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Enerige & Management > Kraftstoffe - NRW fördert Synhelion-Anlage in Jülich
Erste synthetische Treibstoffanlage DAWN in Jülich von Synhelion. Quelle: Synhelion
KRAFTSTOFFE:
NRW fördert Synhelion-Anlage in Jülich
Der Schweizer Kraftstoffentwickler Synhelion plant in Jülich eine größere Produktionsanlage. Nordrhein-Westfalen hat das Vorhaben für eine EU-Förderung ausgewählt.
 
Synhelion will in Jülich synthetisches Kerosin, Diesel und Benzin in größerem Maßstab herstellen. Das Unternehmen mit Sitz in Zürich (Schweiz) entwickelt erneuerbare Kraftstoffe für Bereiche, die sich nur schwer elektrifizieren lassen, darunter Luftfahrt, Schifffahrt und Langstreckenverkehr. 

Die Besonderheit des Verfahrens liegt in der Bereitstellung der Prozessenergie. Synhelion erzeugt die benötigte Hochtemperaturwärme aus konzentrierter Solarstrahlung oder erneuerbarem Strom (wir berichteten). Sie treibt einen chemischen Prozess an, bei dem biogenes Rohgas und Wasser zu Synthesegas reagieren. Daraus entstehen anschließend synthetisches Kerosin, Diesel und Benzin. Ein thermischer Speicher kann die Solarwärme zwischenspeichern und damit eine Produktion ohne unmittelbare Sonneneinstrahlung ermöglichen.

Nordrhein-Westfalen hat das Vorhaben nun für eine Förderung ausgewählt. Wie hoch der Zuschuss für Synhelion ausfallen könnte, geht aus der Mitteilung des Unternehmens nicht hervor. Insgesamt stehen in der aktuellen Förderrunde rund 90 Millionen Euro für neun Projekte zur Verfügung. Das Geld stammt aus dem Just Transition Fund (JTF) der Europäischen Union. Der Fonds unterstützt Regionen, die besonders vom Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft betroffen sind. Die Mittel sollen in diesen Regionen neue Wertschöpfung und Arbeitsplätze fördern sowie die Folgen des Kohleausstiegs abfedern.

Das Land vergibt die Gelder über das Programm „Produktives.NRW“. Dieses richtet sich an fortgeschrittene Industrieprojekte im Rheinischen Revier und im nördlichen Ruhrgebiet. Synhelions Vorhaben gehört zur vierten Auswahlrunde des Programms, das das nordrhein-westfälische Wirtschafts- und das Umweltministerium gemeinsam umsetzen.

Vom Techniknachweis zum kommerziellen Betrieb

Im Brainergy Park betreibt Synhelion seit 2024 bereits die Industrieanlage „DAWN“. Ein Spiegelfeld bündelt Sonnenlicht auf einen Empfänger in einem Solarturm und erzeugt damit die benötigte Hochtemperaturwärme. Nach Angaben des Unternehmens bildet „DAWN“ die Prozesskette von der konzentrierten Solarstrahlung bis zum flüssigen synthetischen Kraftstoff im industriellen Maßstab ab.

Die neu geplante Demonstrationsanlage soll direkt neben „DAWN“ entstehen. Sie soll zeigen, ob sich das Verfahren dauerhaft unter kommerziellen Bedingungen betreiben lässt. Zur Produktionskapazität, zur Investitionssumme sowie zu Baubeginn und Inbetriebnahme macht Synhelion keine Angaben.

Nach Angaben des Unternehmens ist ein Großteil der geplanten Produktion bereits durch verbindliche langfristige Abnahmeverträge gesichert. Abnehmer, Mengen und Preise nennt Synhelion nicht. Die Betriebserfahrungen sollen zudem die Finanzierung weiterer Anlagen erleichtern.

Die Produkte sind als Drop-in-Kraftstoffe konzipiert. Das heißt, sie sollen fossiles Kerosin, Benzin oder Diesel ersetzen können, ohne dass Motoren sowie bestehende Tank-, Lager- und Transportinfrastrukturen grundlegend umgebaut werden müssen. Bei der Verbrennung entsteht allerdings weiterhin CO2. Für die Klimabilanz ist daher entscheidend, aus welchen Quellen der Kohlenstoff und die für die Herstellung benötigte Energie stammen.

Synhelion stellt gegenüber fossilen Kraftstoffen eine deutliche Verringerung der Netto-CO2-Emissionen in Aussicht. Wie hoch sie bei der geplanten Anlage ausfallen soll, geht aus der Mitteilung nicht hervor. (ds)
 

Davina Spohn
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