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Enerige & Management > Abwärme - Orcan Energy bringt Abwärmesystem auf Frachter
100-kW-ORC-Modul von Orcan Energy auf dem Frachter. Quelle: Orcan Energy
ABWÄRME:
Orcan Energy bringt Abwärmesystem auf Frachter
Orcan Energy hat auf einem Schiff von Hagland Shipping ein 100-kW-ORC-System zur Abwärmenutzung in Betrieb genommen. Drei weitere Installationen sollen folgen.
 
Der Münchner Abwärmespezialist Orcan Energy hat das erste von vier geplanten ORC-Systemen auf einem Schiff der norwegischen Reederei Hagland Shipping installiert und in Betrieb genommen. Dies teilte das Unternehmen am 6. Mai mit. Das Unternehmen nutzt dabei ein 100-kW-„efficiency PACK“, das Abwärme aus dem Schiffsantrieb in elektrische Energie umwandelt. Die Inbetriebnahme erfolgte auf einem Frachtschiff der Hagland-Flotte. 

Das System nutzt zwei Wärmequellen des Hauptmotors: dem Abgas und dem Hochtemperatur-Kühlwasser des ABC-Hauptmotors des Schiffes. Nach Angaben von Orcan Energy erzeugt die Anlage aus bislang ungenutzter thermischer Energie Strom für den Bordbetrieb. Dadurch soll der Kraftstoffverbrauch sinken. Auch die CO2-Emissionen der Schiffe sollen zurückgehen. 

Mit der ersten Inbetriebnahme startet das Projekt in die nächste Phase. Orcan Energy will drei weitere Anlagen auf Schwesterschiffen der Reederei installieren. Hagland Shipping verfolgt damit das Ziel, den Energieverbrauch der Flotte zu senken und bestehende Antriebssysteme effizienter zu nutzen. „Da wir kontinuierlich nach Möglichkeiten suchen, den ökologischen Fußabdruck unserer Flotte zu reduzieren, ist die Nutzung von Abwärme ein logischer Schritt“, sagten Paal und Oivind Aanensen, Co-CEOs von Hagland Shipping.

Orcan Energy positioniert die ORC-Technologie als Lösung für die Dekarbonisierung bestehender Schiffsflotten. Das Unternehmen verweist darauf, dass sich die Systeme vergleichsweise einfach in vorhandene Energiestrukturen integrieren lassen. Neben Emissionsminderungen nennt Orcan Energy auch Einsparungen bei den Betriebskosten als Ziel der Technologie.

Die Umsetzung des Projekts erfolgte gemeinsam mit weiteren Partnern aus der maritimen Lieferkette. Die niederländische Werft Royal Bodewes unterstützte die Integration der Anlage an Bord. Der norwegische Vertriebspartner Gear Consult AS begleitete das Projekt vor Ort.

Grundsätzlich funktionieren die Orcan-Energy-Module − sogenannte ORC-Module (Organic Rankine Cycle) − wie ein Dampfkraftwerk. Anstatt des Arbeitsmediums Wasser kommt im Prozess eine organische, beispielsweise kohlenstoffbasierte Flüssigkeit mit einer niedrigen Verdampfungstemperatur zum Einsatz. Mithilfe von Wärmetauschern wird die Flüssigkeit erwärmt und den ORC-Modulen zur Stromerzeugung zugeführt.

Auch für Rechenzentren 

Zuvor hatte Orcan Energy mittgeteilt, sein Geschäftsfeld auch in Richtung KI-Rechenzentren zu erweitern (wir berichteten). Das Unternehmen adressiert damit Engpässe bei Netzanschlüssen und Lieferketten für Erzeugungsanlagen, teilte der Abwärmespezialist am 2. April mit. Das neue Angebot zielt laut Orcan darauf ab, den „massiven Energieengpass im Hyperscale-Bereich zu lösen“. Betreiber großer Rechenzentren sehen sich zunehmend mit langen Wartezeiten konfrontiert, die den Ausbau von Kapazitäten verzögern. 

Mit der Organic Rankine Cycle (ORC)-Technologie könne das Unternehmen den Rechenzentren-Betreibern ermöglichen, ungenutzte Abwärme in Grundlastenergie umzuwandeln. Die Systeme wandeln Abgaswärme aus vorhandenen Erzeugungsanlagen in elektrische Energie um. Nach Unternehmensangaben lassen sich so bis zu 35 Prozent zusätzliche Leistung vor Ort bereitstellen. 

Die Orcan Energy AG ist ein deutsches Cleantech-Unternehmen mit Hauptsitz in München, das schlüsselfertige Energieeffizienzlösungen zur Umwandlung von Abwärme in Grundlaststrom entwickelt. Das 2008 als eine Ausgründung der Technischen Universität München entstandene Unternehmen hat eigenen Angaben nach bislang 600 Module mit mehr als 7 Millionen Betriebsstunden international vermarktet. 
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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