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Quelle: E&M
GASTBEITRAG:
Diskussion zur Lösung des Klimaproblems gefordert
Nur ein globaler Emissionshandel bringt den Klimaschutz voran, sagt *Friedemann Müller, Vorstand von Klima Global. Ein Expertentag diskutiert, wie ein solcher Ansatz aussehen könnte.
 
Die Hitzewellen des Sommers haben das Klimaproblem wieder in die Schlagzeilen befördert: Diskutiert wird über Maßnahmen zur Klimaanpassung, kritisiert wird die unzureichende nationale und europäische Emissionsminderung. Die wichtigste Frage wird dabei kaum gestellt: Welche Möglichkeiten und Instrumente haben wir, um die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen?

Wir wissen spätestens seit den 1980er Jahren, dass die Klimaerwärmung durch die Emission von Treibhausgasen verursacht wird, unabhängig davon, wo diese entstehen. Es ist ein globales Problem, das eine globale Lösung braucht.

Das schlug sich in verschiedenen Vereinbarungen des von den Vereinten Nationen organisierten Erdgipfels in Rio de Janeiro 1992 nieder, wie die Zielvereinbarung, dass dem Klima kein menschengemachter Schaden zugefügt werden darf (Klimarahmenkonvention Artikel 2), und die Anwendung des Verursacherprinzips (Rio-Deklaration, Grundsatz 16).

Dass der Verursacher eines Schadens für dessen Behebung aufkommen muss, ist ein effizientes Prinzip, weil es den Verursacher im Eigeninteresse davon abhält, Schaden zu erzeugen. Es ist aber auch ein gerechtes Prinzip, weil es die großen Verursacher viel stärker zur Kasse bittet als die kleinen. Dies würde einen Nettotransfer von den großen zu den kleinen Verursachern bewirken, der den Umbau von fossilen zu erneuerbaren Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz weltweit befördert.

Eine logische Maßnahme wäre die Einführung eines globalen Emissionshandelssystems, wie dies schon 1991 der hochangesehene indische Umweltökonom Anil Agarwal vorgeschlagen hat.

In Folgejahren wurde nicht nur das Ziel von Rio aufgeweicht, sondern auch das Verursacherprinzip mit dem Kyoto-Protokoll 1997 außer Kraft gesetzt und nur die Industriestaaten verpflichtet, ihre Emissionen moderat zu reduzieren. Die Folgen sind tektonische Verschiebungen:
  • China emittierte im Jahr 2000 gleich viel CO2 wie die EU-27. Im Jahr 2025 waren es 4,8-mal so viel. Die Pro-Kopf-Emissionen überstiegen die der EU-Bürger 2024 um 65 Prozent.
  • Für das weltweite Wachstum der CO2-Emissionen in den letzten zehn Jahren (2015-2025) war China zu 69 Prozent verantwortlich, vier Länder in Süd- und Südostasien – Indien, Indonesien, Vietnam und Philippinen – zu 47 Prozent (tatsächlich zusammen zu 116 Prozent, da der Rest der Welt in der Summe Emissionen reduziert hat). China ist aber im Gegensatz zu diesen vier Ländern auf dem Weg zum Nullwachstum.
  • Indien emittierte im Jahr 2025 energiebedingt 19 Prozent mehr CO2 als die EU, obwohl es 25 Prozent weniger Energie konsumiert hat. Dabei wächst der Energieverbrauch im Jahresdurchschnitt der letzten fünf Jahre um mehr als 6 Prozent.
Da die CO2-Emissionen in Nord-, Mittel- und Südamerika wie in Europa in den letzten zehn Jahren gesunken und in Afrika nur moderat angestiegen sind, ist die Entwicklung in Süd- und Südostasien entscheidend. Dabei sind keineswegs alle Länder der Region ursächlich für das globale Problem. Vielmehr ist es den marktwirtschaftlich organisierten Ländern Japan, Südkorea und Taiwan gelungen, die Emissionen in ähnlichem Umfang wie in der EU zu senken.

Wo muss eine Lösungsstrategie ansetzen? Auch die abgeschwächten Ziele werden wir ohne globale Strategie nicht erreichen. Dabei geht es nicht darum, diese gegen nationale Anstrengungen auszuspielen. Deutschland und Europa emittieren immer noch mehr als der Weltdurchschnitt und müssen dringend ihre Emissionen weiter absenken. Die jährlichen Klimakonferenzen (COPs) können die Kluft zwischen Zielen und realen Fortschritten wegen der erforderlichen Einstimmigkeit und der großen Interessenunterschiede nicht schließen, Appelle zu Selbstverpflichtungen reichen nicht aus.

Die EU, die seit den 1990er Jahren am stärksten auf eine Lösung dringt, sollte ihre zugesagten Mittel zur Unterstützung des Globalen Südens gezielt als Anreiz für die vier asiatischen Länder Indien, Indonesien, Vietnam und Philippinen einsetzen, um diesen Bonuszahlungen zuzusagen, falls sie ein nationales Emissionshandelssystem in Anlehnung an das EU-ETS einführen.

Um diesen Lösungsansatz zu diskutieren, wird es am 9. Oktober einen Expertentag in Tübingen unter Beteiligung von Oberbürgermeister Boris Palmer, Professoren verschiedener Universitäten, dem Migrationsforscher Gerald Knaus und Vertretern der Generation Z geben.

Näheres findet sich auf der Homepage von Klima Global e.V. 

*Dr. Friedemann Müller, Vorstand von Klima Global e.V., emeritierter Leiter der Forschungsgruppe „Globale Fragen“ bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin
 
Quelle: privat
 

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Mittwoch, 19.08.2026, 12:32 Uhr

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