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Enerige & Management > Gasnetz - Wiener Netze wollen 74 Prozent des Gasnetzes stilllegen
Quelle: Shutterstock / Zivica Kerkez
GASNETZ:
Wiener Netze wollen 74 Prozent des Gasnetzes stilllegen
Laut Geschäftsführer Thomas Angerer werden bis 2040 die Strom- und  Fernwärmenetze des städtischen Unternehmens erweitert. Dies sei wichtig für die Energiewende. 
 
 
Die Wiener Netze erweitern in den kommenden Jahren ihre Infrastrukturen im Strom- und Fernwärmesektor. Hinsichtlich des (Erd-)Gasnetzes sind dem gegenüber weiträumige Stilllegungen geplant. Dies berichtete einer der Geschäftsführer des Unternehmens, Thomas Angerer, am 23. März bei einem Hintergrundgespräch der Netzbetreiber-Initiative Forum Versorgungssicherheit.

Angerer hat seine Funktion seit 1. Januar inne. Zuständig ist er für Betriebswirtschaft sowie für Regulations- und Infrastrukturmanagement. Ihm zufolge werden die zurzeit rund 20.800 Kilometer umfassenden Stromnetze, die auch Teile des Wien umgebenden Bundeslands Niederösterreich versorgen, bis 2040 um 4.300 Kilometer verlängert. Sein 1.300 Kilometer langes Fernwärmenetz im Wiener Stadtgebiet erweitert das Unternehmen um 400 Kilometer. 

Dem gegenüber werden 3.400 Kilometer oder knapp 74 Prozent des 4.600 Kilometer umfassenden Gasnetzes stillgelegt. Angerer nannte die Zahlen zum Gasnetz auch auf Nachfrage der Redaktion nicht. Sie finden sich allerdings auf der Website seines Unternehmens, das zu 100 Prozent den Wiener Stadtwerken und damit der Stadt Wien gehört. Zu den Kosten der Stilllegung äußerte sich Angerer auf Anfrage der Redaktion ebenfalls nicht. Zurzeit investieren die Wiener Netze jährlich rund 440 Millionen Euro in ihre Infrastrukturen. Laut Angerer entfallen davon 26 Millionen Euro oder etwa sechs Prozent auf die Gasnetze. 

Weg mit der Anschlusspflicht 

Hinsichtlich der Stilllegung von Teilen des Gasnetzes verwies Angerer auf laufende Planungen. Diese stehen ihm zufolge unter dem Vorbehalt des Beschlusses einer Novelle zum Gaswirtschaftsgesetz (GWG). Wie berichtet, will der für Energiepolitik zuständige Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer von der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP) den Entwurf der Novelle bis August vorlegen. Bis dahin läuft die Frist zur Umsetzung der EU-Binnenmarkt-Richtline für erneuerbares Gas, Erdgas und Wasserstoff, die die Erstellung von Stilllegungsplänen für nicht mehr benötigte Gasinfrastrukturen vorschreibt. 

Laut Angerer gingen in den vergangenen fünf Jahren jährlich etwa 10.000 Zählpunkte vom Wiener Gasnetz. Nach Angaben der Regulierungsbehörde E-Control belief sich die Anzahl dieser Zählpunkte Ende 2024 auf rund 570.000, von denen 551.000 auf Haushalte und 18.000 auf Gewerbe- sowie Industriebetriebe entfielen. 

Angerer zufolge ist es wesentlich, in der GWG-Novelle keine Verpflichtung zum Rückbau der Gasnetze zu verankern. Sehr wohl zu fixieren wäre seiner Ansicht nach jedoch die Aufhebung der Anschlusspflicht, die gegenüber Kunden, die einen Anschluss an ein vorhandenes Gasnetz wünschen, besteht: „Diese Pflicht abzuschaffen, ist für die Stilllegung ganz wichtig.“

Stromnetz als „Rückgrat der Wärmewende“ 

Angerer fügte hinzu, das Stromnetz werde in Wien zum „Rückgrat der Wärmewende. Das ist der große Paradigmenwechsel“. Nicht zuletzt werde sich die Wärmewende auf ans Stromnetz angeschlossene Großwärmepumpen stützen. An Bedeutung gewinne tendenziell auch die Fernwärme. Das Gasnetz werde überwiegend dem Transport von „grünem“ Wasserstoff sowie anderen „grünen“ Gasen wie Biomethan dienen: „Daher brauchen wir die Kompetenz zum Betrieb von Gasnetzen weiterhin.“ 

Die Stadt Wien plane, ihre Energieversorgung ab 2040 „klimaneutral“ zu bewerkstelligen. Zu diesem Zweck sei es nötig, die vorhandenen Infrastrukturen „ganzheitlich“ zu denken und Synergien zu nutzen. Letzten Endes handle es sich um einen „fundamentalen Umbau der Energieversorgung“, für die eine umfassende Energieraumplanung erforderlich sei.
 

Klaus Fischer
© 2026 Energie & Management GmbH
Montag, 23.03.2026, 12:30 Uhr

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