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WÄRME:
DUH und Netze Südwest uneins über H2-Heizung
Der Gasverteilnetzbetreiber Netze Südwest erachtet Wasserstoff als wichtigen Teil der Wärmewende und wirbt für Wasserstoff-Heizungen. Die DUH übt daran jedoch Kritik.
Die Debatte über den Einsatz von grünem Wasserstoff in der Wärmeversorgung von Haushalten ist kontrovers. Während der Verband
kommunaler Unternehmen (VKU) die Technologieoffenheit betont und Wasserstoff als mögliche Option sieht, bewertet der Bundesverband
der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) den Einsatz als ineffizient und unwirtschaftlich (wir berichteten).
Vor diesem Hintergrund lässt eine Werbeaktion der „Netze-Gesellschaft Südwest mbH“ mit Sitz in Ettlingen bei Stuttgart aufhorchen. Mit Wurf-Flyern warb sie Ende 2023/Anfang 2024 für moderne Gasheizungen, die sich mit Biomethan und künftig mit Wasserstoff betreiben lassen. Darin verweist der Verteilnetzbetreiber auf Brennwertgeräte, die Hersteller bereits seit Anfang 2024 anbieten und die „100 Prozent H2-ready sind, d. h. für einen reinen Wasserstoffbetrieb umgerüstet werden können“.
Für das Jahr 2030 geht die Netze Südwest in dem Flyer von „enormen Mengen Wasserstoff“ aus, die nach Baden-Württemberg fließen werden. Sie schreibt: „Die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur ermöglicht uns, die Wärmewende und Klimaziele schnell und auch für Sie kostengünstig zu erreichen.“

Insbesondere dieser Passus ist es, der die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nun, ein Jahr später, auf den Plan gerufen hat. Sie fordert von der Netze Südwest eine Unterlassung. Der Verein moniert, der Verteilnetzbetreiber führe mit einem falschen Werbeversprechen zum Heizen mit Wasserstoff die Haushaltskunden in die Irre.
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, äußerte gegenüber der Redaktion: „Mitten in der Klimakrise wirbt der Gasnetzbetreiber Netze Südwest für den Einbau von Gasheizungen und behauptet, man könne in wenigen Jahren auf Wasserstoff umrüsten und so die Klimaziele kostengünstig erreichen.“ Resch verweist auf nicht näher definierte Prognosen, laut derer der Wasserstoff 2030 nicht in den versprochenen Mengen zur Verfügung stünde.
Zudem, so Resch weiter, seien heute verbaute Gasthermen nicht geeignet für den reinen Wasserstoffbetrieb, allenfalls für eine Beimischung. „Mit dieser dreisten Wasserstoff-Lüge verschleppt das Unternehmen die Wärmewende in der Region und treibt Menschen in eine regelrechte Kostenfalle: Dieses Versprechen verführt Verbraucherinnen und Verbraucher dazu, eine Heizung für fossiles Erdgas zu verbauen, die sich schlicht nicht für Wasserstoff eignet“, so der Chef der DUH.
Netze Südwest: Gasnetze elementar für sichere Wärmeversorgung
Konfrontiert mit den Vorwürfen, erklärt Andreas Schick, Geschäftsführer der Netze Südwest, diese aktuell sorgfältig zu prüfen. „Da der Flyer Gegenstand des Hinweises der DUH ist, bitten wir um Verständnis, dass wir uns dazu aktuell nicht äußern“, so Schick.
Grundsätzlich bekenne sich die Netzgesellschaft zu den Klimazielen Baden-Württembergs, das bereits 2040 klimaneutral sein will, fünf Jahre früher als der Bund. Dies sei nur mit einem Ausstieg aus fossilem Erdgas zu erreichen. Als Verteilnetzbetreiber folge die Netze Südwest lediglich den politischen und gesetzlichen Vorgaben und setze die Transformation konsequent um, heißt es aus Ettlingen.
