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Enerige & Management > Politik - Experten vor Umweltausschuss uneins über CCS-Nutzung
Quelle: Shutterstock / Thanadon88
POLITIK:
Experten vor Umweltausschuss uneins über CCS-Nutzung
Im Umweltausschuss des Bundestags prallen beim Thema CCS unterschiedliche Expertisen aufeinander: Industrievertreter drängen auf breiten Einsatz, Wissenschaftler mahnen zur Begrenzung.
 
Die Trennlinie hatte vorab bereits die Politik scharf gezogen. Während CDU und CSU zwei Vertreter der Industrie zu dem öffentlichen Fachgespräch im Umweltausschuss über die Speicherung von Kohlendioxid (CCS) eingeladen hatten, hatten SPD, Grüne und Linke drei Wissenschaftler als Sachverständige benannt. Die AfD hatte einen Geologen aus den eigenen Reihen entsandt.

Die Anwendung solle möglichst breit gehalten und CCS nicht nur als „allerletztes Mittel“ eingesetzt werden, forderte Ludger Radermacher für den Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geothermie (BVEG). Die Organisation erwartet sich von der Politik eine Carbon-Management-Strategie, die vor allem das Kriterium Kosteneffizienz erfüllt. Damit zielte Rademacher auf Überlegungen, CO2 im Meeresuntergrund zu speichern. Die Onshore-Speicherung sei sicher und durch geringere Transportkosten günstiger als die Offshore-Speicherung, sagte er.

Chemieindustrie: CCS auch eine „Brücke“

Matthias Belitz vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) bezeichnete CCS als unverzichtbar für die Branche, um klimaneutral zu werden. Beispielhaft verwies er auf Prozesse wie die Herstellung von Calciumcarbid. In der Wärme- und Dampferzeugung seien fossile Brennstoffe noch nicht wirtschaftlich zu ersetzen. CCS, so der Bereichsleiter für Nachhaltigkeit und Klimaschutz beim VCI, könne „als Brücke dienen“.

Der Landtagsabgeordnete Marcus Resch (AfD) vertrat den Standpunkt, dass ein politisches Problem konstruiert werde, um eine „technisch aufwendige und kostenintensive Infrastruktur“ zu schaffen. Nur ein geringer Anteil der Emissionen könne technisch behandelt werden. Zudem bestehe das Risiko von „Leckagen und biologischen Störungen“, warnte der Geologe.

Wissenschaftler: „Kein Freifahrtschein“

„Wir müssen schwer vermeidbare Emissionen, soweit es geht, reduzieren und die CO2-Entnahmekapazitäten parallel ausbauen“, wird Felix Schenuit von der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) zitiert. Er verwies auf den Weltklimarat (IPCC), der empfiehlt, verbleibende Restemissionen durch CO2-Entnahme auszugleichen. Für die Abscheidung von CO2 aus Abgasen sowie für die CO2-Entnahme aus der Atmosphäre brauche es CCS, so Schenuit. Gleichwohl sei die Technologie „kein Freifahrtschein“ für weniger Klimaschutz. Auch er hob die hohen Kosten für die Technologie hervor.

Volker Quaschning, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, sprach von „exorbitant hohen Kosten“ und mangelnder Akzeptanz in der Bevölkerung für den Bau eines CO2-Pipeline-Netzes, wie es für CCS notwendig wäre. Er riet stattdessen dazu, „alle vermeidbaren Restemissionen bis 2045 auf null zu reduzieren“. Die Verbrennung von Erdgas, Erdöl und Kohle sollte bis dahin beendet werden. Auch die Emissionen der Landwirtschaft und der Industrie müssten auf „das absolut technische Minimum“ reduziert werden, so der Sachverständige.

Konstantin Litker vom Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft sagte, staatliches Geld dürfe es nur für Projekte zur Abscheidung und Speicherung von „nachweisbar“ unvermeidbaren Restemissionen geben. CCS für Gaskraftwerke und für blauen Wasserstoff sei hingegen teuer, technisch komplex und verlängere zudem „fossile Geschäftsmodelle“.
 

Manfred Fischer
© 2026 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 19.03.2026, 09:32 Uhr

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