Quelle: Katia Meyer-Tien
STROMNETZ:
So will Baden-Württemberg die Netze sicherer machen
Nach Angriffen auf Energieanlagen plant Baden-Württemberg kurzfristige Maßnahmen, um die Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen. Es sind Milliardenausgaben geplant.
Hybride Kriegsführung, Extremwetter, Cyberattacken: Deutsche Stromnetze stehen unter Druck. Die baden-württembergische Landesregierung
plant vor diesem Hintergrund im Herbst den Start einer Task Force Netzausbau gemeinsam mit Netzbetreibern, Verbänden und Kommunen.
Ziel sei es, die Kapazität des Stromnetzes zu erhöhen, um auch in Extremsituationen Engpässe vermeiden und die Stromversorgung
sichern zu können, teilte ein Sprecher des Umwelt- und Energieministeriums der Deutschen Presse-Agentur mit.
Die Task Force solle sowohl kurzfristig als auch mittelfristig wirksame Schritte auf den Weg bringen. Bereits innerhalb der nächsten Monate wolle man etwa die verfügbare Netzanschlusskapazität in Engpassgebieten deutlich erhöhen, kündigte das Ministerium an. Zudem wolle man den derzeit von den Netzbetreibern mit zehn Jahren bezifferten Zeitraum für den Netzausbau „signifikant verkürzen“. Dafür seien Maßnahmen mit einem Zeithorizont von fünf bis sieben Jahren vorgesehen.
Die Angriffe auf Umspannwerke und andere Energieanlagen in Deutschland haben die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Ermittler gehen bei den jüngsten Attacken in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen oder Reutlingen von vorsätzlichen Taten aus.
Investitionen in Milliardenhöhe geplant
Die Netze BW, der größte Verteilnetzbetreiber Baden-Württembergs, und eine Tochtergesellschaft des Energiekonzerns EnBW arbeiten deswegen intensiv daran, die Stromnetze im Land sicherer und leistungsfähiger aufzustellen. Hierfür plane man Investitionen in Höhe von mehr als 35 Milliarden Euro bis 2045 ein, teilte die Netze BW mit. Geplant seien unter anderem der Neubau von 2.900 Kilometern Hochspannungsleitungen, 120 Kilometer neue Trassen sowie die Erweiterung von rund 90 Prozent der bestehenden Umspannwerke.
In Extremsituationen wie bei Angriffen auf Umspannwerke komme es auf robuste Netze und sogenannte „redundante Anlagen“ an. Hintergrund sei das n-1-Prinzip, eine grundlegende Sicherheitsregel: Auch wenn eine einzelne wichtige Leitung oder Anlage ausfalle, solle das Gesamtsystem weiter funktionieren, indem Lasten möglichst über andere Leitungen umgeleitet werden können. Ein größeres und über mehrere Leitungen diversifiziertes Netz biete mehr Möglichkeiten, einzelne Störungen aufzufangen.
„Da ändert sich was da draußen“, sagte Richard Huber, der Leiter der systemübergreifenden Infrastruktur der Netze BW. „Es ändert sich die Gesellschaft, es ändert sich die Bedrohungslage.“ In den vergangenen 20 Jahren habe man Sicherheitsthemen wenig diskutiert, deshalb müsse jetzt viel geklärt werden.
Experten verweisen auf Verwundbarkeit des Stromsystems
Experten warnen seit längerem vor der Verwundbarkeit des deutschen Stromnetzes. „Alles, was oberirdisch ist, ist natürlich immer vulnerabel gewesen. Aber jetzt merken wir auch, wie schnell und einfach man mit einer 50-Euro-Drohne und einem Kupferkabel massiv Schaden erzeugen kann“, sagt etwa Sadeeb Ottenburger, der am Karlsruher Institut für Technologie zur Resilienz kritischer Infrastrukturen forscht.
„Man braucht nicht viel Technologie, um so einen Schaden anzurichten. Da brauche ich noch nicht mal Experte zu sein, weil die Infrastruktur schlicht offen liegt.“ Daran habe in der friedlichen Welt lange niemand so richtig gedacht. „Aber jetzt haben wir gesehen: Es ist so einfach.“
Deutsches Stromnetz mit am zuverlässigsten in Europa
Netze BW betont, dass die Versorgungsqualität in Baden-Württemberg trotz neuer Herausforderungen hoch bleibe: Im Jahr 2025 sei die Stromversorgung laut dem sogenannten SAIDI-Wert im Durchschnitt rund 14 Minuten je angeschlossenem Letztverbraucher unterbrochen gewesen.
Ottenburger kritisiert, der SAIDI-Wert sei vor allem ein rückblickender Indikator für die bisherige Versorgungsqualität. Naturgefahren würden bei seiner Berechnung herausgerechnet. Ein guter SAIDI-Wert könne deshalb zwar belegen, dass das deutsche Stromnetz im Alltag ausgesprochen stabil ist. Er sage aber nur begrenzt etwas darüber aus, wie widerstandsfähig das System gegenüber neuen und größeren Gefahren wäre.
Zu diesen Gefahren zählt Ottenburger neben physischer Sabotage, Terrorismus und hybrider Kriegsführung auch klimawandelbedingtes Extremwetter und die zunehmende Digitalisierung des Stromsystems. Durch die Digitalisierung entstünden neue Angriffsmöglichkeiten, weil immer mehr Anlagen, Daten- und Steuerungssysteme miteinander verknüpft würden. Gleichzeitig wüchsen durch die zunehmende Elektrifizierung ehemals fossiler Wirtschaftsbereiche - etwa im Verkehr - auch die möglichen gesellschaftlichen Folgen eines Stromausfalls.

