Visualisierung des Erweiterungsprojektes Kühtai (Kühtai 2) im Winter. Quelle: Tiwag
ÖSTERREICH:
Pumpspeicher Kühtai 2 in Tirol bald im Probebetrieb
Die Anlage steigert die Flexibilität des Kraftwerks Sellrain-Silz erheblich. Wegen der witterungsbedingt schwankenden Stromproduktion mittels Wind und Sonne gewinnt das an Bedeutung.
Voraussichtlich am 7. August nimmt das neue Pumpspeicherkraftwerk Kühtai 2 des landeseigenen Tiroler Energiekonzerns Tiwag den Probebetrieb auf.
Das berichtete Projektleiter Klaus Feistmantl bei einem Lokalaugenschein mit der Presse auf der Baustelle am 23. Juni.
Geplant ist, den regulären Betrieb Ende 2027 zu beginnen. Kühtai 2 ist eine zweite Oberstufe des Kraftwerks Sellrain-Silz etwa 40 Kilometer westlich von Innsbruck mit derzeit etwa 781 MW Gesamtleistung. Auf die bestehende Oberstufe, den Pumpspeicher Kühtai, entfallen davon bis zu 289 MW. Die exakten Werte hängen vom Füllstand der Speicher ab. Das auf etwa 2.100 Metern Seehöhe gelegene Kühtai 2 verfügt über einen Speichersee mit 31 Millionen Kubikmetern Fassungsvermögen, der den Speicher Finstertal mit 60 Millionen Kubikmetern und den 400 Meter tiefer gelegenen Speicher Längental mit 3 Millionen Kubikmetern ergänzt.
Der neue See liegt etwa 180 Meter tiefer als der Speicher Finstertal. Er ist mit ihm über einen nach Westen verlaufenden 1.600 Meter langen Triebwasserweg samt dem neuen im Berg verbauten Kraftwerk Kühtai 2 mit seinen zwei je 95 MW starken Pumpturbinen verbunden. Eine Verbindung zum Speicher Längental besteht indirekt über den Speicher Finstertal.
Die Tiwag wird den Speicher Finstertal und den neuen Speicher Kühtai nutzen, um abhängig von den Preisen im Stromgroßhandel Wasser hin und her zu pumpen respektive zu turbinieren sowie Spitzenstrom zu erzeugen, wenn dies wirtschaftlich attraktiv ist. So kann sie die Flexibilität von Sellrain-Silz erheblich steigern. Dies ist angesichts der steigenden witterungsbedingt schwankenden Stromproduktion mit Windparks und Photovoltaikanlagen von zunehmender Bedeutung.
Im bestehenden Pumpspeicherkraftwerk Kühtai wird das Wasser nochmals zur Stromproduktion genutzt und gelangt über den Speicher Längental sowie den daran anschließenden Triebwasserweg zum 1.250 Meter tiefer im Inntal gelegenen Kraftwerk Silz mit 500 MW, wo es ein weiteres Mal abgearbeitet wird.

Lange Verfahren
Von Silz aus lässt sich das Wasser nicht neuerlich emporpumpen. Statt dessen wird es über ein im Zuge des Projekts Kühtai 2 errichtetes Ausgleichsbecken mit 300.000 Kubikmetern Volumen in den Inn abgegeben. Durch das Becken lässt sich die Schwallproblematik entschärfen: Die maximale Schwallhöhe kann um etwa ein Drittel reduziert werden. Insgesamt erhöht sich die jährliche Stromerzeugung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz mit Kühtai 2 um 41 Prozent oder 216 Millionen kWh auf 747 Millionen kWh.
Der zuständige Vorstandsdirektor der Tiwag, Alexander Speckle, berichtete, Kühtai 2 sei eines der derzeit größten Pumpspeicherprojektvorhaben Europas. Mit den Planungen begann die Tiwag 2006, drei Jahre später leitete sie die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ein. Nach der Genehmigung durch den Verfassungs- und den Verwaltungsgerichtshof begann sie 2019 mit dem Bau.
