Rund 8.000 Kilometer wäre die Stromautobahn lang, 5.000 davon verliefen unter Wasser.

Durch die Zeitverschiebung von drei bis vier Stunden sowie gegenläufige saisonale Erzeugungsverläufe sollen Erzeugungsüberschüsse und Defizite zwischen Nord- und Südhalbkugel ausgeglichen werden, so die Überlegung. Auch zwischen den einzelnen Ländern an den Enden des Kabels würde der Stromhandel unterstützt, heißt es. Zudem würde die Iberische Halbinsel besser an das mitteleuropäische Netz angebunden.

Das Wegener Center der Universität Graz hat die Idee eines HGÜ-Kabels zwischen EU und Südamerika auf Kosten, Nutzen und Versorgungseffekte analysiert. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass eine Kopplung beider Kontinente die Versorgungslücken von Photovoltaik erheblich verringern und steuerbare Leistung zu wettbewerbsfähigen Kosten bereitstellen könnte.

Betrachtet werden die Kosten für flexibel abrufbare Leistung, die durch eine Kombination aus Photovoltaik und Stromspeichern bereitgestellt wird. Grundlage sind dem Vernehmen nach Optimierungsmodelle für die gesamte Lastkurve der EU sowie die Residuallast Deutschlands.

68 bis 77 Euro je MWh

Bei den heutigen Preisen würde eine Stromübertragung von Brasilien nach Portugal 27 bis 36 Euro/MWh kosten, heißt es. Perspektivisch halten die Wissenschaftler 8 bis 17 Euro/MWh für wahrscheinlich.

Für Deutschland ergeben die Berechnungen, dass eine Deckung der Residuallast zu Gesamtkosten für eine steuerbare Erzeugung von 68 bis 77 Euro/MWh führen würde. Dies liege unter den erwarteten Kosten von Gaskraftwerken auf Basis von klimaneutralem Wasserstoff, die mindestens 400 Euro/MWh erreichen dürften.

„Unser Vorschlag stellt keine Alternative zu dringend erforderlichen Backup-Kapazitäten für 2030 dar“, schreiben Rainer Baake, Direktor der Stiftung Klimaneutralität, und Professor Wolf Grossmann vom Wegener Center der Universität Graz. Ein oder mehrere Transatlantik-Kabel könnten allerdings in den 2030er und 2040er Jahren zusätzlich erforderliche Backup-Kapazitäten reduzieren oder sogar ersetzen. Für Planung, Genehmigung und Bau veranschlagen die Experten zehn bis zwölf Jahre.

Die Studie der Universität Graz  steht kostenfrei im Internet bereit.
 

Manfred Fischer
© 2026 Energie & Management GmbH
Freitag, 28.11.2025, 15:22 Uhr

Mehr zum Thema