Die Task Force solle sowohl kurzfristig als auch mittelfristig wirksame Schritte auf den Weg bringen. Bereits innerhalb der nächsten Monate wolle man etwa die verfügbare Netzanschlusskapazität in Engpassgebieten deutlich erhöhen, kündigte das Ministerium an. Zudem wolle man den derzeit von den Netzbetreibern mit zehn Jahren bezifferten Zeitraum für den Netzausbau „signifikant verkürzen“. Dafür seien Maßnahmen mit einem Zeithorizont von fünf bis sieben Jahren vorgesehen.
Die Angriffe auf Umspannwerke und andere Energieanlagen in Deutschland haben die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Ermittler gehen bei den jüngsten Attacken in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen oder Reutlingen von vorsätzlichen Taten aus.
Investitionen in Milliardenhöhe geplant
Die Netze BW, der größte Verteilnetzbetreiber Baden-Württembergs, und eine Tochtergesellschaft des Energiekonzerns EnBW arbeiten deswegen intensiv daran, die Stromnetze im Land sicherer und leistungsfähiger aufzustellen. Hierfür plane man Investitionen in Höhe von mehr als 35 Milliarden Euro bis 2045 ein, teilte die Netze BW mit. Geplant seien unter anderem der Neubau von 2.900 Kilometern Hochspannungsleitungen, 120 Kilometer neue Trassen sowie die Erweiterung von rund 90 Prozent der bestehenden Umspannwerke.
In Extremsituationen wie bei Angriffen auf Umspannwerke komme es auf robuste Netze und sogenannte „redundante Anlagen“ an. Hintergrund sei das n-1-Prinzip, eine grundlegende Sicherheitsregel: Auch wenn eine einzelne wichtige Leitung oder Anlage ausfalle, solle das Gesamtsystem weiter funktionieren, indem Lasten möglichst über andere Leitungen umgeleitet werden können. Ein größeres und über mehrere Leitungen diversifiziertes Netz biete mehr Möglichkeiten, einzelne Störungen aufzufangen.
„Da ändert sich was da draußen“, sagte Richard Huber, der Leiter der systemübergreifenden Infrastruktur der Netze BW. „Es ändert sich die Gesellschaft, es ändert sich die Bedrohungslage.“ In den vergangenen 20 Jahren habe man Sicherheitsthemen wenig diskutiert, deshalb müsse jetzt viel geklärt werden.
Experten verweisen auf Verwundbarkeit des Stromsystems
Experten warnen seit längerem vor der Verwundbarkeit des deutschen Stromnetzes. „Alles, was oberirdisch ist, ist natürlich immer vulnerabel gewesen. Aber jetzt merken wir auch, wie schnell und einfach man mit einer 50-Euro-Drohne und einem Kupferkabel massiv Schaden erzeugen kann“, sagt etwa Sadeeb Ottenburger, der am Karlsruher Institut für Technologie zur Resilienz kritischer Infrastrukturen forscht.
„Man braucht nicht viel Technologie, um so einen Schaden anzurichten. Da brauche ich noch nicht mal Experte zu sein, weil die Infrastruktur schlicht offen liegt.“ Daran habe in der friedlichen Welt lange niemand so richtig gedacht. „Aber jetzt haben wir gesehen: Es ist so einfach.“
Deutsches Stromnetz mit am zuverlässigsten in Europa
Netze BW betont, dass die Versorgungsqualität in Baden-Württemberg trotz neuer Herausforderungen hoch bleibe: Im Jahr 2025 sei die Stromversorgung laut dem sogenannten SAIDI-Wert im Durchschnitt rund 14 Minuten je angeschlossenem Letztverbraucher unterbrochen gewesen.
Ottenburger kritisiert, der SAIDI-Wert sei vor allem ein rückblickender Indikator für die bisherige Versorgungsqualität. Naturgefahren würden bei seiner Berechnung herausgerechnet. Ein guter SAIDI-Wert könne deshalb zwar belegen, dass das deutsche Stromnetz im Alltag ausgesprochen stabil ist. Er sage aber nur begrenzt etwas darüber aus, wie widerstandsfähig das System gegenüber neuen und größeren Gefahren wäre.
Zu diesen Gefahren zählt Ottenburger neben physischer Sabotage, Terrorismus und hybrider Kriegsführung auch klimawandelbedingtes Extremwetter und die zunehmende Digitalisierung des Stromsystems. Durch die Digitalisierung entstünden neue Angriffsmöglichkeiten, weil immer mehr Anlagen, Daten- und Steuerungssysteme miteinander verknüpft würden. Gleichzeitig wüchsen durch die zunehmende Elektrifizierung ehemals fossiler Wirtschaftsbereiche - etwa im Verkehr - auch die möglichen gesellschaftlichen Folgen eines Stromausfalls.

Anfang Juni war ein Umspannwerk in Reutlingen (Baden-Württemberg) bei einem Brandanschlag schwer beschädigt worden.
Quelle: Netze BW
Quelle: Netze BW
dpa
© 2026 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 10.09.2026, 13:40 Uhr
Donnerstag, 10.09.2026, 13:40 Uhr
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