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Enerige & Management > Europa - Bis zu 20 Milliarden Euro für nachhaltige Infrastruktur
Quelle: Pixabay / Udo Pohlmann
EUROPA:
Bis zu 20 Milliarden Euro für nachhaltige Infrastruktur
Die EU hat einen Fonds für die Finanzierung ressourcenschonender Infrastruktur aufgelegt. Er soll Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern anstoßen.
 
Die Europäische Union und mehrere internationale Entwicklungsbanken haben einen neuen Fonds für grüne Anleihen gestartet. Ziel ist es, Investitionen von bis zu 20 Milliarden Euro in nachhaltige Infrastruktur in Entwicklungs- und Schwellenländern anzustoßen, teilte die EU-Kommission mit.

Der Fonds ist Teil der „Global Green Bond Initiative“ (GGBI), die wiederum zur Global-Gateway-Strategie der EU gehört. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte dazu: „Mit dem Fonds unterstreicht Europa seine Führungsrolle in der nachhaltigen Finanzierung. Wir mobilisieren Milliarden an privaten Investitionen für Klima- und Umweltziele.“ 

Die Global-Gateway-Strategie bündelt internationale Investitionen der EU unter anderem in Energie-, Verkehrs- und Digitalinfrastruktur. Im Kern geht es darum, Projekte zu finanzieren, die wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen und gleichzeitig Klima- und Umweltziele berücksichtigen.

Die Finanzierung des Fonds folgt einem Hebelprinzip: Öffentliche Mittel dienen als Grundlage, um zusätzliche private Investitionen zu mobilisieren. Rund 1 Milliarde Euro kommt von öffentlichen Investoren, darunter europäischen Förderbanken. Private Investoren sollen bis zu 2 Milliarden Euro beitragen. Durch diesen Mix kann ein deutlich größeres Investitionsvolumen angestoßen werden.

Allein für nachhaltige Projekte

Konkret investiert der Fonds in grüne Anleihen. Dabei handelt es sich um Schuldverschreibungen, deren Erlöse ausschließlich in nachhaltige Projekte fließen, etwa in erneuerbare Energien, Stromnetze oder Energieeffizienzmaßnahmen. Der Fonds soll dazu beitragen, solche Anleihen in Partnerländern stärker zu verbreiten. 

Ein Schwerpunkt liegt auf sogenannten Erstemittenten. Das sind Staaten, Kommunen oder Unternehmen, die erstmals grüne Anleihen begeben. Gerade in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern fehlen bislang Erfahrung und Marktstrukturen für solche Finanzierungen. Der Fonds übernimmt hier eine Anschubfunktion, indem er als Erstinvestor auftritt und damit Vertrauen bei weiteren Kapitalgebern schafft.

Mindestens ein Fünftel der Mittel ist für die am wenigsten entwickelten Länder vorgesehen. Neben Anleihen in Euro werden auch Emissionen in lokalen Währungen unterstützt. Das soll dazu beitragen, lokale Kapitalmärkte zu stärken und Wechselkursrisiken für Projektträger zu reduzieren.

Weitere Instrumente als Ergänzung

Beteiligt sind unter anderem die Europäische Investitionsbank, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie nationale Förderbanken aus mehreren EU-Staaten. Die Europäische Kommission sichert einen Teil der Risiken über eine Garantie im Rahmen des „European Fund for Sustainable Development Plus“ ab. Dadurch wird das Engagement für private Investoren attraktiver.

Ergänzt wird der Fonds durch zwei weitere Instrumente. Ein Programm für technische Unterstützung hilft Ländern und Institutionen dabei, grüne Anleihen vorzubereiten und geeignete Projekte zu entwickeln. Zudem gibt es einen Mechanismus, der einen Teil der Zinskosten übernimmt, wenn Emittenten wegen hoher Marktzinsen sonst keinen Zugang zum Kapitalmarkt hätten.

Für Energieversorger und Infrastrukturbetreiber in den Zielländern verbessert sich damit der Zugang zu Kapital für Investitionen in erneuerbare Energien, Netze und andere klimarelevante Projekte. Gleichzeitig verfolgt die EU das Ziel, internationale Standards für grüne Finanzierungen zu verbreiten und die Bedeutung des Euro im Markt für nachhaltige Anleihen zu stärken.
 

Stefan Sagmeister
Chefredakteur
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