• EU-Staaten ebnen Weg für schnelleren Netzausbau
  • Neue Schätzung des Wasserstoffbedarfs
  • Zuschlagswerte für Windenergie sinken weiter
  • Stadtwerke Kelheim geben Ladepunkte ab
  • Drei von vier Stadtwerken fehlt Geld für Netzausbau
  • Kraftwerksausfälle und ÖPNV belasten Ergebnis in Flensburg
  • EWI sieht Gasnetz als kostengünstige Infrastruktur
  • Wärmepumpe erreicht Ohmstede
  • Everllence startet Forschungsprojekt für grüne Kraftwerke
  • Polen plant drittes LNG-Terminal
Enerige & Management > Wasserstoff - Neue Schätzung des Wasserstoffbedarfs
Quelle: Fotolia
WASSERSTOFF:
Neue Schätzung des Wasserstoffbedarfs
Der Nationale Wasserstoffrat taxiert den Bedarf an Wasserstoff in den späten 2040er-Jahren auf bis zu 555 Milliarden kWh. Der politische Handlungsbedarf sei „dringender denn je“.
 
Vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind der Energiewende: Grüner Wasserstoff ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben. So weit, dass der Nationale Wasserstoffrat (NMR) jetzt Alarm schlägt. Von einem Wasserstoffhochlauf könne man derzeit kaum sprechen, schreibt das Gremium in der kürzlich aktualisierten Bedarfsschätzung. Um den für die Transformation benötigten Wasserstoffbedarf zu decken, „besteht politischer Handlungsbedarf, der dringender denn je ist“.

In dem Papier ordnet der NWR die bereits veröffentlichten Bedarfsabschätzungen vor dem Hintergrund der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung neu ein. Für die frühen Dreißigerjahre geht der Rat von einem gesamten Wasserstoffbedarf zwischen 60 und 115 Milliarden kWh aus. Für die späten Dreißigerjahre beziehungsweise frühen Vierzigerjahre werden 155 bis 295 Milliarden kWh angesetzt. Mit Blick auf späten Vierzigerjahre nennt der NWR eine Spanne von 275 bis 555 Milliarden kWh – das entspricht 8,25 bis 16,65 Millionen Tonnen.

Den größten Bedarf sieht der Rat weiterhin in der Industrie. Für die frühen Dreißigerjahre rechnet er mit 30 bis 55 Milliarden kWh. Für die späten Vierzigerjahre veranschlagt er den Bedarf auf 140 bis 300 Milliarden kWh. Hauptnehmer: die chemische Industrie und die Stahlindustrie.

Weniger Bedarf in der Chemieindustrie

In der Stahlindustrie könnten die derzeit geplanten Direktreduktionsanlagen einen Wasserstoffbedarf von bis zu 400.000 Tonnen pro Jahr erzeugen. Voraussetzung sei jedoch, dass klimaneutraler Wasserstoff in ausreichender Menge und zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar werde, so der NWR.

Was die Chemieindustrie betrifft, fallen die Schätzungen gegenüber früheren Annahmen infolge rückläufiger Produktionsmengen und veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen geringer aus. Der NWR geht von einem Bedarf an Wasserstoff und Wasserstoff-Derivaten für 2045 zwischen 107 und 243 Milliarden kWh aus – 14 bis 28 Prozent weniger als in der Prognose 2024.

Für den Sektor „Mobilität“ erwartet das Gremium in den frühen Dreißigerjahren einen Bedarf von 25 bis 30 Milliarden kWh. Rund 7 Milliarden kWh davon entfallen auf Wasserstoff-Derivate. In den späten Vierzigern werden es demnach 75 bis 135 Milliarden kWh sein, etwa 40 Milliarden kWh machen Derivate aus.

Der Bedarf im Strom- und Fernwärmesektor erreicht bis 2035 etwa 5 bis 30 Milliarden kWh. Mit sinkenden Wasserstoffkosten und dem schrittweisen Einsatz wasserstofffähiger Gaskraftwerke steigt er nach Überlegungen des NWR auf 60 bis 120 Milliarden kWh bis zum Jahr 2045.

Nicht ohne „klares politisches Bekenntnis“

Als Anlass für die neuen Schätzungen nennt der Rat „die weitere Zuspitzung der geopolitischen Lage, die wachsende Unsicherheit durch die Politik der USA sowie neue Schwerpunktsetzungen auf europäischer und bundesdeutscher Ebene“. Ob Industrie, Verkehr, Strom- und Wärmeversorgung – für alle Sektoren gelte, „dass ein klares politisches Bekenntnis und die rechtlich-regulatorischen Bedingungen geschaffen oder zumindest verbessert werden müssen, bevor die genannten Bedarfe tatsächlich realisiert werden können“, kommentiert Ratsmitglied Kirsten Westphal. 

Der bisherige regulatorische Rahmen und die schwierigen finanzwirtschaftlichen Rahmenbedingungen verhinderen Investitionen, kritisiert das Gremium. „Unzureichende Angebotsmengen bei konstanter beziehungsweise steigender Nachfrage wiederum erhöhen die Kosten, was wiederum zahlreiche Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette gefährdet, zu Stillstand oder sogar zur Aufgabe zwingt.“
 

Manfred Fischer
© 2026 Energie & Management GmbH
Freitag, 26.06.2026, 13:50 Uhr

Mehr zum Thema