Quelle: E&M
AUS DER AKTUELLEN AUSGABE:
Sagen Sie mal: Timo Werner
In der E&M-Rubrik „Sagen Sie mal“ stellen wir ein paar kurze Fragen und bitten um kurze Antworten zu einem aktuellen Thema.

Timo Werner ist Fondsmanager klimaVest bei der Commerz Real
Quelle: Commerz Real
Quelle: Commerz Real
Herr Werner, vor fünf Jahren hat die Commerz Real mit dem inzwischen 1,7 Milliarden schweren „klimaVest“ einen Sachwertefonds für Privatanleger an den Start gebracht, der gezielt in Infrastruktur der Energiewende investiert. Wie hat sich der Fonds seitdem entwickelt?
Den Start des Fonds haben wir mit einem klaren Ziel verbunden: Wir wollten die Energiewende über einen strukturierten Ansatz für Privatanleger in Deutschland investierbar machen. Der Zugang zu breit gestreuten Portfolios aus europäischer erneuerbarer Energieinfrastruktur, die planbare Erträge liefern, war lange nur Großinvestoren vorbehalten.
Heute können wir sagen: Wir sind mit dem Markt und den Bedürfnissen gewachsen, haben regulatorische Veränderungen adaptiert und unser Portfolio stetig technologisch und strategisch weiterentwickelt. Mehr als 20.000 Anleger halten mittlerweile Anteile, und unseres Wissens ist „klimaVest“ nach wie vor der volumenstärkste Fonds seiner Art im Markt. Dieser strukturelle Rückenwind bleibt. Gerade in einem unsicheren und vergleichsweise volatilen Umfeld suchen Investoren nach realwirtschaftlich unterlegten, weniger börsensensitiven Renditeprofilen mit klarer Nachhaltigkeitswirkung.
Das Zielportfolio setzt sich zusammen aus PV- und Windkraftanlagen in sechs verschiedenen europäischen Ländern. Im Jahr 2025 haben Sie mit einer Beteiligung an Amprion erstmals in Stromnetze investiert. Sind Investitionen in den Netzausbau der neue Trend?
Das wäre wünschenswert, denn eine nachhaltige Stromversorgung ist nur mit stabilen, leistungsfähigen Netzen möglich. Der Netzausbau ist sozusagen das Rückgrat der Energiewende. Ohne leistungsfähige Übertragungsnetze lassen sich volatile Erzeugungsspitzen aus Wind und Solar weder sicher integrieren noch europaweit verteilen. Hinzu kommt der wachsende Bedarf an intelligenter Netzinfrastruktur durch die Elektrifizierung des Verkehrs- und Wärmesektors, die Digitalisierung der Industrie, Rechenzentren und den weiteren Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten. Auf Portfolioebene generiert Netzinfrastruktur durch die von der Bundesnetzagentur festgelegten Entgelte stabile, gut planbare Cashflows. Diese Kombination aus mehr Diversifikation im Portfolio, Zugang zu einem regulierten Geschäftsmodell und hoher gesellschaftlicher Relevanz machen Investitionen in Netzinfrastruktur für Investoren attraktiv.
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Zugang zu Investitionen in Infrastruktur für Privatanleger zu erleichtern. Wählt sie die richtigen Anreize?
Initiativen wie das „Sondervermögen“ oder das Infrastruktur-Zukunftsgesetz zum Abbau von lähmenden Planungs- und Genehmigungsprozessen sind ein guter Anfang. Doch der jahrzehntelange Investitionsstau wird nicht allein durch staatliche Mittel zu lösen sein. Eine große Chance liegt daher in der Kombination von öffentlichen und privaten Geldern, um so auch die Verschuldung der öffentlichen Haushalte in Grenzen zu halten. Schließlich ist der Investitionsbedarf enorm, allein in Deutschland bei schätzungsweise 1,3 Billionen Euro. Die genaue Ausgestaltung und der Abruf des Sondervermögens sind zwar noch unklar aber, wir sehen die staatlichen Maßnahmen ganz klar als zusätzlichen Wachstumstreiber, der sowohl neue Investitionsmöglichkeiten schafft als auch die Bewertung bestehender Anlagen stabilisiert.
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Donnerstag, 12.03.2026, 09:00 Uhr
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