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ÖSTERREICH:
Abwärme für Fernwärme
Österreichische Fernwärmeversorger nutzen vermehrt Potenziale industrieller sowie kommunaler Anlagen. Auch die Tiefengeothermie wird attraktiv, hieß es bei den Fernwärmetagen in Wien.
Die Nutzung von Abwärme aus unterschiedlichsten Quellen, darunter industriellen Prozessen sowie Kläranlagen, gewinnt für die
Fernwärmeversorgung in Österreich zunehmend an Bedeutung. Einen Überblick bietet die Studie „Österreichs Fernwärme nutzt Abwärme
aktiv“, die demnächst veröffentlicht werden soll. Einige wesentliche Ergebnisse präsentierte ihr Hauptautor Andreas Oberhammer
vorab am 13. März bei den Fernwärmetagen in Wien. Oberhammer ist Prokurist der EVN Wärme, einer Tochter des niederösterreichischen Energiekonzerns
EVN. Schon seit dem Jahr 2000 befasst er sich mit der Entwicklung von Wärmeprodukten und -projekten.
Sein eigenes Unternehmen etwa nutzt die Abwärme der thermischen Abfallverwertungsanlage Dürnrohr, rund 40 Kilometer westlich von Wien für die Versorgung der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten mit Fernwärme. Dies erfolgt über eine 32 Kilometer lange Leitung, über die 140 Grad Celsius heißes Wasser bereitgestellt wird. Als Ausfallreserve sowie zur Abdeckung von Lastspitzen betreibt die EVN in St. Pölten selbst entsprechende Kesselanlagen. Ferner ist dort eine Biomasse-Kraft-Wärme-Kopplung im Bau.
Als „sehr großes Projekt“ bezeichnete Oberhammer eine Kombination aus Wärmetauschern und Großwärmepumpen mit 55 MW Gesamtleistung in der Hauptkläranlage Wien. Die Wärmepumpen dienen dazu, das Abwasser auf die für die Fernwärmebereitstellung notwendige Temperatur zu bringen. Mit den Wärmetauschern wird die Wärme dem Abwasser entzogen und dem im Fernwärmenetz zirkulierenden Wasser zugeführt.
Ein laut Oberhammer höchst innovatives Konzept wiederum verfolgt die steirische Landeshauptstadt Graz. Dabei gelangt Abwärme einer etwa neun Kilometer entfernten Papierfabrik zum Einsatz, mit der Wasser in einer Fernwärmeleitung auf rund 120 Grad Celsius aufgeheizt wird. Die Wärmeleistung des Systems beläuft sich auf 35 MW, die bereitgestellte Wärmemenge auf 150 Millionen kWh pro Jahr. Dies genügt rein rechnerisch, um 15 Prozent des derzeitigen Fernwärmebedarfs in Graz zu decken.
Nicht ohne Risiken
Ohne Herausforderungen ist die Abwärmenutzung jedoch nicht, warnte Oberhammer. Für die meist notwendigen Wärmepumpen wird bekanntlich Strom benötigt. Und in den vergangenen Jahren stiegen die Strompreise in den Wintermonaten tendenziell stärker als im Sommerhalbjahr. Dies kann wirtschaftliche Risiken zur Folge haben, konstatierte Oberhammer.
Weiters ist es den EU-Mitgliedsstaaten möglich, bis zu 20 Prozent der Abwärme auf ihre nationalen Ausbauziele gemäß der „Erneuerbaren-Richtlinie“ anrechnen zu lassen. Unklar ist laut Oberhammer aber, „ob die Abwärme generell als CO2-frei gilt und ob sie dem Bereitsteller oder dem Abnehmer zuzurechnen ist“. Dies sollte so rasch wie möglich festgelegt werden, empfahl Oberhammer.
EVN setzt auf Geothermie
Unterdessen geht die EVN Wärme daran, die Tiefengeothermie-Potenziale in Niederösterreich zu erschließen, berichtete Gregor Götzl, der in dem Unternehmen für diese Thematik zuständig ist. Ihm zufolge beläuft sich das technische Potenzial der Heißwasservorkommen allein im südlichen Wiener Becken auf rund 10 Milliarden kWh pro Jahr. Insgesamt habe Niederösterreich aller Wahrscheinlichkeit nach „den größten Vorrat an geothermischer Energie im gesamten Bundesgebiet“.
Götzl erwartet, davon mittel- bis längerfristig etwa 8 bis 9 Milliarden kWh nutzen zu können. Bis 2030 soll eine erste Pilotanlage entstehen, bis 2035 eine weitere. Mit diesen beiden Vorhaben lassen sich vorerst etwa 200 Millionen kWh Wärme pro Jahr bereitstellen. Zurzeit arbeitet die EVN Wärme daran, möglichst optimale Standorte für die Anlagen zu finden.
Positive politische Ankündigungen
Positiv beurteilte Götzl die Ankündigung der österreichischen Bundesregierung, eine „Bundesstrategie für Geothermie“ ausarbeiten zu lassen, sowie den Plan einer Novelle des Mineralrohstoffgesetzes (MinRoG). Mit der Novelle soll die Durchführung von Geothermievorhaben erleichtert werden, unter anderem durch das Recht, Grundstücke in großer Tiefe auch ohne Zustimmung der Eigentümer zu nutzen.