Der Wandel erfordere eine „Transformation der Gasverteilnetze hin zu einer Grünen-Gase- und Wasserstoffinfrastruktur“, so Schick. Er ist überzeugt: „Die Gasverteilnetze bleiben auch künftig elementarer Bestandteil einer sicheren Energie- und Wärmeversorgung.“ Dabei betrachte die Netze Südwest neben Wasserstoff auch Biomethan, Bio-LNG und Bio-LPG. „Bereits heute speisen wir Biomethan ein“, so Schick mit Blick auf die vielen Biogasanlagen im Versorgungsgebiet.
Das Unternehmen betont, 80 Prozent aller Endkunden würde aktuell nicht aus den Transportnetzen, sondern aus den Gasverteilnetzen mit Gas beliefert. Schick nennt die 1,8 Millionen Industriekunden, die bundesweit über das Gasverteilnetz versorgt werden. Diese seien untrennbar mit den etwa 500 Industriekunden verbunden, die über Fernleitungen ihr Gas beziehen. Physikalisch sei es gar nicht möglich, die Haushalte nicht mit modernen Gasen zu beliefern. Das widerspreche auch dem Versorgungsauftrag nach dem Energiewirtschaftsgesetz, so Schick im Gespräch mit der Redaktion.
„Die Umstellung unseres Verteilnetzes hängt davon ab, wann über das Wasserstoffkernnetz Wasserstoff geliefert wird“. Die Bundesnetzagentur habe den Ausbau des Kernnetzes genehmigt. Demnach müsse die Süddeutsche Erdgasleitung (SEL), die dem baden-württembergischen Verteilnetz vorgelagert ist, bis 2030 auf Wasserstoff umgestellt sein. „Unabhängig davon ist unser Netz bereits heute weitestgehend H2-ready“, erklärt der Chef der Netze Südwest. Nur bestimmte Komponenten, wie Armaturen und Dichtungen, müssten gegebenenfalls ausgetauscht werden. Zudem setze die Netze Südwest als einer der wenigen Gasverteilnetzbetreiber ein smartes, zertifiziertes Brennwertverfolgungssystem ein, das Wasserstoff und grüne Gase im Netz überwache.
Vor diesem Hintergrund lässt eine Werbeaktion der „Netze-Gesellschaft Südwest mbH“ mit Sitz in Ettlingen bei Stuttgart aufhorchen. Mit Wurf-Flyern warb sie Ende 2023/Anfang 2024 für moderne Gasheizungen, die sich mit Biomethan und künftig mit Wasserstoff betreiben lassen. Darin verweist der Verteilnetzbetreiber auf Brennwertgeräte, die Hersteller bereits seit Anfang 2024 anbieten und die „100 Prozent H2-ready sind, d. h. für einen reinen Wasserstoffbetrieb umgerüstet werden können“.
Für das Jahr 2030 geht die Netze Südwest in dem Flyer von „enormen Mengen Wasserstoff“ aus, die nach Baden-Württemberg fließen werden. Sie schreibt: „Die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur ermöglicht uns, die Wärmewende und Klimaziele schnell und auch für Sie kostengünstig zu erreichen.“

Werbeflyer der Netze Südwest zu modernen Gasheizungen
(zur Vollansicht bitte auf den Flyer klicken)
Quelle: Netze-Gesellschaft Südwest mbH
(zur Vollansicht bitte auf den Flyer klicken)
Quelle: Netze-Gesellschaft Südwest mbH
Insbesondere dieser Passus ist es, der die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nun, ein Jahr später, auf den Plan gerufen hat. Sie fordert von der Netze Südwest eine Unterlassung. Der Verein moniert, der Verteilnetzbetreiber führe mit einem falschen Werbeversprechen zum Heizen mit Wasserstoff die Haushaltskunden in die Irre.
