• Verschärfte Temperaturprognosen treiben Gas und Strom
  • Verbraucherzentrale geht gegen Stadtwerke Neubrandenburg vor
  • Kleiner Fehler, große Folgen - Stromausfall in Stuttgart
  • Vattenfall steigert Ergebnis und investiert kräftig
  • Trianel unterstützt EVM bei Grünstromstrategie bis 2035
  • 2026 stellt Branche vor neue Entscheidungen
  • Strukturelle Hürden behindern Energiesparen
  • Stromanbieter Bürgerwerke mit dynamischen Tarif
  • Neuer Stromanbieter auf dem Markt
  • EU-Kommission weitet Verfahren gegen Goldwind aus
Enerige & Management > Regenerative - Grünstrom für KI, Stahl und Flugzeugbau
Quelle: Shutterstock / Jevanto Productions
REGENERATIVE:
Grünstrom für KI, Stahl und Flugzeugbau
EnBW und Google, Thyssenkrupp und Enertrac sowie Total Energy und Airbus haben Power Purchase Agreements (PPA) zum Bezug von Strom aus erneuerbaren Energiequellen unterzeichnet.
 
EnBW soll Google über einen Zeitraum von 15 Jahren mit 100 MW aus dem Offshore-Windpark „He Dreiht“ versorgen. Google will seine weltweiten Rechenzentrums-Standorte bis 2030 rund um die Uhr mit CO2-freier Energie betreiben. Peter Heydecker, EnBW-Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur, erklärt dazu in einer Unternehmensmitteilung: „Diese Vereinbarung ist ein starkes Signal für den Umbau des Energiemarktes.“ Mit dem maßgeschneiderten PPA leiste man einen unmittelbaren Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrie und der Digitalbranche. „Mit He Dreiht und dem PPA beweisen wir, dass der Bezug großer Mengen sauberer Energie bereits heute möglich ist.“

Der Offshore-Windpark He Dreiht, der derzeit in der deutschen Nordsee gebaut wird, ist eines der größten Offshore-Windprojekte in Europa. Mit einer installierten Leistung von 960 MW soll er einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung Deutschlands mit erneuerbaren Energien leisten. Der Großteil des dort erzeugten Stroms ist bereits über langfristige Stromabnahmeverträge abgesichert. Über die verbleibenden Strommengen führt EnBW Gespräche mit weiteren potenziellen Abnehmern.

Solarstrom für die Stahlherstellung

Thyssenkrupp Steel und Sunnic Lighthouse, Stromvermarkter und Tochterunternehmen der Enertrac AG, haben ein PPA zur Lieferung von Solarstrom abgeschlossen. Der Vertrag umfasst eine Leistung von 67 MW, die von neun PV-Anlagen zur Verfügung gestellt werden. Sunnic Lighthouse übernimmt, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt, die strukturierte Lieferung des Solarstroms inklusive Prognose sowie das Fahrplanmanagement.

„Gerade in Zeiten komplexer Debatten um staatliche Eingriffe und Preisdeckel braucht die Industrie vor allem eines: verlässliche und einfache Lösungen, die heute abgeschlossen werden können“, erklärte dazu Arved von Harpe, Geschäftsführer von Sunnic Lighthouse. „PPAs aus erneuerbaren Energien liefern günstigen Strom ohne staatliche Förderung.

Dass sich eines der größten Industrieunternehmen Deutschlands für dieses Modell entschieden hat, zeigt, dass PPAs nach wie vor eine attraktive Option für die Strombeschaffung sind – auch für unsere energieintensive Wirtschaft.“ Dennis Becher, Head of Energy Management bei Thyssenkrupp Steel: „Durch die Zusammenarbeit mit Sunnic schreiten wir bei unserer Transformation hin zu einer CO2-ärmeren Produktion voran. PPAs sind dabei ein wichtiger Baustein unserer Energiestrategie.“ 

Nach Kraftstoff- jetzt die Strompartnerschaft

Total Energies und der Flugzeugbauer Airbus haben Verträge zur Versorgung aller wichtigen Airbus-Standorte in Deutschland und dem Vereinigten Königreich mit Grünstrom unterzeichnet. Sie umfassen die Lieferung von 3,3 Milliarden kWh, der Strom stammt aus erneuerbaren Erzeugungsanlagen mit einer installierten Leistung von 200 MW. Ab 2027 soll damit rund die Hälfte des Strombedarfs der betroffenen Standorte gedeckt werden.

„Nach der Ankündigung unserer Partnerschaft im Bereich nachhaltiger Flugkraftstoffe im vergangenen Jahr freuen wir uns, diese Stromabnahmeverträge mit Airbus in Deutschland und im Vereinigten Königreich zu unterzeichnen – zwei Ländern, in denen Total Energies seine Produktionsbasis und seinen Absatz rasch ausbaut“, erklärte Stéphane Michel, President Gas, Renewables & Power bei Total Energies.

Flexibilität aus Batteriespeichern

Der Energiekonzern Engie und der Speicherspezialist Return haben eine langfristige virtuelle Flexibilitätsvereinbarung (virtual Flexibility Purchase Agreement – vFPA) für den deutschen Markt unterzeichnet, die ab 2027 in Kraft tritt. Das Agreement umfasst 100 MW an virtueller Speicherkapazität (BESS) und ist nach Angaben der Unternehmen damit das bisher größte vollständig festpreisbasierte vFPA in Europa. Die zugrunde liegende Flexibilität stammt aus einem dezentralen Portfolio von Batteriespeichersystemen in ganz Deutschland. 

Das vFPA-Modell verschaffte Engie, wie es in einer Pressemitteilung heißt, langfristige Planungssicherheit bei Flexibilitätskapazitäten. Die Flexibilität werde in einem einzigen virtuellen Portfolio gebündelt und dem Markt zur Verfügung gestellt. So unterstütze sie den Ausgleich von Stromangebot und -nachfrage bei starken Schwankungen in der Erzeugung aus erneuerbaren Energien. Die Vereinbarung unterstütze zudem das Ziel von Engie, den Kundinnen und Kunden zunehmend Grünstromlösungen anzubieten. 

Martin Daronnat, Head of Flexibility and Structured Origination Germany bei Engie nennt das in einer Unternehmensmitteilung von einem wichtigen Meilenstein im europäischen Flexibilitätsmarkt. Flip van der Weijden, Head of Growth bei Return, kündigte an, die Zusammenarbeit mit Engie in Europa weiter auszubauen. 
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
+49 (0) 8152 9311 15
eMail
facebook
© 2026 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 05.02.2026, 11:54 Uhr

Mehr zum Thema