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Enerige & Management > Smart Meter - Das ganze Elend des Rollouts wird sichtbar
Quelle: Shutterstock / LeahKat
SMART METER:
Das ganze Elend des Rollouts wird sichtbar
Von fast jedem Messsstellenbetreiber ist jetzt die Smart-Meter-Einbauquote zugänglich. Hunderte haben noch kein einziges iMSys eingebaut, und ein Stadtwerk schafft 100 Prozent - Rekord.
 
Zum 31. Dezember 2024 waren bundesweit 639.000 verpflichtende intelligente Messsysteme (iMSys) verbaut. Das ist eine Quote von 13,91 Prozent. Die Zähler müssen im Rahmen des Smart Meter Rollout bei Stromkonsumenten mit Jahresverbräuchen zwischen 6.000 und 100.000 kWh installiert werden. Diese Zahl zum Ende des Quartals gab die Bundesnetzagentur nun verzögert und ohne Pressemitteilung auf einer Landingpage bekannt.

Bis Ende 2025 muss die Quote auch nach der neuen Fassung des Messstellenbetriebsgesetzes, die seit der zweiten Februarhälfte 2025 gilt, bei den Messlokationen mit den genannten Verbräuchen 20 Prozent betragen.

Nach umstrittener Ansicht der Netzagentur gilt dies inklusive steuerbarer Verbraucher gemäß Paragraf 14a Energiewirtschaftsgesetz. Herausgerechnet sind seit der Novelle die Erzeuger (Kraftwerke) zwischen 7 kW und 100 kW, für die es nun erst von Ende 2026 an Pflichteinbau-Quoten gibt. Insgesamt soll der Rollout Ende 2032 abgeschlossen sein.

Nach der alten Rechtslage wäre zum Jahreswechsel nur eine Quote von 12,47 Prozent erreicht worden. Ein Quartal früher, Ende September 2024, hatte sie bei 11 Prozent gelegen.

Wie viele noch nicht angefangen haben

Den schleppenden Verlauf des Rollouts zeigt noch deutlicher eine Auswertung pro grundzuständigem Messbetreiber (gMsb) durch diese Redaktion. Die Datenlage hat sich nämlich gegenüber dem dritten Quartal gewaltig verbreitert. Hatten früher noch Hunderte gMsb schlicht die Veröffentlichung ihrer Quote nicht erlaubt, gab es diesen Vermerk diesmal nicht mehr.

So liegen erstmals Daten von 826 der 875 grundzuständigen Messbetreiber vor. 49 Messstellenbetreiber haben immer noch nicht ihren Fortschritt bis zum Jahresende 2024 gemeldet. Eine Anfrage dieser Redaktion, wie der Energieregulierer damit aufsichtsrechtlich umgeht, läuft.

Jedenfalls hatten nach händischer Zählung dieser Redaktion in einer schreibgeschützten Tabellenkalkulation der Netzagentur 338 gMsb bis 31. Dezember 2024 noch kein einziges verpflichtendes intelligentes Messsystem installiert. Darunter befinden sich zahlreiche Stadtwerke von mittleren und kleinen Städten beziehungsweise deren Netztöchter.

​Und die ÜNB mit unklarem Zweck

Und alle vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) mit 0 Prozent. Warum die ÜNB überhaupt mit Quoten aufgeführt sind, obwohl sie nur mit registrierenden Leistungsmessern (RLM) bei Jahresverbräuchen oberhalb von 100.000 kWh zu tun haben, die vom Rollout nicht betroffen sind, ist einem befragten ÜNB auch unklar.

Einen Tag später, „spätestens ab dem 1. Januar 2025“, so das Gesetz in alter wie neuer Fassung, hätten sie damit anfangen müssen. Da eine Installation an einem Feiertag wie Neujahr unwahrscheinlich ist, könnten also bis zu 338 Messbetreiber bereits die erste Rollout-Frist gerissen haben, nämlich die, mit dem Einbau anzufangen. Ob es auch Gebiete ohne Pflichteinbaufälle gibt, womit dann auch jede Quote entfiele, ist ebenfalls Gegenstand einer Anfrage bei der Netzagentur.

Hätte der Energieregulierer gleich den Stand vom 1. Januar 2025 statt vom 31. Dezember 2024 abgefragt, hätte die Öffentlichkeit jetzt eine namentliche Aufzählung der säumigen Messstellenbetreiber. Dies dürfte sich bei quartalsmäßiger Fortschreibung bis mindestens Ende April hinziehen.

In Lübz ist der Rollout schon vorbei

Das andere Ende der Quotenskala, nämlich 100 Prozent der Pflichteinbauten, hat genau ein Messstellenbetreiber erreicht, und zwar die Stadtwerke Lübz in Mecklenburg-Vorpommern. Die zweithöchste Quote haben die Stadtwerke Bad Langensalza in Thüringen mit gut 90 Prozent. Dem folgen die Stadtwerke Oelsnitz in Sachsen mit 81 Prozent.

Quasi zu zweit auf Rang vier erscheinen die sächsische Stadtwerke-Kooperation Digimeto, die 51,17 Prozent der Pflichteinbauten hinter sich hat, sowie die Stadtwerke Olbernhau in Sachsen mit 51,11 Prozent.

Tendenziell, wenn auch nicht im Einzelfall, gilt weiterhin: Je kleiner die Messbetreiber, desto niedriger der Erfüllungsgrad. Laut Behörde waren Msb mit mehr als 500.000 Messlokationen bei durchschnittlich 19,9 Prozent angelangt (ein Quartal zuvor, mit mehr Pflichteinbaufällen, 16 Prozent). Die Quote geht dann immer weiter nach unten: Bei den 558 Unternehmen mit weniger als 30.000 Messlokationen endet sie bei im Mittel 3,1 Prozent (30. September 2024: 2 Prozent).

Wie viele Smart Meter sind eigentlich verbaut?

Insgesamt waren intelligente Messsysteme bundesweit Ende 2024 an 1,16 Millionen oder 2,2 Prozent der 53,2 Millionen Messlokationen installiert. Pflichteinbaufälle sind davon 639.000 iMSys, ein Quartal zuvor waren es mit circa 700.000 iMSys mehr. Später änderte die Novelle die Bezugsgröße.

Nicht fernauslesbare, aber ebenfalls digitale „moderne Messeinrichtungen“ (mME) sind 25,5 Millionen Mal verbaut. Im September 2024 waren es 1 Million weniger. An den übrigen Messlokationen dürften noch analoge Ferrariszähler und RLM anliegen.

Die Netzagentur hat den Stand des Smart Meter Rollout zum 31. Dezember 2024 auf einer Landingpage messstellenbetreiberscharf  mit Erläuterungen veröffentlicht. Die Exceldatei war am 13. März zwar herunterzuladen, aber neuerdings schreibgeschützt, sodass eine übliche Bearbeitung nicht möglich ist.
 

Georg Eble
Redakteur
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Dienstag, 11.03.2025, 16:52 Uhr

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