
Moderator Klaus Stratmann, Kerstin Maria Rippel, Pierre-Alain Graf und Peter Heydecker (von links). Quelle: Klaus Lockschen
VERANSTALTUNG:
Plädoyer für Planungssicherheit
Mit dem Energiewendetempo ist Peter Heydecker zufrieden. Dennoch benötige das Gesamtsystem eine Anpassung, so der EnBW-Vorstand bei der Handelsblatt-Tagung in Berlin.
Mit dem Tempo der Transformation der Energiewirtschaft Richtung Klimaneutralität zeige er sich durchaus zufrieden, erklärte
Peter Heydecker, COO Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur bei der EnBW, bei der Handelsblatt-Tagung in Berlin.
Mehr als 55 Prozent des Bruttostromverbrauchs würden nun durch Erneuerbare gedeckt, seit 1990 seien hierzulande in diesem Wirtschaftssegment 57 Prozent der CO2-Emissionen eingespart worden, Planungsprozesse hätten sich beschleunigt. Der Weg stimme also – dennoch brauche das Gesamtsystem eine Anpassung, um die nächsten Schritte erfolgreich bewältigen zu können.
Der regulatorische Rahmen muss nach Einschätzung von Heydecker pragmatischer und marktorientierter gestaltet werden. „Aktuell bremsen wir uns mit einer Überregulierung in vielen Bereichen aus.“ Als Beispiel nannte er den Entwurf des Kraftwerkssicherungsgesetzes, in dem man sich in einem „regulatorischen Klein-Klein“ verloren habe. Das hemme prinzipiell die Investitionsbereitschaft.
Zu enge Definition von grünem Wasserstoff
Auch fehle die Verknüpfung mit dem Kapazitätsmarkt. „Wir brauchen aber einen verlässlichen Rahmen für den Bau dringend benötigter Kraftwerke.“ Unnötig kompliziert findet der EnBW-Mann auch die „enge Definition von grünem Wasserstoff“, die den Markthochlauf behindere und Projekte unnötig verteuere. „Für den Markthochlauf ist aber die Wirtschaftlichkeit entscheidend“, so Heydecker. Er unterstreicht, dass zumindest für eine Übergangszeit auch blauer Wasserstoff zum Einsatz kommen solle.
Von zentraler Bedeutung ist für Heydecker zudem ein viel engerer Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Politik. Bei einem Investitionsvolumen in die Transformation bis 2035 von geschätzten 1,2 Billionen Euro hierzulande, der überwiegend aus dem internationalen Bankenmarkt kommen müsse, habe das Fundament zu stimmen.
„Deswegen müssen die Rahmenbedingungen für die Investitionen kapitalmarktfähig sein, vergleichbar mit alternativen Anlagemöglichkeiten.“ Und das gehe nur, wenn sich die Politik langfristig und vor allem verlässlich aufstelle. „Ein jeder Kurswechsel erhöht das Risiko und treibt die Kosten in die Höhe.“
Stahlbranche fordert Absenkung der Übertragungsnetzentgelte
Eine Planungssicherheit, die sich über mehr als eine Legislaturperiode erstreckt, wünscht sich auch Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl. „Auf dem Pfad bleiben und sich darauf verlassen können“, fordert sie.
Die Lasten, die auf die Stahlbranche einwirkten, seien aber nicht allein transformationsbedingt. „Die Lage der Stahlindustrie ist momentan vor allem existenziell, weil wir ein Problem mit den Stromkosten haben, mit den Übertragungsnetzentgelten, aber auch mit dem Außenhandel.“
Der Weltmarkt sei derzeit unfair, viele Importe kämen aus Fernost, und jetzt, mit der neuen US-Politik unterTrumpp, werde sicher noch mehr in Richtung Europa umgeleitet.
Von der neuen Bundesregierung fordert Rippel als Ad-hoc-Schritt – „noch in den ersten 100 Tagen“ – die Absenkung der Übertragungsnetzentgelte, die im vergangenen Jahr durch Kippen des staatlichen Zuschusses in die Höhe gegangen sind. „Damit haben wir eine Mega-Belastung bekommen.“ Die Entgelte müssten wieder reduziert werden auf den Wert von 2023, und das rückwirkend.
