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Enerige & Management > Studien - Großes Einsparpotenzial bei Prozesswärme
Quelle: alphaspirit / Fotolia
STUDIEN:
Großes Einsparpotenzial bei Prozesswärme
Unternehmen haben erhebliche Möglichkeiten, ihre Ausgaben für Energie zu senken. Eine Agora-Studie greift ein besonders aktuelles Thema auf.
 
Bis zu einem Drittel ihrer laufenden Energiekosten können mittelständische Unternehmen mit der Elektrifizierung industrieller Prozesswärme einsparen – im Vergleich zur Verwendung von Erdgas. Das ist das Ergebnis einer Studie von Agora Industrie gemeinsam mit der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft, die konkrete Anwendungsbeispiele untersucht hat. 

Bei Temperaturbereichen unter 100 Grad, etwa für Trocknungsprozesse in der Lebensmittelindustrie, rechnet sich die Anschaffung einer Wärmepumpe demnach bereits nach fünf Jahren. Bei Temperaturbedarfen über 100 Grad, etwa für Brennprozesse in Öfen, fallen die Amortisationszeiten aufgrund höherer Investitionskosten und geringerer Effizienzgewinne allerdings länger aus: Hier machen sich die Anschaffungskosten für eine Wärmepumpe oder einen Elektrokessel erst nach mehr als zehn Jahren bezahlt. Gleichzeitig profitieren Unternehmen aber auch hier von deutlich geringeren laufenden Energiekosten. 

Abkehr von fossilen Brennstoffen kommt nur langsam voran

„Gerade für den industriellen Mittelstand ist die Frage nach wirtschaftlich tragfähigen Alternativen zu Erdgas besonders relevant“, sagt Julia Metz, Direktorin von Agora Industrie, und weist darauf hin, dass rund 40 Prozent des industriellen Erdgasbedarfs – bezogen auf die energetische Nutzung – auf den Mittelstand entfallen. Steigende Gaspreise, wie aktuell infolge des Kriegs im Nahen Osten, träfen mittelständische Unternehmen daher besonders stark. Zudem könnten sie Preisschwankungen kaum abfedern. Ein Umstieg von Erdgas auf Strom reduziere nicht nur die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten, sondern senke die Energiekosten.

„Obwohl sich deutsche Mittelständler vielerorts durch innovative Marktführerschaft auszeichnen, geht die Abkehr von fossilen Brennstoffen nur langsam voran. Dabei eröffnet die Elektrifizierung erhebliche Potenziale für Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz – vorausgesetzt, die richtigen politischen Rahmenbedingungen werden geschaffen“, so Metz.

Einen Grund für die Entscheidung gegen die Elektrifizierung der Wärmeprozesse sieht die Studie in der Tatsache, dass die Investitionen über die Lebensdauer zwar zu hohen Kosteneinsparungen führen, Amortisationszeiten von mehr als fünf Jahren aber über dem liegen, was in der Praxis üblicherweise als wirtschaftlich attraktiv bewertet wird. „Hier braucht es eine Politik, die gezielt Anreize schafft – pragmatisch und verlässlich.“

Durch Förderung Investitionsanreize schaffen 

Gezielte Finanzierungs- und Förderangebote könnten hohe Anfangsinvestitionen abfedern, vereinfachte CO2-Differenzverträge das Strom-Erdgas-Preisverhältnis absichern und belastbare Geschäftsmodelle ermöglichen. Gleichzeitig könnten Beratungsangebote vor allem kleinere und mittlere Unternehmen dabei unterstützen, ihre Prozesse flexibler an günstigen Strompreisen auszurichten. Darüber hinaus sind Standardisierung und Skaleneffekte bei Wärmetechnologien wichtig, um Investitionskosten langfristig zu senken. 

Die Studie Mittelstand stärken mit elektrischer Prozesswärme – Chancen für geringere Energiekosten und mehr Resilienz  ist online abrufbar. Ein begleitender Expertenworkshop ergänzt die Analyse und ermöglicht eine praxisnahe Bewertung von Chancen, Herausforderungen und der Wirtschaftlichkeit entsprechender Investitionen.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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