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, äußerte gegenüber der Redaktion: „Mitten in der Klimakrise wirbt der Gasnetzbetreiber Netze Südwest für den Einbau von Gasheizungen und behauptet, man könne in wenigen Jahren auf Wasserstoff umrüsten und so die Klimaziele kostengünstig erreichen.“ Resch verweist auf nicht näher definierte Prognosen, laut derer der Wasserstoff 2030 nicht in den versprochenen Mengen zur Verfügung stünde.
Zudem, so Resch weiter, seien heute verbaute Gasthermen nicht geeignet für den reinen Wasserstoffbetrieb, allenfalls für eine Beimischung. „Mit dieser dreisten Wasserstoff-Lüge verschleppt das Unternehmen die Wärmewende in der Region und treibt Menschen in eine regelrechte Kostenfalle: Dieses Versprechen verführt Verbraucherinnen und Verbraucher dazu, eine Heizung für fossiles Erdgas zu verbauen, die sich schlicht nicht für Wasserstoff eignet“, so der Chef der DUH.
Netze Südwest: Gasnetze elementar für sichere Wärmeversorgung
Konfrontiert mit den Vorwürfen, erklärt Andreas Schick, Geschäftsführer der Netze Südwest, diese aktuell sorgfältig zu prüfen. „Da der Flyer Gegenstand des Hinweises der DUH ist, bitten wir um Verständnis, dass wir uns dazu aktuell nicht äußern“, so Schick.
Grundsätzlich bekenne sich die Netzgesellschaft zu den Klimazielen Baden-Württembergs, das bereits 2040 klimaneutral sein will, fünf Jahre früher als der Bund. Dies sei nur mit einem Ausstieg aus fossilem Erdgas zu erreichen. Als Verteilnetzbetreiber folge die Netze Südwest lediglich den politischen und gesetzlichen Vorgaben und setze die Transformation konsequent um, heißt es aus Ettlingen.
Der Wandel erfordere eine „Transformation der Gasverteilnetze hin zu einer Grünen-Gase- und Wasserstoffinfrastruktur“, so Schick. Er ist überzeugt: „Die Gasverteilnetze bleiben auch künftig elementarer Bestandteil einer sicheren Energie- und Wärmeversorgung.“ Dabei betrachte die Netze Südwest neben Wasserstoff auch Biomethan, Bio-LNG und Bio-LPG. „Bereits heute speisen wir Biomethan ein“, so Schick mit Blick auf die vielen Biogasanlagen im Versorgungsgebiet.
Das Unternehmen betont, 80 Prozent aller Endkunden würde aktuell nicht aus den Transportnetzen, sondern aus den Gasverteilnetzen mit Gas beliefert. Schick nennt die 1,8 Millionen Industriekunden, die bundesweit über das Gasverteilnetz versorgt werden. Diese seien untrennbar mit den etwa 500 Industriekunden verbunden, die über Fernleitungen ihr Gas beziehen. Physikalisch sei es gar nicht möglich, die Haushalte nicht mit modernen Gasen zu beliefern. Das widerspreche auch dem Versorgungsauftrag nach dem Energiewirtschaftsgesetz, so Schick im Gespräch mit der Redaktion.
„Die Umstellung unseres Verteilnetzes hängt davon ab, wann über das Wasserstoffkernnetz Wasserstoff geliefert wird“. Die Bundesnetzagentur habe den Ausbau des Kernnetzes genehmigt. Demnach müsse die Süddeutsche Erdgasleitung (SEL), die dem baden-württembergischen Verteilnetz vorgelagert ist, bis 2030 auf Wasserstoff umgestellt sein. „Unabhängig davon ist unser Netz bereits heute weitestgehend H2-ready“, erklärt der Chef der Netze Südwest. Nur bestimmte Komponenten, wie Armaturen und Dichtungen, müssten gegebenenfalls ausgetauscht werden. Zudem setze die Netze Südwest als einer der wenigen Gasverteilnetzbetreiber ein smartes, zertifiziertes Brennwertverfolgungssystem ein, das Wasserstoff und grüne Gase im Netz überwache.

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Donnerstag, 13.03.2025, 16:02 Uhr
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