„Wir haben heute eine Situation, in der die Übertragungsnetzentgelte so hoch sind wie der Börsenstrompreis vor der Krise im Jahr 2020“, sagte sie. „Wenn wir also hier runterkommen, haben wir was erreicht.“ Ansonsten laufe die Branche Gefahr, die Lichter ausmachen zu müssen.
Mehr als 55 Prozent des Bruttostromverbrauchs würden nun durch Erneuerbare gedeckt, seit 1990 seien hierzulande in diesem Wirtschaftssegment 57 Prozent der CO2-Emissionen eingespart worden, Planungsprozesse hätten sich beschleunigt. Der Weg stimme also – dennoch brauche das Gesamtsystem eine Anpassung, um die nächsten Schritte erfolgreich bewältigen zu können.
Der regulatorische Rahmen muss nach Einschätzung von Heydecker pragmatischer und marktorientierter gestaltet werden. „Aktuell bremsen wir uns mit einer Überregulierung in vielen Bereichen aus.“ Als Beispiel nannte er den Entwurf des Kraftwerkssicherungsgesetzes, in dem man sich in einem „regulatorischen Klein-Klein“ verloren habe. Das hemme prinzipiell die Investitionsbereitschaft.
Zu enge Definition von grünem Wasserstoff
Auch fehle die Verknüpfung mit dem Kapazitätsmarkt. „Wir brauchen aber einen verlässlichen Rahmen für den Bau dringend benötigter Kraftwerke.“ Unnötig kompliziert findet der EnBW-Mann auch die „enge Definition von grünem Wasserstoff“, die den Markthochlauf behindere und Projekte unnötig verteuere. „Für den Markthochlauf ist aber die Wirtschaftlichkeit entscheidend“, so Heydecker. Er unterstreicht, dass zumindest für eine Übergangszeit auch blauer Wasserstoff zum Einsatz kommen solle.
Von zentraler Bedeutung ist für Heydecker zudem ein viel engerer Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Politik. Bei einem Investitionsvolumen in die Transformation bis 2035 von geschätzten 1,2 Billionen Euro hierzulande, der überwiegend aus dem internationalen Bankenmarkt kommen müsse, habe das Fundament zu stimmen.
„Deswegen müssen die Rahmenbedingungen für die Investitionen kapitalmarktfähig sein, vergleichbar mit alternativen Anlagemöglichkeiten.“ Und das gehe nur, wenn sich die Politik langfristig und vor allem verlässlich aufstelle. „Ein jeder Kurswechsel erhöht das Risiko und treibt die Kosten in die Höhe.“
Stahlbranche fordert Absenkung der Übertragungsnetzentgelte
Eine Planungssicherheit, die sich über mehr als eine Legislaturperiode erstreckt, wünscht sich auch Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl. „Auf dem Pfad bleiben und sich darauf verlassen können“, fordert sie.
Die Lasten, die auf die Stahlbranche einwirkten, seien aber nicht allein transformationsbedingt. „Die Lage der Stahlindustrie ist momentan vor allem existenziell, weil wir ein Problem mit den Stromkosten haben, mit den Übertragungsnetzentgelten, aber auch mit dem Außenhandel.“
Der Weltmarkt sei derzeit unfair, viele Importe kämen aus Fernost, und jetzt, mit der neuen US-Politik unterTrumpp, werde sicher noch mehr in Richtung Europa umgeleitet.
Von der neuen Bundesregierung fordert Rippel als Ad-hoc-Schritt – „noch in den ersten 100 Tagen“ – die Absenkung der Übertragungsnetzentgelte, die im vergangenen Jahr durch Kippen des staatlichen Zuschusses in die Höhe gegangen sind. „Damit haben wir eine Mega-Belastung bekommen.“ Die Entgelte müssten wieder reduziert werden auf den Wert von 2023, und das rückwirkend.
„Wir haben heute eine Situation, in der die Übertragungsnetzentgelte so hoch sind wie der Börsenstrompreis vor der Krise im Jahr 2020“, sagte sie. „Wenn wir also hier runterkommen, haben wir was erreicht.“ Ansonsten laufe die Branche Gefahr, die Lichter ausmachen zu müssen.
Klaus Lockschen
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Donnerstag, 23.01.2025, 09:02 Uhr
Donnerstag, 23.01.2025, 09:02 Uhr
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