Quelle: E&M
GASTBEITRAG:
Wenn die Fabrik das Wohngebiet heizt
Was Kommunen aus einem Nahwärmeprojekt in Mellrichstadt lernen können, erläutert *Thomas Reithmeier von Gammel Engineering.
Industrielle Prozesswärme, regionale Biomasse und ein 1,5-Millionen-Liter-Pufferspeicher – am Hainberg im bayerischen Mellrichstadt
entsteht ein Nahwärmeprojekt, das zeigt, wie lokale Synergien die kommunale Wärmewende voranbringen. 94 Gebäude mit 270 Wohneinheiten
werden von fossilen Einzelheizungen auf regenerative Fernwärme umgestellt.
Geplant von Gammel Engineering, integriert das Projekt industrielle Abwärme aus einem benachbarten Produktionsbetrieb. Da die Energiequelle nicht konstant verfügbar ist, gleicht ein groß dimensionierter Wärmespeicher die Differenz aus. So wird industrielle Abwärme auch für kleinere Kommunen nutzbar.
Mellrichstadt, ein 6.000-Einwohner-Städtchen in der Rhön, steht vor einer Herausforderung, die viele Kommunen kennen: Das Wohngebiet am Hainberg stammt überwiegend aus den 1970er- und 1980er-Jahren und wird bislang mit Öl- und Gasheizungen versorgt – über zwölf Millionen kWh pro Jahr, größtenteils fossil gedeckt.
Bereits 2022 analysierte Gammel Engineering im Rahmen der Machbarkeitsuntersuchung unterschiedliche Erzeugerszenarien für das Quartier. Die Nähe eines Industriebetriebs mit relevantem Abwärmepotenzial eröffnete die Möglichkeit, industrielle Prozesswärme als regenerative Wärmequelle einzubinden.
Zentral war dabei die zeitliche Entkopplung von Abwärmeverfügbarkeit und Wärmebedarf im Wohngebiet. Entscheidend war ein System, das diese zeitliche Verschiebung ausgleicht.
Systemlösung auf engem Raum
Die Lösung: ein Wärmespeicher mit rund 1,5 Millionen Litern Volumen. Das ist für ein Nahwärmenetz dieser Größe bewusst groß dimensioniert. Der Wärmespeicher ermöglicht es, die Zeiträume zu nutzen, in denen Abwärme zur Verfügung steht, aber keine Abnahme am Netz ist. Erst diese Speicherstrategie macht industrielle Abwärme dauerhaft nutzbar.
Auch der beengte Heizwerksstandort stellte eine Herausforderung dar: Auf einer Fläche von rund 10 mal 25 Metern am Betriebsgelände der Firma Reich mussten Kessel, Brennstofflager, Pufferspeicher und eine Erweiterungsfläche untergebracht werden. Der Standort ließ wenig Spielraum, weshalb Layout und Wartungszugänge von Beginn an mitgeplant werden mussten.
Als grundlastfähiger Wärmeerzeuger dient ein Biomassekessel, der Holzhackschnitzel aus regionalem Waldrestholz nutzt. Der Biomassekessel soll nur eingesetzt werden, wenn infolge von Stillstandzeiten der Produktion bei Reich keine Abwärme zur Verfügung steht oder diese im Unternehmen selbst benötigt wird. Ein gasbefeuerter Spitzenlastkessel sichert zusätzlich die Versorgung bei außergewöhnlich hohen Lasten ab – der fossile Anteil bleibt so auf wenige Prozent des Jahresbedarfs beschränkt.
Bis zur Heizperiode 2026/27 werden zunächst 30 bis 40 Wohneinheiten an das Nahwärmenetz angeschlossen. Bis 2030 sollen insgesamt 94 Gebäude mit 270 Wohneinheiten folgen. Dabei hat Gammel Engineering immer den Endausbau im Kopf, auch wenn man stufenweise baut. Gammel dimensioniert die Haupttrasse großzügig und plant Abgänge für künftige Netzerweiterungen bereits mit ein.
Für die Gebäude am Hainberg ersetzt der Anschluss die bisherigen Einzelheizungen durch kompakte Wärmeübergabestationen – aufwendige Umbauten sind in der Regel nicht nötig. Betrieb, Wartung und Brennstoffbeschaffung liegen künftig beim Wärmenetzbetreiber.
Was Kommunen lernen können
Industrielle Abwärme wird erst dann zu einer verlässlichen Wärmequelle, wenn sie als Teil eines Gesamtsystems gedacht wird – mit Speicher, Netz und klaren betrieblichen Randbedingungen. Für Kommunen mit Industriestandorten lohnt sich ein gezieltes Screening: Welche Prozesswärme fällt an und unter welchen Bedingungen? Mellrichstadt zeigt, dass auch kleinere Städte industrielle Abwärme erfolgreich nutzen können – vorausgesetzt, sie wird von Beginn an als Teil eines Gesamtsystems geplant.