Speckle konstatierte bei dem Vor-Ort-Termin, die Genehmigungsverfahren für Kraftwerksprojekte dauerten zu lange. Auf Anfrage der Redaktion, was er sich von der kommenden Novelle des UVP-Gesetzes erhoffe, beschied Speckle sinngemäß, verständlicherweise solle diese so gestaltet werden, dass sie die raschere Genehmigung von Vorhaben ermögliche: „Wir beteiligen alles und jeden an den Verfahren und wundern uns dann, dass nichts weitergeht.“
Ausbau im Kaunertal
Die Kosten für Kühtai 2 beziffert die Tiwag mit rund 1,13 Milliarden Euro. In seiner bestehenden Form wurde Sellrain-Silz in den Jahren 1977 bis 1981 errichtet und ist das bislang stärkste Kraftwerk der Tiwag. Die Stufe Silz mit den genannten 500 MW ist für sich genommen nach wie vor das leistungsstärkste Speicherkraftwerk Österreichs. Sie übertrifft auch den neuesten Pumpspeicher Österreichs, Limberg III, der auf 480 MW kommt. Noch stärker wird erst das Lünerseewerk II der Vorarlberger Illwerke-VKW mit 1.000 MW, das 2037 in Betrieb gehen soll.
Die Tiwag selbst arbeitet an einer Erweiterung des Kraftwerks Kaunertal etwa 40 Kilometer westlich von Sellrain-Silz. Dieses kommt zurzeit auf 392 MW. Rechtskräftige Genehmigungen für den Bau des Speichers Platzertal mit 42 Millionen Kubikmetern Volumen sowie des 400 MW leistenden Pumpspeicherkraftwerks Versetz erstrebt die Tiwag für 2029.
Das 1,6 Milliarden Euro teure Vorhaben ist umstritten. Umweltorganisationen argumentieren mit der angeblichen Zerstörung hochalpiner Lebensräume. Nicht zerstreuen konnten diese Bedenken bis dato die umfangreichen Ausgleichsmaßnahmen, die die Tiwag im Rahmen von Kühtai 2 setzte und die mit rund 80 Millionen Euro zu Buche schlugen. Unter anderem renaturierte Abschnitte sie Teile der Ötztaler Ache sowie Teile der Innauen bei Langkampfen südlich von Kufstein.
Geplant ist, den regulären Betrieb Ende 2027 zu beginnen. Kühtai 2 ist eine zweite Oberstufe des Kraftwerks Sellrain-Silz etwa 40 Kilometer westlich von Innsbruck mit derzeit etwa 781 MW Gesamtleistung. Auf die bestehende Oberstufe, den Pumpspeicher Kühtai, entfallen davon bis zu 289 MW. Die exakten Werte hängen vom Füllstand der Speicher ab. Das auf etwa 2.100 Metern Seehöhe gelegene Kühtai 2 verfügt über einen Speichersee mit 31 Millionen Kubikmetern Fassungsvermögen, der den Speicher Finstertal mit 60 Millionen Kubikmetern und den 400 Meter tiefer gelegenen Speicher Längental mit 3 Millionen Kubikmetern ergänzt.
Der neue See liegt etwa 180 Meter tiefer als der Speicher Finstertal. Er ist mit ihm über einen nach Westen verlaufenden 1.600 Meter langen Triebwasserweg samt dem neuen im Berg verbauten Kraftwerk Kühtai 2 mit seinen zwei je 95 MW starken Pumpturbinen verbunden. Eine Verbindung zum Speicher Längental besteht indirekt über den Speicher Finstertal.
Die Tiwag wird den Speicher Finstertal und den neuen Speicher Kühtai nutzen, um abhängig von den Preisen im Stromgroßhandel Wasser hin und her zu pumpen respektive zu turbinieren sowie Spitzenstrom zu erzeugen, wenn dies wirtschaftlich attraktiv ist. So kann sie die Flexibilität von Sellrain-Silz erheblich steigern. Dies ist angesichts der steigenden witterungsbedingt schwankenden Stromproduktion mit Windparks und Photovoltaikanlagen von zunehmender Bedeutung.
