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Enerige & Management > Netzausbau - Amprion sieht Milliarden-Einsparpotenzial
Quelle: E&M / Günter Drewnitzky
NETZAUSBAU:
Amprion sieht Milliarden-Einsparpotenzial
Amprion identifiziert im Netzausbau Sparmöglichkeiten von 92 Milliarden Euro bis 2037. Grundlage ist eine Studie von BCG und BDI. Auch sonst rüttelt sie an Grundfesten der Energiewende.
 
Der Netzausbau könnte bis 2037 deutlich kosteneffizienter gestaltet werden, als bisher angenommen. Eine Analyse identifizierte Einsparpotenziale von insgesamt 92,1 Milliarden Euro. Basis ist die Studie „Energiewende auf Kurs bringen“, die von der Boston Consulting Group (BCG) und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erstellt wurde. Der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Amprion hat dazu ein Szenario entwickelt, das eine schrittweise Anpassung des Netzausbaus an den tatsächlichen Bedarf vorsieht.

Die Höhe der Einsparungen begründet der Netzbetreiber mit einer realistischeren Einschätzung des zukünftigen Strombedarfs. Der aktuelle Netzentwicklungsplan (NEP) 2023 geht von einer Verdoppelung der Stromnachfrage bis 2035 und einer nahezu dreifachen Erhöhung bis 2045 aus. Doch aktuelle Daten zeigen laut Amprion, dass die Elektrifizierung in Industrie, Verkehr und Wärme langsamer voranschreitet, als erwartet. An den tatsächlichen Bedarf müsse sich die Netzplanung anpassen, findet Amprion-CEO Christoph Müller.

Das von Amprion betrachtete Szenario setzt auf eine dynamischere Planung. Netzausbau-Maßnahmen sollten nicht mehr langfristig festgelegt werden. „Wir sollten uns auf die Infrastruktur konzentrieren, die bis 2035 notwendig ist, um Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen“, erklärte Müller. Insbesondere der Ausbau von Offshore- und Onshore-Verbindungen könnte flexibler gestaltet werden, um unnötige Investitionen zu vermeiden.

Die Fortschritte bei Planungs- und Genehmigungsverfahren in der vergangenen Legislaturperiode hätten gezeigt, dass eine flexible Strategie sinnvoll sei. Sollte sich nach 2035 ein größerer Bedarf ergeben, könnten Ausbauprojekte nachgesteuert werden, so Müller. Langfristige Investitionen müssten sich an der realen Entwicklung des Energieverbrauchs orientieren.
 
Studie „Energiewende auf Kurs halten - Impulse für eine wettbewerbsfähigere Energiepolitik“
(zum Öffnen bitte auf das PDF klicken)
Quelle: Boston Consulting Group, Bundesverband der Deutschen Industrie

Unsicherheit bei künftigem Strombedarf

Ein zentrales Problem der aktuellen Netzplanung sind Unsicherheiten beim künftigen Strombedarf. Während die Energiewende ambitionierte Ziele setzt, zeige sich in der Praxis eine verzögerte Elektrifizierung in verschiedenen Sektoren, so Amprion weiter. In der Industrie hänge die Umstellung von fossilen Brennstoffen auf Strom von Faktoren wie technologischem Fortschritt, wirtschaftlichem Rahmen und politischen Entscheidungen ab. Auch im Verkehrssektor sei der Umstieg auf Elektrofahrzeuge noch nicht so weit fortgeschritten, wie prognostiziert.

Diese Entwicklungen hätten direkte Auswirkungen auf den Netzausbaubedarf, folgert Amprion. Falls der Stromverbrauch weniger stark steigt, als im NEP vorgesehen, könnten einige geplante Netzinvestitionen unnötig werden. Müller betont daher, dass eine kontinuierliche Anpassung der Netzplanung erforderlich sei: „Wir brauchen eine Strategie, die flexibel auf tatsächliche Entwicklungen reagiert und keine starren Vorgaben für die nächsten 20 Jahre festlegt.“

Klimaneutralität und Energieimporte

Als weiteres zentrales Thema wirft Amprion die Frage auf, in welchem Maße Deutschland energetisch autark sein sollte. Der NEP verfolge aktuell zwei Ziele: Klimaneutralität und eine hohe Eigenversorgung. Laut Amprion ist dies jedoch nicht zwingend notwendig, da Deutschland heute 70 Prozent seines Energiebedarfs importiert. Falls künftig verstärkt Wasserstoff aus dem Ausland bezogen wird, könne das den Netzausbau-Bedarf weiter senken, so Müller. Dies würde wiederum Kosten reduzieren und Verbraucher entlasten.

Die geopolitischen Entwicklungen der jüngsten Jahre hätten gezeigt, dass eine Diversifizierung der Energiequellen entscheidend sei. Amprion plädiert für eine pragmatische Lösung: Während Deutschland seine erneuerbaren Kapazitäten weiter ausbaut, sollten gleichzeitig wirtschaftlich sinnvolle Importstrategien geprüft werden.

Amprion verweist auf die Bundesnetzagentur, die im Frühjahr den neuen Szenariorahmen für den nächsten Netzentwicklungsplan veröffentlichen wird. Die Ergebnisse der BDI-Studie könnten dabei eine wichtige Entscheidungsgrundlage sein, so Amprion-Chef Müller. Es sei nun Aufgabe der Politik, einen ausgewogenen Kurs zwischen notwendigem Netzausbau und wirtschaftlicher Effizienz zu finden.

Die 74-seitige Studie „Energiewende auf Kurs halten - Impulse für eine wettbewerbsfähigere Energiepolitik“  ist über die Internetseite des BDI downloadbar.
 

Davina Spohn
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