*Thomas Reithmeier, B.Eng., ist Projektplaner Anlagentechnik bei Gammel Engineering. Die in Abensberg (Bayern) ansässige Gammel Engineering GmbH entwickelt seit ihrer Gründung im Jahr 1987 Energie- und Versorgungskonzepte für den Mittelstand, die Industrie sowie die öffentliche Hand.
Geplant von Gammel Engineering, integriert das Projekt industrielle Abwärme aus einem benachbarten Produktionsbetrieb. Da die Energiequelle nicht konstant verfügbar ist, gleicht ein groß dimensionierter Wärmespeicher die Differenz aus. So wird industrielle Abwärme auch für kleinere Kommunen nutzbar.
Mellrichstadt, ein 6.000-Einwohner-Städtchen in der Rhön, steht vor einer Herausforderung, die viele Kommunen kennen: Das Wohngebiet am Hainberg stammt überwiegend aus den 1970er- und 1980er-Jahren und wird bislang mit Öl- und Gasheizungen versorgt – über zwölf Millionen kWh pro Jahr, größtenteils fossil gedeckt.
Bereits 2022 analysierte Gammel Engineering im Rahmen der Machbarkeitsuntersuchung unterschiedliche Erzeugerszenarien für das Quartier. Die Nähe eines Industriebetriebs mit relevantem Abwärmepotenzial eröffnete die Möglichkeit, industrielle Prozesswärme als regenerative Wärmequelle einzubinden.
Zentral war dabei die zeitliche Entkopplung von Abwärmeverfügbarkeit und Wärmebedarf im Wohngebiet. Entscheidend war ein System, das diese zeitliche Verschiebung ausgleicht.
Systemlösung auf engem Raum
Die Lösung: ein Wärmespeicher mit rund 1,5 Millionen Litern Volumen. Das ist für ein Nahwärmenetz dieser Größe bewusst groß dimensioniert. Der Wärmespeicher ermöglicht es, die Zeiträume zu nutzen, in denen Abwärme zur Verfügung steht, aber keine Abnahme am Netz ist. Erst diese Speicherstrategie macht industrielle Abwärme dauerhaft nutzbar.
Auch der beengte Heizwerksstandort stellte eine Herausforderung dar: Auf einer Fläche von rund 10 mal 25 Metern am Betriebsgelände der Firma Reich mussten Kessel, Brennstofflager, Pufferspeicher und eine Erweiterungsfläche untergebracht werden. Der Standort ließ wenig Spielraum, weshalb Layout und Wartungszugänge von Beginn an mitgeplant werden mussten.
Als grundlastfähiger Wärmeerzeuger dient ein Biomassekessel, der Holzhackschnitzel aus regionalem Waldrestholz nutzt. Der Biomassekessel soll nur eingesetzt werden, wenn infolge von Stillstandzeiten der Produktion bei Reich keine Abwärme zur Verfügung steht oder diese im Unternehmen selbst benötigt wird. Ein gasbefeuerter Spitzenlastkessel sichert zusätzlich die Versorgung bei außergewöhnlich hohen Lasten ab – der fossile Anteil bleibt so auf wenige Prozent des Jahresbedarfs beschränkt.
Bis zur Heizperiode 2026/27 werden zunächst 30 bis 40 Wohneinheiten an das Nahwärmenetz angeschlossen. Bis 2030 sollen insgesamt 94 Gebäude mit 270 Wohneinheiten folgen. Dabei hat Gammel Engineering immer den Endausbau im Kopf, auch wenn man stufenweise baut. Gammel dimensioniert die Haupttrasse großzügig und plant Abgänge für künftige Netzerweiterungen bereits mit ein.
Für die Gebäude am Hainberg ersetzt der Anschluss die bisherigen Einzelheizungen durch kompakte Wärmeübergabestationen – aufwendige Umbauten sind in der Regel nicht nötig. Betrieb, Wartung und Brennstoffbeschaffung liegen künftig beim Wärmenetzbetreiber.
Was Kommunen lernen können
Industrielle Abwärme wird erst dann zu einer verlässlichen Wärmequelle, wenn sie als Teil eines Gesamtsystems gedacht wird – mit Speicher, Netz und klaren betrieblichen Randbedingungen. Für Kommunen mit Industriestandorten lohnt sich ein gezieltes Screening: Welche Prozesswärme fällt an und unter welchen Bedingungen? Mellrichstadt zeigt, dass auch kleinere Städte industrielle Abwärme erfolgreich nutzen können – vorausgesetzt, sie wird von Beginn an als Teil eines Gesamtsystems geplant.
*Thomas Reithmeier, B.Eng., ist Projektplaner Anlagentechnik bei Gammel Engineering. Die in Abensberg (Bayern) ansässige Gammel Engineering GmbH entwickelt seit ihrer Gründung im Jahr 1987 Energie- und Versorgungskonzepte für den Mittelstand, die Industrie sowie die öffentliche Hand.
Redaktion
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Freitag, 07.08.2026, 12:38 Uhr
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