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Quelle: Fotolia
KLIMASCHUTZ:
Asew-Analyse hilft beim Vergleich von THG-Bilanzen
Die Asew hat THG-Bilanzen von Stadtwerken ausgewertet und typische Emissionsmuster sichtbar gemacht. Ein direkter Vergleich bleibe jedoch methodisch bedingt begrenzt.
 
Treibhausgasbilanzen (THG-Bilanzen) gehören für viele Stadtwerke inzwischen zum Standard. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (Asew) werden entsprechende Kennzahlen regelmäßig von Kapitalgebern, Förderinstitutionen und weiteren Stakeholdern abgefragt. Mit der Erstellung einer Bilanz sei es jedoch nicht getan: Sobald die Werte vorliegen, stelle sich in der Praxis häufig die Frage nach ihrer Bewertung und dem Vergleich mit anderen Stadtwerken.

Eine belastbare 1:1-Vergleichbarkeit von THG-Bilanzen sei derzeit faktisch ausgeschlossen, erklärt Jonas Lepping, Abteilungsleiter Klimaschutz und Nachhaltigkeit bei der Asew. Dies liege vor allem an methodischen Spielräumen. Diese ergäben sich unter anderem durch unterschiedliche organisatorische und operative Bilanzgrenzen, abweichende Emissionsfaktoren, die Qualität der zugrunde liegenden Daten sowie die Versorgungsstruktur der Stadtwerke. „Dennoch besteht naturgemäß ein berechtigtes Interesse an Orientierung, weshalb die Asew sich mit einem ersten Branchen-Benchmarking beschäftigt hat“, so Lepping.

Die Asew hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren mehr als 110 THG-Bilanzen von Stadtwerken begleitet und ausgewertet. Auf dieser Basis seien 28 Bilanzen unter bestmöglicher Harmonisierung analysiert worden. Ziel sei keine Normierung gewesen, sondern eine praktikable Vergleichbarkeit der vorhandenen Daten, um typische Muster und Verteilungen sichtbar zu machen.

Für die Auswertung hat die ASEW methodische Festlegungen getroffen. Dazu zählten einheitliche Emissionsfaktoren sowie eine kostenbasierte Bilanzierung, die sich nach Vorgaben des Greenhouse Gas Protocols richtet.
 
Klassisches Benchmarking gegenwärtig nicht möglich
 
Ein klassisches Benchmarking sei dennoch gegenwärtig nicht möglich, sagte Maria Möhner, Teamleiterin Klimaschutz bei der Asew. Die Analyse könne Stadtwerken aber eine erste belastbare Orientierung geben, wenn sie die Ergebnisse ihrer eigenen THG-Bilanz besser einordnen wollten.

Demnach zeige sich bei den betrachteten Stadtwerken ein deutliches strukturelles Muster: Den größten Anteil an den Gesamtemissionen verursache häufig der Verkauf von Strom und Erdgas. Mit steigender Datenqualität könnten sich die Anteile einzelner Kategorien verschieben, wodurch die Bilanz insgesamt aussagekräftiger werde.

Ein auffälliger Ausreißer sei unter den Stadtwerken entdeckt worden. Dort seien erworbene Waren und Dienstleistungen vollständig erfasst worden, einschließlich Emissionen durch Bautätigkeiten und sämtlicher Anschaffungen des Jahres. Hinzu komme, dass das betreffende Stadtwerk ausschließlich Grünstrom vertreibe. Laut Möhner, Teamleiterin Klimaschutz bei der Asew, zeigt der Fall beispielhaft, dass Vergleichbarkeit nur bedingt ohne Kontext möglich ist. Generell werde der Einkauf in vielen Stadtwerken bislang nur wenig detailliert betrachtet, könne aber eine relevante Emissionsquelle darstellen.

Die Asew betonte, die Auswertung liefere keine „guten“ oder „schlechten“ Werte, sondern orientierende Spannweiten. Absolute Emissionswerte seien nur im jeweiligen Kontext interpretierbar. Lepping wünscht sich, dass die Ergebnisse Stadtwerke ermutigen, sich intensiver mit der eigenen Bilanz auseinanderzusetzen und Abweichungen besser zu verstehen. 

Abschließend mahnt Lepping: „Eine umfassendere Bilanzierung darf nicht negativ ausgelegt werden. Kreditgeber und andere Stakeholder müssen stärker darauf achten, was in einer THG-Bilanz enthalten ist und wie sie erstellt wurde – nicht allein auf die Höhe der ausgewiesenen Summe. Transparenz und Vollständigkeit dürfen nicht zum Risiko gemacht werden, sondern sollten Voraussetzung für glaubwürdigen Klimaschutz sein.“
 

Fritz Wilhelm
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