Vorgesehen ist im Regierungsprogramm zudem die „Schaffung risikobasierter Förderinstrumente zur Abfederung des Fündigkeitsrisikos und des Risikos von Fehlbohrungen“. Das alles wäre den Plänen der EVN Wärme durchaus förderlich, konstatierte Götzl.
Sein eigenes Unternehmen etwa nutzt die Abwärme der thermischen Abfallverwertungsanlage Dürnrohr, rund 40 Kilometer westlich von Wien für die Versorgung der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten mit Fernwärme. Dies erfolgt über eine 32 Kilometer lange Leitung, über die 140 Grad Celsius heißes Wasser bereitgestellt wird. Als Ausfallreserve sowie zur Abdeckung von Lastspitzen betreibt die EVN in St. Pölten selbst entsprechende Kesselanlagen. Ferner ist dort eine Biomasse-Kraft-Wärme-Kopplung im Bau.
Als „sehr großes Projekt“ bezeichnete Oberhammer eine Kombination aus Wärmetauschern und Großwärmepumpen mit 55 MW Gesamtleistung in der Hauptkläranlage Wien. Die Wärmepumpen dienen dazu, das Abwasser auf die für die Fernwärmebereitstellung notwendige Temperatur zu bringen. Mit den Wärmetauschern wird die Wärme dem Abwasser entzogen und dem im Fernwärmenetz zirkulierenden Wasser zugeführt.
Ein laut Oberhammer höchst innovatives Konzept wiederum verfolgt die steirische Landeshauptstadt Graz. Dabei gelangt Abwärme einer etwa neun Kilometer entfernten Papierfabrik zum Einsatz, mit der Wasser in einer Fernwärmeleitung auf rund 120 Grad Celsius aufgeheizt wird. Die Wärmeleistung des Systems beläuft sich auf 35 MW, die bereitgestellte Wärmemenge auf 150 Millionen kWh pro Jahr. Dies genügt rein rechnerisch, um 15 Prozent des derzeitigen Fernwärmebedarfs in Graz zu decken.
Nicht ohne Risiken
Ohne Herausforderungen ist die Abwärmenutzung jedoch nicht, warnte Oberhammer. Für die meist notwendigen Wärmepumpen wird bekanntlich Strom benötigt. Und in den vergangenen Jahren stiegen die Strompreise in den Wintermonaten tendenziell stärker als im Sommerhalbjahr. Dies kann wirtschaftliche Risiken zur Folge haben, konstatierte Oberhammer.
Weiters ist es den EU-Mitgliedsstaaten möglich, bis zu 20 Prozent der Abwärme auf ihre nationalen Ausbauziele gemäß der „Erneuerbaren-Richtlinie“ anrechnen zu lassen. Unklar ist laut Oberhammer aber, „ob die Abwärme generell als CO2-frei gilt und ob sie dem Bereitsteller oder dem Abnehmer zuzurechnen ist“. Dies sollte so rasch wie möglich festgelegt werden, empfahl Oberhammer.
EVN setzt auf Geothermie
Unterdessen geht die EVN Wärme daran, die Tiefengeothermie-Potenziale in Niederösterreich zu erschließen, berichtete Gregor Götzl, der in dem Unternehmen für diese Thematik zuständig ist. Ihm zufolge beläuft sich das technische Potenzial der Heißwasservorkommen allein im südlichen Wiener Becken auf rund 10 Milliarden kWh pro Jahr. Insgesamt habe Niederösterreich aller Wahrscheinlichkeit nach „den größten Vorrat an geothermischer Energie im gesamten Bundesgebiet“.
Götzl erwartet, davon mittel- bis längerfristig etwa 8 bis 9 Milliarden kWh nutzen zu können. Bis 2030 soll eine erste Pilotanlage entstehen, bis 2035 eine weitere. Mit diesen beiden Vorhaben lassen sich vorerst etwa 200 Millionen kWh Wärme pro Jahr bereitstellen. Zurzeit arbeitet die EVN Wärme daran, möglichst optimale Standorte für die Anlagen zu finden.
Positive politische Ankündigungen
Positiv beurteilte Götzl die Ankündigung der österreichischen Bundesregierung, eine „Bundesstrategie für Geothermie“ ausarbeiten zu lassen, sowie den Plan einer Novelle des Mineralrohstoffgesetzes (MinRoG). Mit der Novelle soll die Durchführung von Geothermievorhaben erleichtert werden, unter anderem durch das Recht, Grundstücke in großer Tiefe auch ohne Zustimmung der Eigentümer zu nutzen.
Vorgesehen ist im Regierungsprogramm zudem die „Schaffung risikobasierter Förderinstrumente zur Abfederung des Fündigkeitsrisikos und des Risikos von Fehlbohrungen“. Das alles wäre den Plänen der EVN Wärme durchaus förderlich, konstatierte Götzl.
Klaus Fischer
© 2025 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 13.03.2025, 15:47 Uhr
Donnerstag, 13.03.2025, 15:47 Uhr
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