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Enerige & Management > Elektrofahrzeuge - Gute Mischung bei der Beschaffung
Linda Boll, Country Director Deutschland von Fastned. Quelle: Fastned
ELEKTROFAHRZEUGE:
Gute Mischung bei der Beschaffung
Betreiber öffentlicher Ladeinfrastruktur setzen auf Skalierung, haben aber auch immer wieder mit Verzögerungen beim Netzanschluss zu kämpfen.
 
Für Ladenetzbetreiber sind Stadtwerke durchaus attraktive Partner. Zumindest gilt dies für Fastned, wie Linda Boll kürzlich im Interview mit Energie & Mangement erklärte. Die Deutschland-Chefin des niederländischen Ladeinfrastrukturbetreibers kann sich zum einen vorstellen, beim Ladestrom mit kommunalen Versorgern zusammenzuarbeiten, aber auch beim Betrieb öffentlicher Ladepunkte. Denn eine ganze Reihe von Stadtwerken, die in das Ladeinfrastrukturgeschäft eingestiegen waren, hätten erkannt, dass es nur funktionieren kann, wenn die Skalierung gelingt und die Anbindung an die Backend-Systeme effizient bewerkstelligt werden kann. „Deshalb ziehen sich immer wieder Unternehmen aus diesem Markt zurück. Mit denen überlegen wir gerne, wie man gemeinsam in den Kommunen eine öffentliche Ladeinfrastruktur betreiben könnte“, sagte Boll.

Mittlerweile − nach dem ersten Quartal 2026 − umfasst das europäische Ladenetz von Fastned 414 Schnellladestationen, an denen insgesamt 55,6 Millionen kWh in rund 2,1 Millionen Ladevorgängen innerhalb der ersten drei Monate in E-Autobatterien flossen. Als Umsatz ergeben sich daraus im Berichtszeitraum 39,2 Millionen Euro, was einem Wachstum von mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. In Deutschland waren Ende März 54 Stationen in Betrieb und 58 in Planung, mit 301 Ladepunkten mit jeweils einer Leistung von mehr als 300 kW.

„Ladeinfrastruktur ist ein Standortgeschäft“

Es sei grundsätzlich vorstellbar, dass Stadtwerke auch bei der Beschaffung des Ladestroms für Fastned eine Rolle spielen. Lange Zeit hat das Unternehmen tagesaktuell am Spotmarkt eingekauft. „Mittlerweile haben wir auch einige Power Purchase Agreements mit Solarparks abgeschlossen, beispielsweise in den Niederlanden und in Belgien“, berichtete Boll, die den Titel Coutry Director Germany trägt. Aktuell betrachte das Unternehmen diese Option auch für Deutschland. Insgesamt sei der Preis natürlich ein wichtiger Faktor. „Wir brauchen aber auch sichere Mengen und langfristige Planbarkeit. Deshalb setzen wir verstärkt auf eine ‚gute Mischung‘ beim Beschaffungsportfoliomanagement“, erklärte sie.

Vor der Beschaffung gilt es allerdings zwei ganz wesentliche Stufen zu erklimmen. Zum einen muss sich das Unternehmen geeignete Standorte sichern. Zum anderen muss ein entsprechender Netzanschluss verfügbar sein. „Ladeinfrastruktur ist ein Standortgeschäft“, erklärte Boll. Es gehe um Orte, an denen man mit der größtmöglichen Ladefrequenz und Lademenge rechnen könne. „Wenn wir einen geeigneten Standort identifiziert haben, kommen im zweiten und dritten Schritt die Fragen, ob wir dort bauen können und die entsprechende Netzkapazität verfügbar ist“, so die Deutschland-Chefin von Fastned.

Idealerweise dauere die Wartezeit auf einen Netzanschluss etwa ein halbes Jahr. In einzelnen Fällen seien aber auch schon zwei Jahre ins Land gegangen. Wenn dies abzusehen sei, werde erst einmal gar nicht mit dem Bau der Ladestation begonnen. Denn zum einen werde „wetterfühlige“ Hightech-Hardware verbaut. Zum anderen sei eine Station weithin sichtbar. Und wenn sie über einen langen Zeitraum nicht in Betrieb gehen könne, sei dies ein schlechtes Signal an die Kunden.

Dass es kein bundesweit einheitliches Verfahren für die Einrichtung eines Netzanschlusses gibt, bedauert Boll. Bei rund 800 verschiedenen Netzbetreibern sei mitunter die Kommunikation etwas schwierig. Auch bei den einzelnen Planungsschritten und der Kostenkalkulation würde sich Boll manchmal etwas mehr Tempo, Transparenz und Planbarkeit wünschen. Bei der Vergabe von Flächen habe Fastned allerdings in der Zusammenarbeit mit Kommunen schon sehr positive Erfahrungen gemacht, obwohl hin und wieder der Eindruck entstehe, dass Städte und Gemeinden geeignete öffentliche Fläche gerne an das eigene Stadtwerk geben, wie dies auch das Bundeskartellamt in einem Bericht im Jahr 2024 moniert hat.

Das vollständige Interview mit Linda Boll lesen Sie in der Juni-Ausgabe von Energie & Management.
 

Fritz Wilhelm
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