• Von Öl und Gas zu Strom: EU-Kommission prüft Ziel für 2040
  • Eine Farce: die nationalen Emissionsrechte-Auktionen
  • Berlin und Algier kooperieren für Methanminderung und H2
  • Kartellamt genehmigt RWE-Einstieg bei Amprion
  • Geothermie-Pipeline wächst in Deutschland
  • Stadtwerke Konstanz investieren trotz Fehlbetrag weiter in Infrastruktur
  • Versorger unterstützt Beringung junger Fischadler
  • DHL bekommt jetzt auch Onshore-Windkraft-Strom
  • Halles Versorger wickelt beide Erdgas-Tankstellen ab
  • Anteil ausgewählter Energieträger an der Stromerzeugung
Enerige & Management > Geothermie - Geothermie-Pipeline wächst in Deutschland
Quelle: Shutterstock / James Suawa
GEOTHERMIE:
Geothermie-Pipeline wächst in Deutschland
Deutschland führt Europas Geothermie-Pipeline an. Bei Wärmenetzen und Kraftwerksprojekten gehört der deutsche Markt laut dem neuen EGEC-Report zu den aktivsten in Europa.
 
Der europäische Geothermieverband EGEC (European Geothermal Energy Council) hat seinen Geothermal Market Report 2025 veröffentlicht. Der in Brüssel ansässige Verband analysiert darin die Entwicklung des europäischen Marktes und weist bei einzelnen Kennzahlen zusätzlich Werte für die 27 Staaten der Europäischen Union aus.

Ende 2025 waren in Europa nach Angaben von EGEC Geothermie-Anwendungen mit insgesamt 3.530 MW elektrischer Leistung und 45.200 MW thermischer Leistung installiert. Davon entfielen 39.200 MW thermische Leistung auf rund 2,55 Millionen erdgekoppelte Wärmepumpen, mehr als 6.000 MW auf geothermische Wärme- und Kältenetze sowie 3.530 MW auf Kraftwerke. 2025 kamen über alle Technologien hinweg rund 2.000 MW hinzu. Der Verband beziffert die damit verbundenen Investitionen auf 2,5 Milliarden Euro. Rund 30.000 Menschen arbeiteten direkt in der Branche, weitere 20.000 indirekt.
 
Der 20-seitige „Geothermal Market Report 2025 - Key Findings“
(zum Öffnen bitte auf das PDF klicken)
Quelle: EGEC Geothermal

Geothermie ist laut EGEC inzwischen die zweitgrößte erneuerbare Energiequelle für Wärmenetze. 2025 gingen europaweit zehn neue geothermische Wärme- und Kältenetze mit zusammen rund 70 MW thermischer Leistung in Betrieb. Drei entstanden in Frankreich, jeweils zwei in Deutschland und den Niederlanden sowie jeweils eines in Dänemark, Serbien und Spanien.

Ende 2025 zählte EGEC europaweit 434 geothermische Wärme- und Kältenetze, davon 317 in der Europäischen Union. Mehr als 500 weitere Vorhaben mit zusammen rund 6.000 MW befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Angesichts dieser Projekte bezeichnet EGEC Deutschland als den aktivsten europäischen Markt für geothermische Wärmenetze. Von den rund 50 Erkundungskampagnen in Europa zielte die große Mehrheit auf Vorhaben für die Wärmeversorgung.

Großwärmepumpen erschließen neue Standorte

Ein wachsender Teil der Projekte kombiniert tiefe Geothermie mit großen Wärmepumpen. Sie heben die Temperatur aus weniger heißen Reservoiren auf das für Wärmenetze erforderliche Niveau. Dadurch können Entwickler auch Vorkommen nutzen, die für eine direkte Wärmeeinspeisung bislang als zu kühl galten. Damit erweitert sich nach Einschätzung des Verbandes das wirtschaftlich erschließbare Potenzial.

Der Markt für erdgekoppelte Wärmepumpen erholte sich nach dem Rückgang von 2024. In der Europäischen Union wurden 2025 rund 123.000 Anlagen verkauft, 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Deutschland kam mit 19.125 Geräten auf Rang drei hinter Schweden mit 26.785 und den Niederlanden mit 22.148 Anlagen. EGEC sieht vor allem bei Systemen mit mehr als 500 kW für Mehrfamilienhäuser, Gewerbe, Industrie sowie Wärme- und Kältenetze weiteres Potenzial.

Europaweit stellten Geothermie-Wärmepumpen 2025 rund 88 Milliarden kWh Wärme bereit und versorgten rechnerisch mehr als 10,6 Millionen Menschen mit Wärme und Kälte.

Deutschland führt bei Kraftwerksprojekten

Bei geplanten Geothermiekraftwerken liegt Deutschland laut EGEC europaweit vorn. Rund 15 Anlagen befinden sich in Entwicklung, weitere 18 in Voruntersuchung. Insgesamt zählt der Verband etwa 45 Projekte in verschiedenen Entwicklungsstadien und 152 weitere Vorhaben, deren Umsetzung geprüft wird.

Auch 2025 kam in Deutschland ein neues Geothermiekraftwerk hinzu. Europaweit gingen fünf Anlagen in Betrieb: drei in der Türkei sowie jeweils eine in Deutschland und Island. Zusammen mit einem Kraftwerk in Kroatien, das die Stromproduktion wieder aufnahm, erhöhten sie die europäische Leistung um rund 125 MW. Ende 2025 waren in Europa 150 Geothermiekraftwerke in Betrieb. Sie erzeugten rund 20 Milliarden kWh Strom, davon 7 Milliarden kWh in der Europäischen Union.

Deutschland verfügte laut Bericht über 51 MW geothermische Kraftwerksleistung. Damit lag das Land deutlich hinter der Türkei (1.758 MW), Italien (916 MW) und Island (809 MW).

Hemmnisse bremsen den Ausbau

Europaweit bremsen nach Einschätzung von EGEC langwierige Genehmigungsverfahren, begrenzte Verwaltungskapazitäten und schwierige Finanzierungsbedingungen den Ausbau. Für tiefengeothermische Vorhaben veranschlagt EGEC Projektzyklen von vier bis sechs Jahren. Bei Geothermiekraftwerken dauerten Genehmigungsverfahren teilweise mehr als zehn Jahre. Trotz dieser Hemmnisse investierte der europäische Geothermiesektor in den vergangenen drei Jahren mehr als 500 Millionen Euro in die Erkundung möglicher Standorte.

EGEC fordert daher einen europäischen Aktionsplan, der Genehmigungen beschleunigt und die Investitionsbedingungen verbessert. Verbandspräsident Miklos Antics sieht darin die Voraussetzung, um Geothermieprojekte schneller umzusetzen. (ds)
 

Davina Spohn
Redakteurin
+49 (0) 8152 9311 18
eMail
facebook
© 2026 Energie & Management GmbH
Freitag, 17.07.2026, 12:53 Uhr

Mehr zum Thema