Im bestehenden Pumpspeicherkraftwerk Kühtai wird das Wasser nochmals zur Stromproduktion genutzt und gelangt über den Speicher Längental sowie den daran anschließenden Triebwasserweg zum 1.250 Meter tiefer im Inntal gelegenen Kraftwerk Silz mit 500 MW, wo es ein weiteres Mal abgearbeitet wird.

Schüttdamm des Pumpspeicherkraftwerks Kühltai 2
Quelle: Klaus Fischer
Quelle: Klaus Fischer
Lange Verfahren
Von Silz aus lässt sich das Wasser nicht neuerlich emporpumpen. Statt dessen wird es über ein im Zuge des Projekts Kühtai 2 errichtetes Ausgleichsbecken mit 300.000 Kubikmetern Volumen in den Inn abgegeben. Durch das Becken lässt sich die Schwallproblematik entschärfen: Die maximale Schwallhöhe kann um etwa ein Drittel reduziert werden. Insgesamt erhöht sich die jährliche Stromerzeugung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz mit Kühtai 2 um 41 Prozent oder 216 Millionen kWh auf 747 Millionen kWh.
Der zuständige Vorstandsdirektor der Tiwag, Alexander Speckle, berichtete, Kühtai 2 sei eines der derzeit größten Pumpspeicherprojektvorhaben Europas. Mit den Planungen begann die Tiwag 2006, drei Jahre später leitete sie die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ein. Nach der Genehmigung durch den Verfassungs- und den Verwaltungsgerichtshof begann sie 2019 mit dem Bau.
Speckle konstatierte bei dem Vor-Ort-Termin, die Genehmigungsverfahren für Kraftwerksprojekte dauerten zu lange. Auf Anfrage der Redaktion, was er sich von der kommenden Novelle des UVP-Gesetzes erhoffe, beschied Speckle sinngemäß, verständlicherweise solle diese so gestaltet werden, dass sie die raschere Genehmigung von Vorhaben ermögliche: „Wir beteiligen alles und jeden an den Verfahren und wundern uns dann, dass nichts weitergeht.“
Ausbau im Kaunertal
Die Kosten für Kühtai 2 beziffert die Tiwag mit rund 1,13 Milliarden Euro. In seiner bestehenden Form wurde Sellrain-Silz in den Jahren 1977 bis 1981 errichtet und ist das bislang stärkste Kraftwerk der Tiwag. Die Stufe Silz mit den genannten 500 MW ist für sich genommen nach wie vor das leistungsstärkste Speicherkraftwerk Österreichs. Sie übertrifft auch den neuesten Pumpspeicher Österreichs, Limberg III, der auf 480 MW kommt. Noch stärker wird erst das Lünerseewerk II der Vorarlberger Illwerke-VKW mit 1.000 MW, das 2037 in Betrieb gehen soll.
Die Tiwag selbst arbeitet an einer Erweiterung des Kraftwerks Kaunertal etwa 40 Kilometer westlich von Sellrain-Silz. Dieses kommt zurzeit auf 392 MW. Rechtskräftige Genehmigungen für den Bau des Speichers Platzertal mit 42 Millionen Kubikmetern Volumen sowie des 400 MW leistenden Pumpspeicherkraftwerks Versetz erstrebt die Tiwag für 2029.
Das 1,6 Milliarden Euro teure Vorhaben ist umstritten. Umweltorganisationen argumentieren mit der angeblichen Zerstörung hochalpiner Lebensräume. Nicht zerstreuen konnten diese Bedenken bis dato die umfangreichen Ausgleichsmaßnahmen, die die Tiwag im Rahmen von Kühtai 2 setzte und die mit rund 80 Millionen Euro zu Buche schlugen. Unter anderem renaturierte Abschnitte sie Teile der Ötztaler Ache sowie Teile der Innauen bei Langkampfen südlich von Kufstein.
Klaus Fischer
© 2026 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 24.06.2026, 12:35 Uhr
Mittwoch, 24.06.2026, 12:35 Uhr
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