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Enerige & Management > Studie - PwC erwartet Verlagerung der Stahlproduktion
Stahlproduktion. Quelle: unsplash / Yasin Hm
STUDIE:
PwC erwartet Verlagerung der Stahlproduktion
Hohe Energie- und CO2-Kosten treiben Europas Stahlindustrie in den Strukturwandel. Die Primärproduktion dürfte bis 2040 zunehmend an günstigere Standorte außerhalb Europas wandern.
 
Die europäische Stahlwirtschaft steckt in einer Strukturkrise: Weltweite Überkapazitäten und starker Importdruck treffen auf hohe Energie- und Produktionskosten. Die CO2-Bepreisung durch den EU-Emissionshandel und den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) belasten die Hochofenroute zusätzlich, schreiben die Berater von PWC in einer neuen Studie zu aktuellen Perspektiven der europäischen Stahlwirtschaft. Hinzu komme die wachsende Konkurrenz beim emissionsarmen Stahl: In den Golfstaaten und in Indien entstehen neue Produktionskapazitäten, auch weil diese Länder auf günstige Energie zugreifen können und über Rohstoffe verfügen. 

„Unsere Analyse zeigt, dass die europäische Stahlwirtschaft vor einem tiefgreifenden, aber notwendigem Strukturwandel steht. Er resultiert aus der steigenden CO2-Bepreisung, einer dauerhaften Energiekostendifferenz zwischen Europa und rohstoffreichen Regionen sowie dem wachsenden technologischen Reifegrad CO2-armer Produktionsrouten“, merkt PwC an.

Die günstigsten Standorte für CO2-armen Primärstahl liegen der Überzeugung der Berater nach außerhalb Europas. So hätten die Golfstaaten und Indien einen strukturellen Vorteil bei grünem Stahl. Denn die Wettbewerber können Wasserstoff, den sie für die Direktreduktion verwenden, um aus Eisenerz Eisen herzustellen, mit Solarstrom deutlich günstiger produzieren. 

Produktionskosten für grünen Stahl zu hoch

In Europa liegen die Produktionskosten für grünen Stahl noch deutlich über jenen der Hochofenroute. Allein Skandinavien erreiche unter optimistischen Annahmen konkurrenzfähige Primärstahlkosten. Für Mitteleuropa ergebe sich in keinem Szenario ein wettbewerbsfähiger Weg für die energieintensive Grundstoffproduktion, so PwC. 

„Das Fazit ist eindeutig: Die kohlebasierte Primärstahlproduktion hat in Deutschland keine Zukunft. Für die lokale metallverarbeitende Industrie ist es daher existenziell, sich frühzeitig in ihren Wertschöpfungsstufen neu aufzustellen“, schlussfolgert Alexander Schröder, Manager Energie & Dekarbonisierung bei PwC Deutschland.

Daraus leiten die Berater drei strategische Konsequenzen für die Transformation der europäischen Stahlwirtschaft ab. Erstens: Europäische Stahlunternehmen müssen die Verlagerung energieintensiver Produktionsstufen aktiv gestalten. Zweitens: Die in Deutschland verbleibende Wertschöpfung muss sich auf wissensintensive Produkte fokussieren. Drittens: Wissensintensive Fertigung braucht konkrete Orte. Solche Cluster für die Stahlproduktion ließen sich mit Rahmenbedingungen begünstigen. Dazu gehören beschleunigte Genehmigungsverfahren, Zugang zu günstiger Energie, Hafeninfrastruktur für den Import von Vorprodukten und die strukturelle Verzahnung zwischen Hochschulen und industriellen Akteuren.

„Die Stahlwelt von 2040 wird eine grundlegend andere sein. Die Hochofenroute wird unwirtschaftlich, die Geografie der Primärproduktion verschiebt sich und der Wert europäischer Stahlverarbeitung wird sich zunehmend am Wissen messen lassen müssen, das im Produkt steckt, nicht am Material selbst“, betonte Andree Simon Gerken, Partner Energiewende & Dekarbonisierung bei PwC Deutschland. (emv)
 

Eva-Maria Vochazer
© 2026 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 05.08.2026, 11:11 Uhr

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